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Schweizer Brandopfer in Berlin: Unfallklinikum behandelt 18-Jährigen nach Feuerinferno in Crans-Montana
Das Unfallkrankenhaus Berlin behandelt einen schwer verletzten Mann nach dem Silvesterbrand in der Schweiz. Er erlitt Verbrennungen an den Händen und im Gesicht.
Stand:
Am Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) wird ein Opfer des Brandinfernos in einer Bar im schweizerischen Crans-Montana behandelt. Es handelt sich um einen 18-jährigen Schweizer. Das sagte eine Sprecherin des UKB dem Tagesspiegel. Weitere Patienten werden nicht erwartet. Ursprünglich war die Rede von drei Patienten, die in Berlin behandelt werden sollen.
Der Mann habe tiefe Verbrennungen an den Händen und im Gesicht erlitten, sagte die Sprecherin. Daneben habe er ein Inhalationstrauma erlitten. Durch das Einatmen der heißen Gase seien Atemwege und Lunge geschädigt worden.
Am Montag wurde der Mann den Angaben zufolge operiert. Er werde intensivmedizinisch behandelt und sei in ein sogenanntes Schutzkoma versetzt worden. Die Eltern des 18-Jährigen aus der Schweiz seien auf dem Weg nach Berlin.
Die Brandkatastrophe geschah in der Neujahrsnacht im Untergeschoss einer Bar im Zentrum des Schweizer Wintersportortes Crans-Montana im Kanton Wallis. Nach Behördenangaben kamen 40 Menschen ums Leben, 119 wurden verletzt.

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Nach den Ermittlungen ist das Feuer wohl durch Feuerwerk ausgelöst worden, das in Champagnerflaschen gesteckt wurde und den Schaumstoff an der Decke der Bar in Brand gesetzt hat. Das Feuer breitete sich dann rasend schnell aus.
Viele derjenigen, die es nicht mehr lebend aus der brennenden Bar schafften, sind noch nicht volljährig gewesen. Das jüngste Todesopfer ist eine 14-jährige Schweizerin, wie die Schweizer Polizei im Kanton Wallis berichtet. Darunter waren unter anderem Italiener und Franzosen, Deutsche waren nicht unter den Todesopfern.

© dpa/Marco Alpozzi
Fast die Hälfte der 119 schwer verletzten Menschen muss mangels Kapazität in der Schweiz ins Ausland verlegt werden. Bis Sonntag sollten 50 Menschen verlegt werden, teilt das schweizerische Bundesamt für Bevölkerungsschutz mit. Angeflogen werden unter anderem auch Kliniken in Frankreich, Italien und Belgien.
Verletzte in deutsche Kliniken verlegt
Mehrere Patienten sind inzwischen auch in auf Verbrennungen spezialisierte Kliniken in Deutschland verlegt worden, da die Schweiz nicht die Möglichkeiten hat, um alle Verletzten langfristig zu behandeln. Unter anderem werden Überlebende aus Crans-Montana in Ludwigshafen, Stuttgart, Tübingen, Bochum und Köln-Merheim behandelt.
Einige der 119 überwiegend schwer verletzten Überlebenden sind in einer kritischen Phase: Bei sehr schweren Verbrennungen treten Symptome der Verbrennungskrankheit wie Organversagen erst nach 48 Stunden auf.
Zudem wächst das Risiko von Infektionen, weil das überforderte Immunsystem geschwächt ist. Erst, wenn die Risiken minimiert sind, beginnen die ersten von zahlreichen Operationen, um die verbrannte Haut zu entfernen und zu ersetzen – idealerweise mit Haut von anderen Körperstellen, die unversehrt blieben.
Die Mehrheit der Patientinnen und Patienten muss wahrscheinlich monatelang behandelt werden, hatte die Direktorin der Klinik für Schwerbrandverletzte und Plastische Chirurgie am UKB, Leila Harhaus-Wähner, in der vergangenen Woche gesagt.
Für die Hauttransplantationen seien in der Regel mehrere Operationen nötig. Sie gehe von mehrwöchigem Aufenthalt auf der Intensivstation aus, gefolgt von einigen Wochen auf Normalstationen und einem Reha-Aufenthalt im Anschluss.
Das Schwerbrandverletztenzentrum am UKB ist eigenen Angaben zufolge eines der größten und modernsten Verbrennungszentren Europas für brandverletzte Kinder und Erwachsene.
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