• „Sie ist nicht weniger wert, als die von Erwachsenen“: Klax-Galerie inszeniert Kunst von Kindern

„Sie ist nicht weniger wert, als die von Erwachsenen“ : Klax-Galerie inszeniert Kunst von Kindern

Die Klax-Galerie will Kunst von Kindern ernst nehmen. Dafür stellt sie ihre Bilder aus. Die Kinder würden profitieren, meinen die Mitarbeiter.

Jette Wiese
Ein kleines Mädchen malt gerade im Hauptraum der Klax-Kinderkunstgalerie in der Schönhauser Allee.
Ein kleines Mädchen malt gerade im Hauptraum der Klax-Kinderkunstgalerie in der Schönhauser Allee.Foto: Doris Spiekermann-Klaas/Tsp

Auf den ersten Blick ist die Galerie in der Schönhauser Allee 58a ein ganz normaler Ausstellungsort: An den weißen Wänden hängen große gerahmte Bilder, mal figurativ, mal abstrakt. Daneben stehen glänzende Figuren aus gebranntem Ton. Nur ein Werk sticht heraus und lässt erahnen, dass hier irgendwas anders ist: eine Collage mit dem Titel „Wie soll eure Zukunft aussehen?“, neben der Stifte, Papier und Kleber bereitliegen. Darauf die kühne Forderung „Recht auf Süßigkeiten für alle“.

Die Klax-Kinderkunstgalerie in Prenzlauer Berg ist eben doch keine gewöhnliche Galerie für professionelle Kunst, sondern ein Ort, an dem Bilder und Skulpturen von Kindern zwischen drei und 18 Jahren ausgestellt werden. Die Galerie ging aus einer 1993 gegründeten Malschule hervor, von ihr ausgehend entwickelte sich das Klax-Unternehmen, das heute mehrere Kindergärten und Kindertagesstätten mit einem kunstpädagogischen Ansatz in Berlin betreibt. Kinder lernten durch die Förderung ihrer Kreativität, Probleme leichter zu lösen und kritisch zu denken.

Die Klax-Galerie will die Kunst von Kindern ernst nehmen. „Sie ist nicht weniger wert, als die von Erwachsenen“, sagt Anette Muhrbeck, eine langjährige Mitarbeiterin. „Schon wenn die Bilder gerahmt sind, bekommen die Kinder eine ganz neue Wertschätzung.“

[Die nächste Vernissage findet am 16. November um 11 Uhr statt. Ausgestellt werden die Einsendungen der Aktion „Zeigt her eure Bilder“. Gezeigt werden alle Werke von allen Kindern, die etwas einreichen. Noch bis Sonnabend kann man dafür die Lieblingskunstwerke direkt bei der Galerie abgeben, zusammen mit einem Anmeldeformular, das unter www.klax.de zu finden ist. Schönhauser Allee 58a, Di-Mi 10-18 Uhr, Do-Sa 14-18 Uhr]

Ausgestellt Bilder von Kindern.
Ausgestellt Bilder von Kindern.Foto: Doris Spiekermann-Klaas/Tsp

Pro Jahr ziehen sechs verschiedene Ausstellungen in die Räume ein. Die Werke kommen aus sozialen Projekten, von Malschulen oder aus Kindergärten und werden zu einem bestimmten Thema zusammengestellt. Die aktuelle Ausstellung, die noch bis zum 9. November zu sehen ist, wurde von geflüchteten Kindern gestaltet, die unbegleitet nach Deutschland kamen. Sie trägt den Titel „Freigeister“ und erzählt von den Geschichten, Erfahrungen und Hoffnungen der Geflüchteten.

„Freiheit, sich kreativ auszutoben“

Ein paar der ausgestellten Werke kommen aus der benachbarten Kreativwerkstatt der Klax-Gruppe. Dort können Kinder und Erwachsene malen, basteln, nähen und töpfern. Auch ein 3-D-Drucker steht zur Verfügung. Die Kursleiter unterstützen mit Ratschlägen und technischer Hilfe, die Teilnehmenden entscheiden aber selbst, was sie gestalten wollen, erklärt die Leiterin der Werkstatt, Sabine Mittag. „Hier haben die Kinder die Freiheit, sich kreativ auszutoben. Trotzdem bieten wir ihnen einen sicheren Rahmen und helfen ihnen, wenn sie das wollen.“

Da kämen ganz unterschiedliche Werke zustande, erzählt Mittag. Jemand habe zum Beispiel ein Modellflugzeug aus Holz entwickelt und gebaut. Auch ein Theaterstück wurde aufgeführt, das in einem Ferienkurs entstand und von der Geschichte bis zum Bühnenbild vollständig von den Kindern selbst gestaltet wurde. Die Ausstellungen in der Galerie werden immer mit einer richtigen Vernissage eröffnet – so, wie es auch in großen Kunsthäusern üblich ist.

„Die Kinder suchen dann zuallererst nach ihrem eigenen Bild“, erzählt die Leiterin der Kinderkunstgalerie, Julia Ehni. Dann würden Fotos gemacht und geprüft, ob der Name richtig geschrieben sei und das Bild nicht verkehrt herum hänge, sagt die Galeristin. Der Stolz sei den jungen Künstlern anzusehen.

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