Smartphonefreie BVG : "Da hat sich jemand einen Scherz erlaubt"

Britta und Peter dürfen ihre Telefone weiter in der U-Bahn benutzen: Guerilla-Plakate, die das Gegenteil behaupten, sind ein Fake. Eine Glosse.

Guerilla-Aktion gegen Smartphones. Gesehen in der U1.
Guerilla-Aktion gegen Smartphones. Gesehen in der U1.Foto: Jiří Schroeder

Diese Plakate sind ein Hingucker: "Alle Leute steigen aus, nur nicht Britta, die ist auf Twitter", lästert ein großer Aufkleber auf einem Brandenburger-Tor-gemusterten U-Bahnfenster - gesehen in der U1. "BVG ab 1. März 2019 smartphonefreie Zone" steht darunter. Ein anderes Poster, das eine Twitter-Nutzerin teilt, reimt: "Alle glotzen dumm aufs Handy, außer Peter, der ist Verräter."

Die Poster sind überzeugend echt: Im schwarz-gelben Corporate Design der BVG gehalten, unterlegt mit dem berühmten U-Bahn-Sitzmuster, das sogar schon BVG-Sneaker geziert hat. Eine neue PR-Aktion des humor- und kundenverliebten Werbeteams der Verkehrsbetriebe ("Weil wir dich lieben")?

Dem informierten U-Bahnfahrer dürften Zweifel kommen: Immerhin treiben die Verkehrsbetriebe seit langem den Ausbau kostenloser WLAN-Hotspots voran - fast alle U-Bahnhöfe (außer der in Sanierung befindlichen Bismarckstraße) haben laut BVG inzwischen WLAN, in Bussen wird das Angebot getestet.

Außerdem stellten BVG-Chefin Sigrid Nikutta und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop soeben die neue Nahverkehrs-App "Jelbi" vor, die endlich mehrere Verkehrsangebote vereinen soll. Soll deren Nutzung in der angeblichen smartphonefreien Zone eine Ausnahmeregelung bekommen?

Anruf bei den Verkehrsbetrieben: "Das ist ein Fake. Da hat sich jemand einen Scherz erlaubt", stellt Sprecher Jannes Schwentu klar. "Wir können unseren Fahrgästen versichern, dass sie weiterhin ihre Smartphones bei uns nutzen können."

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Prächtige Decken am Heidelberger Platz in Wilmersdorf. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Fotos von Berliner U-Bahnhöfen an leserbilder@tagesspiegel.de!Weitere Bilder anzeigen
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Wie viele Plakate es tatsächlich gibt, wo sie hängen und seit wann, lässt sich nur schwer nachvollziehen. "So etwas sieht in sozialen Netzwerken oft nach mehr aus als in Wirklichkeit", sagt Schwentu mit Blick auf die Verbreitung der Bilder auf Twitter. Ihm sei nicht bekannt, dass die Poster massenweise in den U-Bahnen hingen. BVG-Mitarbeiter seien angewiesen worden, die Plakate zu entfernen, sollten sie sie entdecken - so wie andere illegale Plakatierungen auch. Schließlich stellt die BVG eigens dafür kostenpflichtige Werbeflächen bereit.

Wer hinter der Guerilla-Aktion steckt, ist unklar. Ebenso die Intention: Wollten die Plakatierer auf den übermäßigen Gebrauch von Smartphones in öffentlichen Verkehrsmitteln aufmerksam machen und gar für Druckerzeugnisse wie Buch und Tageszeitung werben? Oder handelt es sich um - zugegeben um die Ecke gedachte - Ironie? Denn viele Fahrgäste wissen längst: Ein langer BVG-Tunnel kann schnell zur Smartphone-freien Zone werden, wenn das Handy in der Empfangsanzeige allenfalls einen Balken meldet.

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