Spandauer Campingplatz muss schließen : "Greta wäre für uns"

Keine Vertragsverlängerung, kein alternativer Standort: Bewohner demonstrieren gegen das endgültige Ende ihres Campingplatzes, der renaturiert werden soll.

Am Donnerstag demonstrierten Campingplatz-Bewohner vor dem Rathaus Spandau.
Am Donnerstag demonstrierten Campingplatz-Bewohner vor dem Rathaus Spandau.Foto: Robert Klages

Ein Mann meditiert auf einer Mauer, Kinder laufen herum, Bürger sammeln Unterschriften. Am Mittwoch demonstrierten rund 30 Personen vor dem Rathaus Spandau gegen die Schließung ihres Campingplatzes am Breithornweg 40 im Stadtteil Kladow.

Dieser existiert seit 1953 als eingetragener Verein Berlin Camping-Club e.V., direkt an der Havel. Auch Dauercamper sind hier beherbergt, oftmals bereits seit mehreren Generationen.

Für viele Familien aus der Innenstadt ist es "der schönste Ort Berlins". Doch der Vertrag läuft aus, das Gebiet soll renaturiert werden. Zelte und Wohnmobile müssen weg. Im März 2020 ist Schluss.

Der Wald soll sich laut Stadtrat Frank Bewig (CDU) entweder selbst renaturieren oder es sollen Bäume gepflanzt werden - hier sei noch keine Entscheidung gefallen. Die Bewohner kritisieren, dass der Bezirk in den letzten 15 Jahren nicht versucht habe, einen Alternativplatz zu finden. Stadtrat Bewig, seit 2017 im Amt, versteht die Campingplatzbewohner.

Doch Flächen seien rar, es sei schon schwer, Orte für den Wohnungsbau zu finden. Zudem gibt er zurück, dass auch der Verein in den letzten Jahren keine Vorschläge für alternative Standorte gemacht habe. Leider sei es auch nicht möglich, den Vertrag zu verlängern.

Die Anwohner stört auch, dass die Stadt überlegt, nahe ihrem Campingplatz das Tourismusprojekt "Gutshaus Neukladow" mit bis zu 15 Millionen Euro zu fördern - die Rede ist von kulturellem "Qualitätstourismus". Saniert werden sollen Park, Haus und Ufer. Das Projekt soll den Tourismus mehr in die Außenbezirke locken, heißt es.

"Unser Campingplatz macht das schon seit Langem", beschweren sich die Camper. Immerhin 9000 Übernachtungen pro Jahr könne der Campingplatz verbuchen.

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"Wieder ein Stück grüne Erholungsfläche, die in Berlin wegfällt", sagt eine Frau. "Greta wäre für uns", steht auf einem Schild. Vorbeigehende Passanten sehen das anders: Die Klimaaktivistin Greta Thunberg sei doch sicherlich für eine Renaturierung des Ortes, sind sie sich sicher. Aber ja, schade um den schönen Campingplatz, meinen sie dann. Sie seien auch mal dort gewesen.

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