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Raed Saleh, Landesvorsitzender der SPD Berlin und Vorsitzender der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, bei einem Interview mit Redakteuren der Deutschen Presse Agentur (DPA) im Kurt-Schuhmacher-Haus.
© Carsten Koall/dpa

Schule, Wohnung, Arbeitsmarkt: SPD-Chef Saleh für schnelle Integration ukrainischer Flüchtlinge

Berlins SPD-Chef plädiert für die Integration der Kriegsflüchtlinge – ohne Wenn und Aber. Gleichzeitig warnt er davor, alte Fehler zu wiederholen.

Berlins SPD-Partei- und -Fraktionschef Raed Saleh hat sich dafür ausgesprochen, ukrainische Kriegsflüchtlinge möglichst schnell zu integrieren. Das gelte für die Schule genauso wie für den Arbeitsmarkt und die Versorgung mit Wohnraum, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

„Wir dürfen die Fehler der vergangenen Jahrzehnte nicht wiederholen“, warnte er. „Wenn ukrainische Kinder zu uns kommen, gehören sie in unser Schulsystem und am besten so schnell wie möglich in unsere Regelklassen. Ansonsten tun wir ihnen keinen Gefallen.“

Saleh warnte davor, davon auszugehen, dass die meisten Flüchtlinge schon bald wieder zurück in ihre Heimat gehen könnten. „Wer sich die Bilder von den zerbombten Häusern und Straßen in der Ukraine anschaut, muss damit rechnen und damit planen, dass viele der Geflüchteten sehr lange bei uns bleiben werden“, sagte er.

„Die meisten werden länger bleiben als gedacht. Selbst wenn es nur 50 Prozent oder 25 Prozent sind, muss man jetzt die Grundlagen dafür schaffen“, meinte Saleh. „Für viele ukrainische Flüchtlinge wird Berlin ihr neues Zuhause sein.“

Saleh warnt vor doppeltem Analphabetismus

Saleh forderte, aus den bisherigen Erfahrungen bei der Integration von Kindern und Jugendlichen Konsequenzen zu ziehen. „Und wenn ich eins gelernt habe, dann das, dass es der größte Fehler war, die sogenannten Gastarbeiterkinder in separate Klassen zu stecken nach dem Motto „Irgendwann gehen die sowieso zurück“.

Was vor allem nicht wieder passieren dürfe, sei doppelter Analphabetismus: „Wir haben es oft nicht geschafft, Kindern aus arabischen und türkischen Familien ihre Heimatsprache ordentlich beizubringen und die deutsche Sprache auch nicht“, sagte Saleh. „Deswegen gehören die ukrainischen Kinder in unsere Regelklassen.“ Dafür müsse man rechtzeitig Plätze schaffen. „Und diese Diskussionen muss man jetzt führen.“

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Saleh wies darauf hin, dass auch die Wohnungsbaupolitik darauf reagieren müsse, wenn Tausende von Ukrainern langfristig in Berlin bleiben wollten. „Ich sage es mal ganz deutlich: Wer in dieser Situation jetzt nicht sagt „Wir müssen klotzen, nicht kleckern“ beim Schaffen von Wohnraum, der hat den Ernst der Lage nicht verstanden.“

Um das Angebot an Wohnungen zu erhöhen, sei jetzt noch mehr Tempo nötig als angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt ohnehin schon. Auch mit Blick auf die Integration in den Arbeitsmarkt sei es wichtig, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, sagte Saleh. Das gelte vor allem für die Anerkennung von Berufsabschlüssen. „Da muss es schneller gehen als bisher.“ (dpa)

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