zum Hauptinhalt
Der Hauseigentümer hatte den Kreisel vom Land übernommen und mit dem Verkauf von Wohnungen in dem 120 Meter hohen Turm vor Jahren begonnen.

© imago images/Stefan Zeitz

Tagesspiegel Plus

Vertragsstrafen, teure Handwerker, Altlasten: Die zahlreichen Baustellen von Berlins Immobilienfirma

Berlins ganzes Grundeigentum ist in der Hand einer Firma – der landeseigenen BIM. Eine Bilanz über Bauen in Kriegszeiten, das ICC und andere Probleme.

Ein Hochhaus in bester Lage in Steglitz, seit Jahren im Rohbau – die Geschichte aus Pleiten, Pech und Pannen rund um den Steglitzer Kreisel ist um eine Episode reicher. Nun hat die Berliner Immobilien Management (BIM), Tochter des Landes Berlin, eine Vertragsstrafe gegen die Adler Group verhängt.

Der Hauseigentümer hatte das Gebäude vom Land übernommen und mit dem Verkauf von Wohnungen in dem 120 Meter hohen Turm vor Jahren begonnen. Doch die Vollendung des Hauses, das bereits in den 1960er Jahren als Skandalimmobilie für den Sturz von Politikern verantwortlich war, will einfach nicht gelingen.

Dass die BIM nun eine Vertragsstrafe einfordert, verriet Berlins Grundstücks- und Entwicklungsgesellschaft zu deren Jahresbilanz am Dienstag. Die Firma, die Berlins Grundbesitz inklusive Rathäuser, Polizeiwachen, Büro- und Verwaltungsbauten verwaltet, saniert und entwickelt, gab Rechenschaft über ein Vermögen von rund sechs Milliarden Euro ab. Und sie kämpft nun mit gestörten Lieferketten, steigenden Baupreisen und immobiliären Altlasten.

Den Steglitzer Kreisel verkaufte die BIM nach Sanierung

Immerhin gelang der BIM im Fall des Steglitzer Kreisels eine geschicktes Manöver: Statt den landeseigenen Teil des mit Schadstoffen belasteten Gebäudes zum Spottpreis abzugeben, übernahm sie die Sanierung selbst. So konnte der Käufer keinen „Wagnisabschlag“ verlangen – und das Land erzielte einen „positiven Kaufpreis“ im siebenstelligen Bereich, wie BIM-Chef Sven Lemiss sagte.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Ist das nicht auch ein Modell für Berlins andere ewige Bauruine, das ICC? Lemiss und Kollegin Birgit Möhring schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, ein solches „Riesenprojekt stemmt man nicht einfach so“. Andererseits kann Lemiss nicht erkennen, wo die ganz vielen Schadstoffen verbaut sein sollen, deren Entfernung je nach Schätzung bis zu 200 Millionen Euro kostet.

„Man weiß es nicht, aber wenn in dem Haus so viele Schadstoffe lose herumfliegen, wie können dann die vielen Veranstaltungen darin genehmigt werden“? Und eben weil alle Zahlen zur ICC-Sanierung „uralt und unvollständig“ seien, rät der BIM-Chef schon „sich das vorher anzuschauen“.

Ende Legende. Alle Zahlen zur ICC-Sanierung seien „uralt und unvollständig“, sagt BIM-Chef Sven Lemiss über die ewige Bauruine in Charlottenburg. Er könne nicht erkennen, wo die vielen Schadstoffe verbaut sein sollen.

© imago / Petra Schneider

Zugute halten kann sich die BIM, dass sie ausgerechnet das von Friedrichshain-Kreuzbergs unbequemen Stadtrat Florian Schmidt (Grüne) angeschobene, von einer Graswurzelbewegung mit umfangreichster Beteiligung aller nur denkbaren kulturellen und sozialen Aktivisten geplante „Haus der Statistik“ im Zeit- und Kostenplan voranbringt. Auch dieser DDR-Bau am Alexanderplatz war prall gefüllt mit Schadstoffen. Alles ist raus, das Haus entkernt – und bereit, mit neuster Technik für die nächsten Jahrzehnte aufgebaut zu werden.

Das Haus der Statistik ist im Zeit- und Kostenplan.

BIM-Chef Sven Lemiss

Nicht ganz so ein glückliches Händchen hat die BIM ausgerechnet bei der Sanierung des Stammsitzes von Berlins Bausenator Andreas Geisel (SPD). Die Württembergische Straße, wie das Verwaltungshochhaus nahe der Fehrbelliner Straße genannt wird, verbraucht deutlich mehr als die geplanten 124 Millionen Euro an Steuergeldern.

„Ganz wesentlich wegen der Auflagen des Denkmalschutzes“, sagt Lemiss zur Begründung. Ursprünglich habe die BIM alle Fenster durch neue ersetzen wollen. Der Denkmalschutz handelte die Erhaltung der Hälfte aller Fenster heraus. Das ist aber erheblich teurer als neuer Ersatz. Auch habe sich herausgestellt, dass der Zustand des Gebäudes schlechter ist als angenommen.

Steigende Baupreise machen auch der BIM zu schaffen

An der Vergabe der Bauleistungen habe der Anstieg der Kosten, dessen genaue Höhe zunächst dem Parlament und erst dann der Öffentlichkeit verkündet werden soll, nicht gelegen. Dass die Baupreise aber kräftig steigen – und zwar mit einem „Indexwert“ von 6,5 Prozent –, macht auch der BIM zu schaffen. Das sei nur ein Durchschnittswert, je nach Art der Bauaufgaben, etwa bei Holzbauten, ist der Anstieg der Preise erheblich höher.

So gäben Tischler beispielsweise keine Angebote mehr ab, sondern forderten nur ihre Stundenlöhne und den Tagespreis für das Holz, wenn es bestellt werden muss. Die Preise für Holzbauleistungen waren bereits vor Monaten um mehr als 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Das Haus der Statistik am Alexanderplatz beim Lichterfest

© Paul Zinken/dpa

Der Senat selbst lege dennoch einen niedrigeren Indexwert von 5,5 zugrunde. Die BIM hält trotzdem am eigenen, höheren Indexwert fest. Bauen in Corona- und Kriegszeiten sei insgesamt schwierig: Vieles brauche mehr Zeit als gewohnt, etwa weil es nicht genug oder keine Arbeitnehmer gibt oder aber Lieferketten unterbrochen sind. Teilweise müssten Aufträge sogar komplett neu ausgeschrieben werden.

„Monarch“-Bauherr versäumte Fristen

„Monarch“, das Hochhausprojekt nahe dem Alexanderplatz auf dem früher landeseigenen Baugrund, wird vorerst nicht von der BIM gekippt. Wie berichtet, ist der Bauherr in Verzug. Hinzu kommt, dass es ursprünglich als russisches Bauvorhaben beworben worden war. BIM-Chefin Birgit Möhring zufolge stehen die armenischen Bauherren jedoch auf keiner Sanktionsliste und russisches Geld stecke auch nicht mehrheitlich in der Firma.

Tatsache sei aber, dass alles langsamer vorankommt als vertraglich vereinbart und der Bauherr „Fristen versäumt“ habe. „Wenn es so weitergeht, werden wir den Rücktritt vom Vertrag prüfen“, sagte Möhring. Ein Rechtsanwalt des Bauherren hatte im Gespräch mit dem Tagesspiegel erklärt, dass der Rückfall der Baufläche an das Land nicht bevorstehe.

Bim senkt CO2-Ausstoß um 6700 Tonnen

Umwelt und Nachhaltigkeit ist ein großes Thema der BIM – erst Recht seit dem Erstarken der Grünen in der Koalition seit den Wahlen im vergangenen September. Die Senkung des CO2-Ausstoßes von 6678 Tonnen meldet die Landesfirma für das vergangene Jahr, die Installation von elf Photovoltaik-Anlagen zur Stromerzeugung aus der Sonne.

Aber auch die Erkenntnis, dass der „eigentliche Hebel bei der Energiewende“ im Energiemanagement liege: Leuchtmittel auf LED umstellen, Wärmepumpen installieren, Blockheizkraftwerke und die ganze „Regeltechnik“ optimieren, die Beheizung, Kühlung und Lüftung steuert. Dass es Grenzen bei der Energieeinsparung gibt durch das bauliche Sanieren selbst, liege auch am Denkmalschutz, das 40 Prozent der Gebäude innerhalb des SILB-Sondervermögens der BIM betrifft.

Grüne Ausgleichsflächen für das Roden von Bäumen und die Zerstörung von Natur bei BIM-Bauten sollen übrigens künftig durch ein „Ökokonto“ erfolgen. So werden als Ausgleich für das Fällen von Bäumen bei einem Feuerwehr-Bau in Köpenick auf einer ehemaligen Bezirksgärtnerei am Diedersdorfer Weg Altbauten abgetragen, Wege entsiegelt und Pflanzen angelegt.

Die neue Naturfläche muss dann 25 Jahre lang gehegt und gepflegt werden. Diese Kompensation von Natur zerstörenden Eingriffen an anderer Stelle sei erforderlich, weil etwa in der Innenstadt kein Ausgleich in unmittelbarer Nachbarschaft möglich sei, sagte Barbro Dreher, BIM-Aufsichtsrätin und Staatssekretärin der Finanzverwaltung.

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
true
isPaid:
true
showPaywallPiano:
false