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„Identitätsstiftend“: Die Haupttribüne des Großen Stadions im Jahn-Sportpark mit den Flutlichtmasten.

© imago images / Matthias Koch

Tagesspiegel Plus

Stehen bald zwei Stadien in Prenzlauer Berg?: Das ist der neue Senatsplan für den Jahn-Sportpark

Ob das Jahn-Stadion in Berlin abgerissen oder saniert wird, soll noch vor der Wahl entschieden werden. Als dritte Option wird nun ernsthaft geprüft, ein neues Stadion neben dem alten zu bauen.

Von Christian Hönicke

Ob das Große Stadion in Prenzlauer Berg abgerissen oder saniert und umgebaut wird, ist die zentrale Frage im Jahn-Sportpark. „Die Entscheidung um die Zukunft des Jahn-Stadions wird vor der Wahl und somit noch in dieser Legislatur getroffen“, teilt Katrin Dietl mit, die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Zuletzt hatte dies Senatsbaudirektorin Regula Lüscher im Interview hier im Pankow-Newsletter noch unklar gelassen.

Das liest sich zwar in der Ausschreibung für die „Städtebauliche - freiraumplanerische Machbarkeitsstudie“ anders, die die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen nun veröffentlicht hat. Gemäß der Ausschreibung sollen die beauftragten Planungsteams ihre Studien als Grundlage für die Entscheidung bis zum 30. September fertigstellen - die Abgeordnetenhauswahl findet bereits am 26. September statt.

Die Entscheidung soll noch vor der Wahl im September fallen

Doch bis zum Wahltermin sollen laut Dietl „sämtliche ausgeschriebene Aufgaben erfüllt sein“, die man für die Entscheidung benötige. Dafür nicht unbedingt nötige Zusatzarbeiten wie die Dokumentation von Beteiligungsveranstaltungen könnten „auch nach einer inhaltlichen Entscheidung noch erfolgen“.

Die Ausschreibung läuft noch bis zum 28. Mai, ab dem 21. Juni sollen die Planungsteams dann die Arbeit aufnehmen. Dabei werden wie im Newsletter hier bereits angekündigt drei verschiedene Teams an drei unterschiedlichen Stadien-Szenarien arbeiten. Nämlich:

  • Szenario 1: Abriss und Neubau an gleicher Stelle
  • Szenario 2: Umbau und Teilsanierung des bestehenden Stadions
  • Szenario 3: Neubau eines Stadions an alternativem Standort und Teilnutzung des bestehenden Stadions

Die Hinterlandmauer soll bleiben, der Stadionwall ist vom Abriss bedroht

Offiziell berücksichtigt werden bei allen Szenarien zentrale städtebaulich fokussierte Planungsvorgaben, die in der Machbarkeitsstudie der Sportverwaltung ausgeklammert wurden. Ein paar Beispiele daraus: Denkmalschutz (Hinterlandmauer),. Freiraum- und Landschaftsstruktur, Mobilität und Verkehr sowie Wegeverbindungen, Städtebauliche Dichte und Kontext, Identitätsstiftende Merkmale.

Abriss, Umbau oder Anbau? Das Große Stadion im Jahn-Sportpark.

© imago images/Schöning

Als „identitätsstiftende Merkmale“ hat die Stadtentwicklungsverwaltung dabei die Flutlichtmasten und die Haupttribüne des aktuellen Stadions sowie die „Wallanlage“ (Stadionhang) samt Hinterlandmauer eingestuft. Zudem soll gerade unter verkehrlichen Aspekten „der gesamte Sportpark mit Übergang zum angrenzenden Falkplatz und zum Mauerpark“ sowie zur dicht besiedelten Nachbarschaft beleuchtet werden.

Für einen Stadion-Neubau gelten folgende Maßgaben: Es ist ein „schonender Umgang mit den Bestandsbäumen“ in der Straßenbahnwendeschleife zu beachten - eine Reaktion auf Proteste gegen die geplante großflächige Rodung. Die denkmalgeschützte Hinterlandmauer an der Westseite des Stadions soll erhalten bleiben. Aber: Die „Wallanlage“, also der ikonische Stadionhügel am Mauerpark, würde teilweise abgerissen. Sie soll laut der Senatsvorgabe bei einem Neubau nur „in Teilen bestehen bleiben“.

Das zweite Stadion soll kleiner werden als 20.000 Zuschauer

Ein Neubau benötige nach derzeitigem Stand mehr Platz als das aktuelle Stadion, erklärt Dietl dazu. Es solle aber geprüft werden, „ob ein Teil der Wallanlage in die Bebauung integriert werden kann“. Welcher Teil des Stadionhangs konkret vom Abriss bedroht ist, teilte sie nicht mit. Da die Hinterlandmauer an der Ostseite des Mauerparks bestehen bleiben soll, dürfte es sich um den südlichen Hang an der Eberswalder Straße handeln.

Die Erhaltung der „identitätsstiftenden“ Lichtmasten ist erst gar nicht Teil der Vorgaben für Szenario 1 - sie würden bei einem Arena-Neubau am derzeitigen Standort also verschwinden. Bei der Sanierung des aktuellen Stadions (Szenario 2) soll dagegen „insbesondere die Integration der für die Bürger*innen identitätsstiftenden Teile der Anlage (zum Beispiel Flutlichtmasten, Tribünengebäude)“ berücksichtigt werden.

Die Kosten für den Umbau des restlichen Sportparks steigen auf 95 Millionen Euro

Am spannendsten ist Szenario 3. Das sieht sogar zwei Stadien im Sportpark vor: ein „Stadionneubau an anderer Stelle im Sportpark sowie die Nutzungsmöglichkeit des Bestandsstadions“. Der Neubau soll dann „gegebenenfalls in reduzierter Form“ erfolgen - also kleiner werden als die bislang projektierten 20.000 Zuschauer. Das Team soll prüfen, wo dies im Sportpark „verträglich verortet werden kann“. Für das alte Stadion sollen dann die Optionen „Teilabriss/Sanierung“ geprüft werden, so dass es weiter genutzt und die „identitätsstiftenden“ Bauteile wie die Lichtmasten und die Haupttribüne erhalten werden können.

Außerdem gibt es Neuigkeiten zu den Kosten. Aus der im vergangenen Jahr aktualisierten Machbarkeitsstudie der Sportverwaltung geht hervor, dass der Umbau des Sportparks (ohne Stadion) mindestens 75 Millionen Euro kosten wird. Inklusive der von der Sportverwaltung favorisierten Errichtung eines Alba-Vereinszentrums würden die Kosten demnach auf 95 Millionen Euro steigen. Nicht aktualisiert wurden bisher die Kosten für einen Stadionneubau. Der wurde 2014 mit 120 Millionen Euro einkalkuliert.

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