Stornokosten für Abibälle : Berliner Schüler und Eltern wollen Senatshilfe

Aufgrund der Pandemie müssen viele Abibälle in Berlin ausfallen. Nun wird Kritik an den hohen Stornierungsgebühren laut. 

Die Abiturienten können dieses Jahr nicht so unbeschwert feiern wie sonst.
Die Abiturienten können dieses Jahr nicht so unbeschwert feiern wie sonst.Foto: Roland Holschneider/dpa

Weil sie auf hohen Stornokosten für die Absage der Abibälle sitzenzubleiben drohen, haben sich Landesschüler- und Landeselternausschuss hilfesuchend an den Senat und die Schulrätekonferenz gewandt. Das geht aus zwei Schreiben hervor, die dem Tagesspiegel vorliegen. 

Im Zentrum der Kritik steht dabei die Agentur Abiplaner, die seit über 15 Jahren Abibälle organisiert und in Berlin Marktführer ist. Der Landesschülerausschuss wirft Abiplaner „unseriöse, geradezu zwielichtige Methoden“ vor. So würden die Abiturienten, die als Vertragspartner aufträten, unter hohen Druck gesetzt, Vertragsänderungen zuzustimmen, die hohe Kosten ohne Nutzen verursachten.

Bei Abiplaner weist man die Vorwürfe zurück. Inhaber Marco Worm sagte dem Tagesspiegel, man habe sich mit der Verbraucherzentrale zusammengesetzt, um eine faire Lösung zu finden.

Er betreibe ein Familienunternehmen - Abiplaner gehört zu Berlin Event, einer Veranstaltungsagentur – und habe schwer mit den Folgen der Krise zu kämpfen. „Wir haben einen KfW-Kredit aufgenommen, um die Ticketpreise erstatten zu können“, sagte Worm. 

Eine Abiturientin des Grauen Klosters, dessen Abiball ebenfalls von Abiplaner ausgerichtet werden sollte, berichtete, von den 70 Euro für das Ticket würden 60 Euro erstattet. Laut Worm entstehen 15 Prozent der Kosten lange vor dem Ball, weswegen in dieser Höhe meist Stornogebühren anfielen. Man senke diese Gebühr jetzt, um den Schülern entgegenzukommen.

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Ein Kritikpunkt ist bisher die Vertragsgestaltung. Nicht die Event-Agentur tritt als Veranstalter des Balls auf, sondern die Schüler. Ein Schüler, gerade erst voll geschäftsfähig geworden, unterschreibt dann den Vertrag - und läuft Gefahr, auf hohen Kosten sitzenzubleiben, wenn weniger Ballkarten verkauft werden als einkalkuliert waren.

Laut Worm hat man aus diesen Erfahrungen inzwischen gelernt und die Verträge geändert. Es würden meist auch Eltern als Vertragspartner fungieren. Statt eine hohe Summe zu zahlen, gebe es noch die Möglichkeit, die Kosten zu reduzieren.

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