Strafanzeige gegen Exhibitionisten : Polizei Berlin wertet Videoaufnahmen aus

Ein Mann hat sich in der S-Bahn vor einer Frau selbst befriedigt. Die Polizei Berlin sagt, sie verfolge den Fall „mit allen Möglichkeiten“.

In der S-Bahn kommt es immer wieder zu sexuellen und gewalttätigen Übergriffen.
In der S-Bahn kommt es immer wieder zu sexuellen und gewalttätigen Übergriffen.Foto: Paul Zinken/dpa

Die Berliner Polizei hat im Fall eines Exhibitionisten, der sich vor einer Frau in der S-Bahn selbst befriedigt hat, die Videoaufnahmen des Verkehrsunternehmens aus dem betreffenden Zug angefordert. „Die Aufnahmen werden wir auswerten, um den Täter zu identifizieren“, sagte Polizei-Sprecher Thomas Neuendorf. Eine Betroffene hatte einen Bericht über ihr Erlebnis geschrieben, der im Tagesspiegel veröffentlicht worden war. Die Videos seien gleich nach der Anzeige der Frau angefordert worden, so Neuendorf.

Die Frau war in einem Zug der S2 unterwegs. Ihr gegenüber saß ein Mann, der damit begann, sich selbst zu befriedigen, nachdem er mit ihr Augenkontakt aufgenommen hatte. Neben der passiven Reaktion der anderen Fahrgäste zeigte sich die Frau auch über die spätere Reaktion der Polizei verstört, wie sie schrieb. Zwar habe eine Polizistin, bei der sie kurz nach dem Vorfall eine Anzeige aufgab, einfühlsame Fragen gestellt und aufmerksam zugehört. „Was mich beunruhigt, ist, dass sie meine Aussage handschriftlich auf einem Schmierzettel notiert.“ Dann habe die Polizistin versprochen, die Videoaufzeichnung der S-Bahn anzufordern. „Nach der Anzeige gehe ich mit gemischten Gefühlen aus dem Revier“, schrieb die Frau. „Dass die Tat ernsthaft verfolgt wird, glaube ich nicht. Bei mir bleibt das Gefühl zurück: Sexuelle Belästigung von Frauen ist nicht wichtig genug – für die Polizei und für Mitfahrer in der S-Bahn.“

Dem widerspricht die Polizei: Man nehme die Sache sehr ernst, sagt der Sprecher. Die Strafanzeige sei aufgenommen worden und werde nun beim Landeskriminalamt im Bereich Sexualdelikte weiter verfolgt. Die Frau bekomme noch einen Anhörungsbogen für eine detailliertere Schilderung. Man verfolge den Fall „mit allen Möglichkeiten“.

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