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"NVA-Feldsuppe". Dieses Angebot entdeckte die Stiftung in einem Rewe-Markt am Berliner Ostbahnhof
© Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur

Tomatensauce mit Hammer und Zirkel im Ährenkranz: Streit um Ostalgieprodukte in Berliner Supermarkt

Die Stiftung Aufarbeitung kritisiert die Supermarktkette Rewe für eine „geschichtsvergessene“ Haltung zu Konserven im Angebot einiger Märkte.

„NVA-Feldsuppe“, „Schulküchen-Soljanka“ und Tomatensauce mit Hammer und Zirkel im Ährenkranz: Die Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur sieht in solchen Konserven eine Verharmlosung des in der DDR begangenen Unrechts. Insbesondere dann, wenn Dosen in dieser Aufmachung von einer großen Handelskette vertrieben werden.

Vor wenigen Tagen entdeckten Mitarbeitende der Stiftung gleich drei Produkte mit diesem Hintergrund in einem Rewe-Markt am Ostbahnhof in Friedrichshain. Wie sich das mit dem Firmen-Leitbild einer besonderen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft vertrage, wollte daraufhin die Direktorin der Stiftung, Anna Kaminsky, von der Kölner Konzernleitung wissen.

Schließlich sei unter Verwendung dieser Symbole großes Unrecht und Leid über Menschen in Ostdeutschland gebracht worden - man denke nur an den Mauerbau. Der Opfer der kommunistischen Diktatur müsse würdig gedacht werden. Kaminsky wurde an die Brandenburger Rewe-Pressestelle in Teltow verwiesen, die sich laut Stiftungsangaben für nicht zuständig erklärte.

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Die Märkte listeten solche Produkte „auf Wunsch der Kundschaft“, so hieß es in der Antwort der Rewe-Region Ost. „Verpackung und Produktaufmachung“ lägen „im Verantwortungsbereich des Inverkehrbringers“. Die Bundesstiftung möge sich daher an die Lieferanten wenden oder gleich an die Justiz, wenn sie einen Rechtsverstoß in den Produkten sehe.

"Schulküchen-Soljanka" mit Staatswappen der DDR im Konservenregal eines Rewe-Markts.
"Schulküchen-Soljanka" mit Staatswappen der DDR im Konservenregal eines Rewe-Markts.
© Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur

Kaminsky sieht in der Antwort einen „Ausdruck von Geschichtslosigkeit, die fassungslos macht, weil sich der Konzern vor jeder Verantwortung für sein Sortiment drückt“, so die Direktorin. Nicht die Konservendosen seien der Skandal, sondern die Haltung des zweitgrößten Lebensmittel-Einzelhändlers in Deutschland.

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Rewe-Sprecher Thomas Bonrath bestätigt den Sachverhalt im Wesentlichen. Man habe die Stiftung darauf hingewiesen, dass Rewe-Märkte in Berlin und den östlichen Bundesländern verschiedene Produkte „der Lieferanten MHV GmbH und Kelles Klädener Suppenmanufaktur GmbH“ als optionale, regionale Sortimentsbausteine führten.

Zudem seien die genannten Konserven auch bei Wettbewerbern erhältlich. „Vor der Mail der Bundesstiftung haben uns zu den Produkten auch noch nie kritische Stimmen erreicht.“

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