Terror-Videos in Berlin : 16-Jähriger wegen IS-Propaganda im Verdacht

Ein Kreuzberger Schüler soll sich von islamistischen Terroristen brutale Videos besorgt und weitergeleitet haben. In Untersuchungshaft kam er dennoch nicht.

Inszeniertes Grauen. Das IS-Video zeigt angeblich die Enthauptung des US-Fotografen James Foley. Es wurde im Internet verbreitet.
Inszeniertes Grauen. Das IS-Video zeigt angeblich die Enthauptung des US-Fotografen James Foley. Es wurde im Internet verbreitet.Foto: picture alliance / dpa

Ein 16-Jähriger soll von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) brutale Gewaltvideos bezogen und diese in Berlin im Internet verbreitet haben. Ein entsprechender Bericht der „B.Z.“ ist von den Sicherheitsbehörden bestätigt worden. Der Kreuzberger Schüler war vor einer Woche festgenommen worden, gegen ihn wird wegen Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt.

Die Bundesanwaltschaft überließ das Verfahren den Berliner Behörden. Die Staatsanwaltschaft wollte einen Haftbefehl durchsetzen, ein Richter ließ den Schüler jedoch auf freien Fuß. Da er bei seinen Eltern mit festem Wohnsitz lebe, sah der Richter keine Verdunkelungsgefahr und damit keinen Grund für eine Untersuchungshaft.

Direkte Kontakte in die Terroristenszene

Nach den Erkenntnissen der Ermittler soll der 16-Jährige über mehrere Monate die brutalen Videos des IS nicht nur im Internet, sondern auch an Freunde und Mitschüler geschickt haben. Dazu soll er direkt Kontakt zu den Terroristen gesucht haben, um sich die Videos aus den IS-Regionen schicken zu lassen. Der Schüler soll gute Kontakte in die dschihadistische Terroristenszene aufgebaut und die Videos direkt von der „Amaq News Agency“, dem Propaganda-Kanal des IS in Syrien und Irak, bekommen haben.

Gegenüber den Ermittlern soll der Schüler laut „B.Z.“ zugegeben haben, durch das Verbreiten der Videos den IS unterstützt zu haben. Das Blatt zitierte den 16-Jährigen mit den Worten: „Das war alles nur Spaß.“ Er habe keine Sympathien für islamistische Terroristen.

Auch die Familie, die nach eigenen Angaben palästinensische Wurzeln hat, steht offenbar hinter ihm. Die Mutter hat der Zeitung gegenüber das Verhalten ihres Sohnes mit dem Schauen von Nachrichten verglichen. Die Videos des IS sind besonders brutal. Gezeigt werden darin Hinrichtungen – etwa wie Menschen der Kopf angeschnitten wird. Mit den Videos will der IS junge Muslime im Westen anwerben.

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