Unterbrechungen im Regionalverkehr : Sechswöchiger Zugausfall auf der Berliner Stadtbahn

Bis Mitte Oktober fahren keine Fern- und Regionalzüge auf der Stadtbahn. Vor allem am Zoo stehen lange Wege für Umstiege bevor.

Umsteigen bitte. Ab heute ist der Bahnhof Zoo für sechs Wochen ein Kopfbahnhof – genauso wie der Hauptbahnhof und der S-Bahnhof Charlottenburg.
Umsteigen bitte. Ab heute ist der Bahnhof Zoo für sechs Wochen ein Kopfbahnhof – genauso wie der Hauptbahnhof und der S-Bahnhof...Foto: Jörn Hasselmann

Kaum ist der Sommer vorbei und die Letzten kehren aus dem Urlaub in die Schule und in die Arbeit zurück, beginnt der große Frust im öffentlichen Nahverkehr. Von Dienstag an bis zum 14. Oktober können keine Fern- und Regionalzüge auf der Stadtbahn fahren.

Alle Regionalzüge enden am Hauptbahnhof, dem Zoo und dem S-Bahnhof Charlottenburg. Fahrgäste müssen in die S-Bahn umsteigen, was vor allem an der Station Zoologischer Garten mit sehr langen Wegen verbunden ist, da der Bahnhof selbst eine Großbaustelle ist. Die Haupthalle als direkte Verbindung zwischen den Bahnsteigen von S-Bahn und Regionalbahn ist seit Monaten geschlossen.

Die Rache für Schludereien

In den kommenden sechs Wochen werden am Hauptbahnhof zwei Bauteile ausgetauscht, mit der Bezeichnung Fahrbahn-Übergangskonstruktion, kurz „Fük“. Sie sind die Rache für Schludereien beim Bau. Bekanntlich sollte der Hauptbahnhof zur Fußball-WM 2006 fertig werden, gebaut wurde deshalb (zu) schnell. Unter den Gleisen wurden untaugliche Fugen eingebaut. Diese sollen die durch die Züge ausgelösten Kräfte ableiten, um die Schienen zu entlasten.

Aus Zeitmangel wurde damals keine kurventaugliche Fuge entwickelt. Es wurden die Standard-Fugen für gerade Gleise eingebaut – die gingen schnell kaputt. Bekanntlich liegt der Hauptbahnhof oben in einer riesigen Kurve. Dass die Ingenieure einen großen Fehler in die Station eingebaut haben, war bereits ein Jahr später klar.

Sechs Wochen Sperrung sind nur der Anfang

Weitere zwölf Jahre später geht es nun los mit dem Austausch. Die kommende, sechs Wochen lange, Sperrung ist ein kleiner Anfang. Es werden nur zwei der 38 Fugen ausgetauscht. Diese sollen zwei Jahre lang wissenschaftlich beobachtet werden. Die echten, großen Sperrungen stehen dem Hauptbahnhof also noch bevor, einen Zeitplan gibt es nicht.

Klar ist nur, dass die Fugen an den S-Bahn-Gleisen nicht zusammen mit denen an den Fernbahn-Gleisen erneuert werden können – weil sonst der Verkehr in der Innenstadt zusammenbrechen würde.

Zum Glück wurde der Beginn der Sperrung auf Dienstag terminiert und nicht wie üblich auf einen Montag. Am gestrigen Montag machte nämlich bei der S-Bahn ein Stellwerk schlapp, stundenlang fuhren auf der Stadtbahn kaum Züge. In den kommenden sechs Wochen würde eine solche Störung bei der S-Bahn ein totales Chaos auslösen.

Miserable Fahrgastinformation

Am Montagvormittag waren Informationen Mangelware. „Stellwerksstörung! Zugverkehr unterbrochen“ leuchtete auf allen Anzeigen. Tatsächlich fuhr ab und zu ein Zug – von dem aber die wenigsten wussten, wohin er fährt. Die Durchsagen waren kaum oder gar nicht verständlich. Jens Wieseke vom Fahrgastverband Igeb twitterte: „Eine Stellwerksstörung ist ärgerlich. Aber warum läuft die Fahrgastinformation so miserabel?“

Auch die Informationen zur Sperrung ab Dienstag sind dürftig. Am Zoo hingen eine Handvoll Aushänge im Din-A3-Format, gut versteckt an Bauzäune geklebt. In vielen der gläsernen „Informations“-Vitrinen fehlten diese Aushänge komplett. Die von der Bahn vor Wochen angekündigten Flyer für Fahrgäste lagen nicht aus.

Beide Regionalbahnsteige haben derzeit keinen Aufzug. Einer ist derzeit defekt, der andere ist wegen der Bauarbeiten seit Monaten unzugänglich.

Bis 14. Oktober sind also Hauptbahnhof, Zoo und Charlottenburg nur noch Kopfbahnhöfe. Die Fernzüge und der IRE nach Hamburg werden durch den Nord-Süd-Tunnel umgeleitet.

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