Unterschriftenaktion zur Verbeamtung : 847 Lehrer möchten Berlin verlassen

Der Lehrermangel in Berlin wird immer größer, gleichzeitig wandern Lehrer in andere Bundesländer aus. Inzwischen steigt die Hoffnung auf eine Verbeamtung.

Drei von 847. Die Lehrinnen Alina Fröhlich (v.l.), Maren Peters-Choi und Katharina Legnowska.
Drei von 847. Die Lehrinnen Alina Fröhlich (v.l.), Maren Peters-Choi und Katharina Legnowska.Foto: Selina Bettendorf

Genau 847 Lehrer wollen Berlin verlassen, wenn sie nicht in den nächsten Monaten verbeamtet werden. Tendenz steigend. Am Montag übergaben die Initiatorinnen der Unterschriftenaktion einen dicken Ordner mit allen Unterlagen an Beate Stoffers, der Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

„Wir meinen das nicht als Drohung, sondern als Ankündigung“, sagte Maren Peters-Choi, Lehrerin an der Schöneberger Sternberg-Grundschule bei der Übergabe. Am Sonnabend diskutiert die SPD auf ihrem Parteitag über das Thema Verbeamtung. „Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile halte ich die Verbeamtung für sinnvoll, um voll ausgebildete Lehrkräfte halten zu können und wettbewerbsfähig zu sein“, kommentierte Scheeres die Unterschriftenaktion.

Die 38-jährige Peters-Choi möchte eigentlich gar nicht gehen. „Aber ich will mich verbeamten lassen, damit ich die gleichen Vorteile habe, wie meine Kollegen in anderen Bundesländer. Ich denke auch ans Alter, in dem ich dann noch eine ordentliche Pension haben möchte.“

57 Schulen gaben Listen ab

Für sie und ihre Kolleginnen Alina Fröhlich und Katharina Legnowska war die Übergabe der Unterschriften ein emotionaler Termin. Alle drei sind glücklich in der Sternberg-Schule und in ihrem Kollegium. Deshalb haben sie in den vergangenen Wochen Unterschriften von Kollegen gesammelt.

Von 57 Schulen erhielten sie entsprechende Listen. Außerdem sammelten die Lehrerinnen Unterschriften an Streiktagen, bei einer „Bildet Berlin“-Aktion“ und in Fachseminaren. Der größte Teil derjenigen, die unterschrieben, waren Lehramtsanwärter – 32 Prozent. Die zweitgrößte Gruppe der Teilnehmenden bildeten mit 20 Prozent die Fachbereichsleiter.

Sogar der Markt der Quereinsteiger ist abgegrast

Es würden demnach nicht nur „gewöhnliche“ Lehrer fehlen, sondern auch der Nachwuchs und Lehrer-Ausbilder. Unter dem Weggang litten vor allem die Schüler, meinen die Lehrerinnen: Einige haben laut Alina Fröhlich jetzt jedes Jahr einen neuen Klassenlehrer. „Der Aufbau eines Klassengefüges und die langfristige systematische Kompetenzentwicklung sind bei ständig wechselnden Lehrkräften kaum möglich“, schreiben die Initiatoren in ihrem Brief an die Senatorin.

Für Maren Peters-Choi und Alina Fröhlich steht fest, dass sie sich im Falle einer Nicht-Verbeamtung nach Schulen in Brandenburg umschauen werden. So würden sie weiterhin in Berlin wohnen und zu ihrer neuen Schule pendeln. Und wer unterrichtet, falls hunderte Lehrer gehen? „Sogar der Markt der Quereinsteiger ist abgegrast“, sagt Alina Fröhlich. Auch von ihnen wechselten viele in andere Länder. Das Gleiche gelte für Lehramtsanwärter.

Wie berichtet plädieren Linke, Grüne, GEW und Jusos dafür, den Lehrerberuf nicht durch Verbeamtung sondern etwa durch weitere Zulagen attraktiver zu machen.

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