Veranstaltung zu „Klimawandel und Gender“ : Besuch von Beatrix von Storch geplatzt

Nach angekündigten Protesten wurde ein Seminar an der Freien Universität in Berlin abgesagt. AfD-Politikerin von Storch hatte sich öffentlich angekündigt.

Lisa Kim Nguyen
Beatrix von Storch auf dem Weg zu einem Termin im Bundestag.
Beatrix von Storch auf dem Weg zu einem Termin im Bundestag.Foto: AFP

Sie hatte ihren großen Auftritt gut vorbereitet: Auf Twitter verbreitete die Berliner AfD-Politikerin Beatrix von Storch, dass sie am Mittwoch an einer Veranstaltung der „Public Climate School“ an der Freien Universität (FU) teilnehmen werde. Versehen mit dem richtigen Hashtag, damit es jeder mitbekommt. Wie erhofft, ließen die empörten Reaktionen nur Minuten auf sich warten.

Das Thema der Veranstaltung, die an der FU im Rahmen der „Public Climate School“ stattfinden sollte: „Klimawandel und Gender“. Es war eine öffentliche Veranstaltung, also wollte auch von Storch kommen. Sie schrieb: „Ich versuche mir ein Bild zu machen. Womit beschäftigen sich die öffentlichen Lehranstalten? Sind die Universitäten und die Wissenschaft noch frei?“

Doch dazu kam es nicht: Die Organisatoren der Klima-Woche an den Berliner Unis, Studierende der FU, teilten mit, dass die Positionen von von Storch „fundamental unserem Selbstverständnis“ widersprechen. Die Veranstaltung sei deshalb nicht mehr Teil des Programms. Man wolle Klimaleugnern keine Plattform geben.

Wer dann die Veranstaltung eine Stunde vor dem geplanten Beginn komplett absagte, darüber gibt es widerstreitende Informationen: Laut des AStA der FU sagte die Dozentin die Veranstaltung aufgrund des „öffentlichen Drucks“ ab. Eine Sprecherin der Freien Universität teilte dem Tagesspiegel nur mit: „Die Veranstaltung wurde abgesagt.“

Weiterhin teilte die FU mit: „Berichte, denen zufolge Frau von Storch von der Freien Universität Berlin oder von deren Präsidium eingeladen worden sein soll, treffen nicht zu.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Beatrix von Storch nach Informationen des Tagesspiegel schon entschlossen, nicht zu kommen.

Die Veranstaltung wurde abgesagt: Laut des AStA wegen des öffentlichen Drucks.
Die Veranstaltung wurde abgesagt: Laut des AStA wegen des öffentlichen Drucks.Foto: Lisa Nguyen

Vor dem Lateinamerika Institut, wo das Seminar stattfinden sollte, hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits etwa 100 Studierende eingefunden, die gegen von Storch protestieren wollten. Sie hatten Plakate angebracht, die sich „gegen Rechts“ und gegen die AfD aussprachen.

Auch Joris Beetz kam im Regen zum Institut. Er ist Student an der FU und Teil des Kommunikationsteam der Gruppe „Fridays For Future FU Berlin“, die die Klima-Woche organisiert haben. Er sagte dem Tagesspiegel, das Seminar habe eine Dozentin der FU halten sollen. Die Gruppe habe die Uni-Leitung gebeten, es in ihr Programm aufnehmen zu können.

Etwa 100 Studierende protestierten vor dem Lateinamerika Institut der Universität.
Etwa 100 Studierende protestierten vor dem Lateinamerika Institut der Universität.Foto: Lisa Nguyen

Beetz sagte zur Absage der Veranstaltung: „Wir verstehen uns als feministisch, klimagerecht und anti-rassistisch und wollten einer Klimakrisenleugnerin wie Beatrix von Storch keine Plattform bieten.“ Per Twitter teilte der Berliner SPD-Abgeordnete Tom Schreiber mit, er halte die Absage für die falsche Lösung. Er schrieb: „Eine politische Auseinandersetzung muss an einer Universität verbal möglich sein, auch wenn einem Gäste nicht passen.“

Gegen halb vier, eine halbe Stunde vor Start des Seminars, erfuhren die Studierenden durch ein Megafon von der Absage. Wenige Minuten später waren die meisten verschwunden. Zurück blieb ein Plakat. Darauf hatte jemand geschrieben: „No Borders, No Nations, No Storch, No Nazis, No Capitalism.“

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