• Verkehrskonzept der Industrie- und Handelskammer: IHK will Parken in Berlin einschränken

Verkehrskonzept der Industrie- und Handelskammer : IHK will Parken in Berlin einschränken

Die Berliner Industrie- und Handelskammer legt ihr Verkehrskonzept vor: mehr Busse, Züge, Lieferzonen – und eine Tram unterm Alex.

Wenn es nach der IHK geht, ist in Haupteinkaufsstraßen bald nur noch Kurzparken erlaubt.
Wenn es nach der IHK geht, ist in Haupteinkaufsstraßen bald nur noch Kurzparken erlaubt.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Bahnen und Busse werden in wenigen Jahren auf vielen Strecken überfüllt sein, wenn nicht weitere Strecken aus- oder neugebaut werden und wenn der Fahrzeugbestand nicht deutlich erhöht wird. Dies gilt für Strecken zwischen Berlin und Brandenburg – aber vor allem innerstädtisch.

Zu diesem Fazit kommt die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK). Sie hat am Dienstag eine Nahverkehrsprognose bis zum Jahr 2030 vorgestellt, die auf Untersuchungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie der Verkehrs Consult Dresden Berlin (VCDB) basiert. Das Gesamtpaket soll rund 4,5 Milliarden Euro kosten.

Für dringend erforderlich halten die Gutachter unter anderem den Weiterbau der S-Bahn von Spandau bis Falkensee. Über diesen Ausbau wird seit Jahren diskutiert, eine Entscheidung gibt es bis heute jedoch nicht. Um den wachsenden Verkehr in den Griff zu bekommen, sei an erster Stelle der Ausbau des Nahverkehrs erforderlich.

Einschränkungen soll es nach dem IHK-Konzept für Autobesitzer geben. Um Lieferzonen schaffen zu können, sollte das Anwohnerparken an Haupteinkaufsstraßen unterbunden werden, sagte der Bereichsleiter Stadtentwicklung der IHK, Jochen Brückmann. Dort sollte nur noch Kurzparken zugelassen sein. Mitarbeiter des Ordnungsamtes sollten Parksünder abschleppen lassen können.

S-BAHN

Steigt die Nachfrage wie prognostiziert, wird es nach Angaben von Lutz Richter von der Verkehrs Consult bis 2030 vor allem auf den Nord-, Ost- und Südästen sowie auf Abschnitten des Rings „erschreckende Defizite“ geben. Deshalb sei es notwendig, mehr Züge fahren zu lassen als heute. Dies sei nur möglich, wenn über den heutigen Planungsstand hinaus weitere 100 S-Bahn-Züge angeschafft würden.

Neben der Verlängerung nach Falkensee setzt sich die IHK auch für den schnellen Weiterbau der sogenannten S 21 vom Hauptbahnhof über den Potsdamer Platz zur Yorckstraße und perspektivisch zum Südring ein. Die vorläufige Endstation im Hauptbahnhof wird man nach derzeitigem Stand allerdings erst um das Jahr 2025 erreichen. Für die Strecke zum Potsdamer Platz haben die Grobplanungen begonnen.

REGIONALBAHN

Auch auf den Verbindungen zwischen Berlin und Brandenburg müssten Züge häufiger fahren, fordern die Gutachter. Erste Schritte gibt es bereits. So soll es auf der nachfragestärksten Linie RE 1, die von Magdeburg über Berlin nach Frankfurt (Oder) rollt, drei statt zwei Züge stündlich geben. Zudem setzt sich die IHK für die Wiederinbetriebnahme der Stammbahn zwischen Potsdam und Berlin ein. Bei der Heidekrautbahn im Nordosten von Berlin wollen die Gutachter den Bahnhof Gesundbrunnen als Endstation haben, was inzwischen zumindest langfristig geplant ist. Erste Schritte zum Wiederaufbau der Strecke durch Berlin bis zum Bahnhof Wilhelmsruh sind, wie berichtet, auf den Weg gebracht.

U-BAHN

Auch neue U-Bahn-Strecken sieht das Konzept vor – größtenteils sind es die Strecken, die auch der Senat bereits prüfen lässt: Einen Abzweig vom Bahnhof Kurt-Schumacher-Platz der U 6 zur künftigen „Urban Tech Republic“ auf dem Gelände des heutigen Flughafens Tegel, die Verlängerung der U 7 bis zum BER sowie den Weiterbau der U 8 ins Märkische Viertel. Zusätzlich will die IHK die U 7 am Spandauer Ende bis zur Rudolf-Wissell-Siedlung fahren lassen und die U 9 im Norden von der Osloer Straße zum Rathaus Pankow. Zum Ausbauprogramm gehört die U 1 zum Ostkreuz.

STRASSENBAHN

Bei der Straßenbahn sieht das Konzept ebenfalls Strecken vor, die zum Teil bereits in der Vorplanung des Senats sind. Neu ist die Idee, für die hochbelastete M 4 teilweise eine Parallelstrecke über Am Friedrichshain und Michelangelostraße zu bauen. Zudem soll geprüft werden, ob die Straßenbahn in den U-Bahnhof Alexanderplatz geführt werden kann. Dort gibt es bereits unterirdische Anlagen, die für eine U-Bahn Richtung Weißensee gebaut worden waren. Damit Straßenbahnen durch den U-Bahntunnel passen, müssten Fahrzeuge mit Batterieantrieb eingesetzt werden, weil der Platz für eine Oberleitung fehlt.

AUTO

Beim Straßenverkehr sei es am wichtigsten, den Sanierungsstau in Höhe von 1,3 Milliarden Euro aufzulösen, sagte IHK-Hauptgeschäftführer Jan Eder. Vorrangig im Konzept sind zudem der Weiterbau der A 100 zur Frankfurter Allee/Storkower Straße, die Tangentialverbindung Ost (TVO), die Süd–Ost-Verbindung zur A 113, die Ortsumgehungen Malchow und Ahrensfelde, eine Ost-West-Trasse für Köpenick sowie eine „Verkehrslösung Heinersdorf.“

FAHRRAD

Beim Anlegen von Radstreifen an Hauptstraßen, wie es das neue Mobilitätsgesetz vorsieht, sollten für jede Straße passende Lösungen gefunden werden, fordert die IHK. Um einen Anreiz zum Bau von Fahrradbügeln zu schaffen, sollten zudem Gewerbetreibende von der fälligen Sondernutzungsgebühr befreit werden.

Das gesamte Konzept gibt es unter www.ihk-berlin.de/Verkehrspolitik

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