Verkehrsverwaltung stellt Pläne vor : Radschnellweg durchs Brandenburger Tor

Der Ost-West-Radschnellweg zwischen Tiergarten und Landsberger Allee soll durch das Brandenburger Tor führen. Fußgänger protestieren dagegen

Foto: Promo

Der viele Platz auf der Ost-West-Achse gab den Ausschlag: Der Ost-West-Radschnellweg soll durch das Brandenburger Tor führen, über die Straße des 17. Juni und den Boulevard Unter den Linden. Das bedeutet, dass die Route durch das Brandenburger Tor und den Pariser Platz führt. Der Fußgängerverband Fuss e.V. protestierte scharf gegen den Plan. „Radverkehr im Sekundentakt würde Berlins symbolisch wichtigsten Stadtraum zerschneiden“, sagte Fuss-Vorstand Roland Stimpel. „Als Ort für entspanntes Flanieren und Genießen, zum Treffen und Feiern wäre der Platz tot.“

Tatsächlich aber fahren heute täglich schon 10.800 Radfahrer durchs Tor, ungeordnet. In 24 Stunden zählte die Verkehrsverwaltung dort 47.500 Fußgänger. Bis 2002 durften Autos noch durchs Tor. Die Verkehrsverwaltung stellte am Montagabend die Pläne vor: Das Mobilitätsgesetz sieht den Bau von zehn Radschnellwegen vor, dazu kam als Nummer 11 eine Trasse entlang der Tangentialen (Auto)-Verbindung Ost (TVO).

Diese elf Routen sollen auf eigenständigen Wegen, in Fahrradstraßen oder vom motorisierten Verkehr getrennt in Straßen verlaufen, beleuchtet und mit mindestens drei Meter Breite (vier Meter für Zwei-Richtungs-Wege). An Kreuzungen mit Ampeln sollen Radfahrer Vorrang haben, an Kreuzungen ohne Ampeln Vorfahrt.

Infografik: Die geplanten Radschnellwege in Berlin

Die Ost-West-Route ist ein Teil davon. Die Planer haben nun die beste Streckenführung dafür vorgestellt. Der Schnellweg soll vom S-Bahnhof Tiergarten direkt über die Straße des 17. Juni und Unter den Linden bis zum Alexanderplatz führen. Wie es von dort zum S-Bahnhof Landsberger Allee weitergeht, dass steht noch nicht fest. Die Planer fanden keine Route die sehr gut geeignet wäre.

Östlich des S-Bahnhofs Tiergarten schließt der Radschnellweg nach Westen direkt an, ebenfalls über den Ost-West-Straßenzug. Diese Pläne hatte die senatseigene "Infravelo"-Gesellschaft im August vorgestellt. Letztlich führt die Ost-West-Route von Spandau bis Marzahn.

Wie üblich haben die Planer des renommierten dänischen Planungsbüros Ramboll innerhalb eines Korridors mehrere parallele Streckenvarianten untersucht, zum Beispiel über die Tiergartenstraße oder am Hauptbahnhof vorbei. Im einzelnen wurden diese Vor- und Nachteile genannt: Die Straße des 17. Juni schneidet vor allem wegen der Schnelligkeit gut ab, es gibt nur 2 bzw. 3 Ampeln und keine Bushaltestellen. Die 2,9 Kilometer können schnelle Radler in sieben Minuten zurücklegen. "Optimierungsbedarf" gibt es laut Ramboll am Großen Stern und am Brandenburger Tor.

Umbau nur mit hohem Aufwand

Am Großen Stern gibt es seit wenigen Jahren einen Zwei-Richtungs-Radweg, am Pariser Platz und durch das Tor gibt es keine eigene Bahn für Radfahrer. Nachteil: die Straße ist oft für Veranstaltungen oder Demonstrationen gesperrt, oft Wochenlang. Als Umfahrung nannte Infravelo die südlich parallel verlaufende Tiergartenstraße, das ist die untersuchte "Südtrasse". Ramboll regte an zu prüfen, ob die enge Tiergartenstraße nicht für den Autoverkehr gesperrt werden könne.

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Infografik: Radschnellweg Tiergrten - Landsberger Allee

Nach Stimpels Angaben räumte Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese bei der Vorstellung der Pläne ein, dass „Radverkehr durchs Brandenburger Tor gewisse Nachteile“ habe. Die "Nordtrasse" über die Lüneburger Straße habe den Vorteil, dass sie am Hauptbahnhof vorbeiführt, sei aber zu lang und zu verampelt. Der Umbauaufwand sei hoch.

Zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz soll der Schnellweg über die Linden und die Karl-Liebknecht-Straße führen. Nachteilig seien die zahlreiche Kreuzungen mit Ampeln, die derzeit "sehr ungünstig für Radfahrer geschaltet" seien. Hier sei eine grüne Welle für Radfahrer und Busse bei 20 km/h machbar. Ramboll schlägt vor, den "großzügigen Straßenraum" neu zu verteilen: jeweils 1 Fahrspur für Rad, Bus und Autos.

Deutlich schwieriger ist die Situation im Osten. Zwischen Alex und S-Bahnhof Landsberger Allee wurden drei Strecken untersucht, alle haben Nachteile. Am Klinikum Friedrichshain sei die Straße so eng, dass diese Nordtrasse ausscheide. Die Planer halten eine Führung über die Karl-Marx-Straße am sinnvollsten, hier gebe es ausreichend Platz, mehr als in der in der Mitte verlaufenden Landsberger Allee.

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