• Vermeintliches Nacktbadeverbot: Bezirk warnt vor gefälschten Schildern am Berliner Teufelssee
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Vermeintliches Nacktbadeverbot : Bezirk warnt vor gefälschten Schildern am Berliner Teufelssee

Kein FKK mehr am Teufelssee und Verwarnungsgeld bei Zuwiderhandlungen? Alles Fake, sagt das Bezirksamt und erstattet Anzeige.

Idyllisch: Blick auf den Teufelssee im Berliner Grunewald.
Idyllisch: Blick auf den Teufelssee im Berliner Grunewald.Foto: Paul Zinken/dpa

Unbekannte haben am Teufelssee im Berliner Grunewald offenbar mit einer falschen "Anordnung" versucht, den Eindruck zu erwecken, dass der FKK-Bereich "mit Rücksicht auf unsere muslimischen Mitbürgerinnen, Mitbürger und Gäste" nicht mehr als solcher genutzt werden dürfe.

Das teilte das Bezirksamt von Charlottenburg-Wilmersdorf am Montagmittag mit. Zuwiderhandlungen sollten dem Aushang zufolge mit einem "Verwarnungsgeld" geahndet werden.

Auf dem Schild heißt es weiter: "Jeder Mensch hat das Recht, unsere Freizeit- und Erholungsgebiete zu genießen, ohne moralisch, sittlich oder religiös Anstoß nehmen zu müssen." Gezeichnet ist das Schild vermeintlich vom Bezirksamt.

Oliver Schruoffeneger (Grüne), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt verwies via Pressemitteilung darauf, dass diese Anordnung eine Fälschung seit. Weder das Bezirksamt, noch das Forstamt hätten eine derartige Mitteilung verfasst und in Umlauf gebracht.

Fake-Anordnung: Am Teufelssee darf weiter nackt gebadet werden - im Wasser und unter der Sonne.
Fake-Anordnung: Am Teufelssee darf weiter nackt gebadet werden - im Wasser und unter der Sonne.Foto: promo

Das Bezirksamt werde eine Anzeige gegen Unbekannt stellen. "Wir wurden von Anwohnern über die Schilder informiert", sagt Schruoffeneger dem Tagesspiegel. Ihm zufolge seien diese am Wochenende angebracht worden, rund um den See seien viele verteilt worden.

FKK-Präsident: "Wir werden zurückgedrängt"

Der Teufelssee ist seit vielen Jahren ein beliebter Ort für Nudisten und Personen aus der queeren Community. Die Badestelle wird von einer DLRG-Wasserrettungsstelle überwacht.

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Wilfried Blaschke, Präsident des Deutschen Verband für Freikörperkultur, sieht hinter dem Vorfall keinen strukturelles Problem. "Auf dem Land lässt die Akzeptanz für FKK nach, aber in Städten wie Berlin geht es deutlich toleranter zu", sagte er. Die Mitgliederzahlen der FKK-Vereine würden in den Städten wieder steigen.

Allerdings gebe es auch für Nacktbader Verdrängungstendenzen. "Wir werden zurückgedrängt", sagte Blaschke. Konkurrenz seien vor allem textilpflichtige Freibäder, die kommerziell erfolgreicher seien. "Da fehlt uns oft einfach die Lobby."

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