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Ein Umkleideraum der Feuerwehr.

© picture alliance / ZB

Tagesspiegel Plus

Video löst Ermittlungen bei Berliner Feuerwehr aus: Corona-Skepsis und Russland-Propaganda in Uniform

In einem Video, das in den Räumen der Berliner Feuerwehr gedreht wurde, rufen Uniformierte unter anderem zur Verweigerung der Impfpflicht auf. Interne Ermittlungen laufen.

Russische Propagandisten und Coronaskeptiker versuchen offenbar, die Krise bei der Berliner Feuerwehr für sich nutzen. Zunächst veröffentlichte der Mediziner Paul Brandenburg über seinen Telegram-Kanal und eine Videoplattform einen 13-minütigen Film. Titel: „Warum schweigen die Retter?“

Darin sind zwei Männer in Einsatzkleidung zu sehen, gedreht wurde der Film offenbar in den Räumen der Berliner Feuerwehr, wie die Behörde erklärte. Die Männer tragen Schutzhauben, die Namensschilder auf den Schränken im Hintergrund sind abgeklebt, die Stimmen sind verzerrt.

„Klima der Angst“, „massive Einschüchterung“ und „ziellose Hysterie“

Die Männer fordern dazu auf, sich nicht impfen zu lassen. „Mein Bauchgefühl und meine Einsatzerfahrung sagen mir: Da stimmt was nicht“, sagt einer der Männer. „Ich denke, hier läuft eine ganz böse Sache.“ Kritische, ungeimpfte Kollegen und das Volk würden terrorisiert mit einer Impfung, die mehr schädlich als nützlich sei.

Erst im Juli war über einen für Großeinsatzlagen vorgesehenen Account eine Email an die gesamte Behörde verschickt worden. Der anonyme Verfasser erklärte zur Impfpflicht bei der Feuerwehr: „Ich mach’ da nicht mehr mit.“ Es gebe „ein Klima der Angst“, „massive Einschüchterung“ und „ziellose Hysterie“.

Die Feuerwehr leitete nun interne Ermittlungen ein und sprach von nicht akzeptablen Aussagen im Video. Sie drohte in anderen Fällen wie der Teilnahme von Mitarbeitern in Dienstuniform an Coronaprotesten mit dienstrechtlichen Konsequenzen.

Ob Paul Brandenburg den Film selbst produziert hat, war nicht klar. Die „Echtheit der Urheber“ könne er bestätigen, schrieb er. Brandenburg wurde im Zuge der Corona-Pandemie deutschlandweit bekannt. Er gilt als scharfer Kritiker der Covid-19-Maßnahmen, lehnt die Maskenpflicht ab und bezeichnete Mitglieder der Bundesregierung wiederholt als „Faschisten“. Zugleich betrieb er mehrere Corona-Testzentren.

Aufmerksamkeit erlangte er mit einem Video, in dem er eine Anleitung zum Fälschen eines Impfpasses veröffentlichte. Im Mai fanden Spezialeinsatzkräfte der Polizei bei Brandenburg Schusswaffen und beschlagnahmten Datenträger. Die Staatsanwaltschaft ermittelt etwa „wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz“. Die kriminaltechnische Untersuchung und waffenrechtliche Prüfung halte an, hieß es am Dienstag.

Ein weiteres Video mit einem Feuerwehrmann, der die Impfpflicht kritisiert, ist auf einem Youtube-Kanal namens „InfraRot Medien – Sicht ins Dunkel“ veröffentlich worden. Dahinter stehen Macher des in der EU infolge des Angriffskrieges auf die Ukraine verbotenen, von Moskau gesteuerten Propagandasenders RT Deutsch.

Themen des Kanals sind etwa die Kritik an der Corona-Politik und die angebliche Mitschuld deutscher Politiker am Krieg. Laut „FAZ“ sind Inhalte des Kanals von Youtube bereits wegen Fehlinformationen gelöscht worden. SPD-Innenexperte Tom Schreiber sagte: Wer solche Aussagen in Uniform wie im Video mache, verstoße als Beamter der Feuerwehr gegen das Mäßigungsgebot sowie die Neutralitäts- und Treuepflicht.

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