visitBerlin : Wie man Berlin als Tourist erleben kann

Berliner Hotels sind nicht nur für Besucher gedacht. Das beweist die jährliche Aktion „Erlebe deine Stadt“ - am Dienstag wieder ab 9 Uhr.

Anderer Blickwinkel. Warum also nicht mal ins Hotel und dann zum Sightseeing an den Potsdamer Platz?
Anderer Blickwinkel. Warum also nicht mal ins Hotel und dann zum Sightseeing an den Potsdamer Platz?Foto: imago/Schöning

Welcher Berliner interessiert sich schon für Berliner Hotels? Das fragen Amateure. Profis wissen: Berliner interessieren sich spätestens dann dafür, wenn sie auswärtige Besucher angemessen unterbringen müssen. Und schon deshalb hat eine plakative Aktion wie „Erlebe deine Stadt“ (siehe unten) Sinn und Werbewert – nicht zu vergessen, dass sie auch ein paar Betten in der Nebensaison füllen hilft. Aber ist das schon alles?

Wer das so sieht, hat kein Gespür für das Phänomen Hotel, und welche Perspektiven es gerade dem Ortsansässigen öffnet. Mal den kleinen Koffer packen und für einen Tag zu Hause ausziehen: Allein das versetzt den, der es wagt, in eine überraschende Lage. Er ist Tourist in der eigenen Stadt, kann nach dem Essen mit dem Lift aufs Zimmer fahren, nachts noch ein Clubsandwich bestellen und eine Flasche Champagner, kann teure Boxspringbetten testen und die Schuhe, fünf Sterne plus vorausgesetzt, vor die Tür stellen, er kann einfach leichter, leichtsinniger leben als normal, die üblichen Terminzwänge wegschieben.

Und, nicht zu vergessen: Er kann morgens nach dem Frühstück in aller Ruhe kennenlernen, was sonst in der Alltagshektik unerkannt vorbeirauscht, ungewöhnliche Geschäfte, spannende Restaurants, alles ohne nervende Parkplatzsuche und Zeitdruck. Der Concierge weiß sicher auch, wo es am nächsten Tag in der Nähe einen guten Lunch gibt, Reservierung eingeschlossen.

Wenn Berlin eins kann, dann Hotels

Aber es ist eben nicht nur das. Berlin ist vermutlich die deutsche Großstadt mit dem höchsten Hotelstandard. So gut wie alles ist erst in den letzten 20 Jahren gebaut und oft schon wieder aufgefrischt worden, der Konkurrenzkampf lässt kein Innehalten zu. Das spießige Messing- mit-Wurzelholz-Design der frühen Neunziger inklusive Marmorbad ist fast überall schon wieder Geschichte, stattdessen gibt es aktuelles Wohndesign zwischen kantig-kühl und öko zu bewundern, dazu Bäder mit schicken Duschen – normal ist das nicht und meist aufwendiger als zu Hause. Und wer näher hinschaut, der kann fasziniert an den schweren und schallisolierten Zimmertüren hantieren, die es sonst so nur in Vorstandsbüros und Museen gibt.

Berlin ist eine begehrte Karrierestation für Hotelmanager, die ihren Job nicht nur als Kostenminimierer verstehen, sondern ein spezielles Lebensgefühl schaffen wollen, das kreative Ideen ebenso voraussetzt wie die Fähigkeit, Mitarbeiter zu begeistern, auch wenn die von den Spitzengehältern anderer Branchen nur träumen können. Diese Manager können, wenn alle mitziehen, auch in großen Häusern jene persönliche und eben nicht steife Atmosphäre schaffen, die in den kleinen oft ganz selbstverständlich ist. Den Gästen jeden Wunsch von den Augen ablesen – das ist ein (Gott sei Dank?) unerreichbares Klischee. Aber jeden vernünftigen Wunsch erfüllen, das sollte möglich sein.

Angst vorm Doorman? Unnötig

Unerfahrene Gäste tun sich dennoch manchmal schwer damit, die Schwelle zu überwinden, zumal, wenn davor in der Luxuskategorie auch noch ein Doorman in Uniform steht. Aber der ist eben kein Türsteher mit der Lizenz zum Wegschicken, wenn ihm die Attitüde der Gäste nicht passt, sondern der erste Helfer auf dem Weg nach drinnen, der freundlich grüßt und im Idealfall auch noch einen funktionierenden Plan für das Wegschaffen des Autos und des Gepäcks hat.

Gute Hotels zeichnen sich heute, von der Bausubstanz abgesehen, dadurch aus, dass sie ihre Mitarbeiter selbst ausbilden und dabei mehr Gewicht aufs Kommunikative als auf die Einhaltung überkommener formaler Standards setzen. Den Gast unterhalten, ihn in Wohlgefühl versetzen können, das ist wichtiger als steifleinenes Gehabe, und wer einen Fehler charmant ausbügelt, der steht höher im Kurs bei seinen Gästen als ein perfektionistischer Streber. Es liegt nahe, dass diese persönliche Ebene in Urlaubshotels mit längerer Aufenthaltsdauer leichter zu erreichen ist als in Berliner Stadthotels, wo jeder Gast durchschnittlich 2,5 Tage bleibt. Aber möglich ist es dennoch.

Baden über den Dächern, Unbekanntes entdecken

Und dann haben die Berliner Hotels, die an der Aktion teilnehmen, fast alle noch ein paar Spezialitäten zu bieten, die sonst immer den Stadtbesuchern vorbehalten sind. Der große Pool im „Schweizerhof“, das moderne Spa über den Dächern im Grand Hyatt, die elitäre Wellness-Welt im Mandala? Das kennen die wenigsten Berliner. Wie wäre es damit, das neue Jahr im City-Trubel vor dem Palace im Europa-Center zu erleben oder ein paar Ecken weiter in der hanseatischen Attitüde des „Henris“ in der Meineckestraße? Oder einmal unbekannte Ecken ganz draußen zu erleben im Seehotel Grunewald in Schildhorn oder im Akademie-Hotel Schmöckwitz?

Jedes Haus hat seine Eigenheiten, aber auch den Anspruch, sich dem Urteil des Berliner Gastes zu stellen, der sonst allenfalls zum Essen vorbeikommt. Und wenn der dann hinterher feststellt, dass es zu Hause am schönsten ist – dann hat er durchaus auch etwas gewonnen.

Doppelzimmer zum Schnäppchenpreis – und zum Gewinnen

Bereits zum neunten Mal starten die Tourismuswerber von Visit Berlin und ihre Partnerhotels die Aktion „Erlebe deine Stadt“: Damit können Hauptstädter vergünstigt Hotelzimmer buchen, um einen Kurzurlaub in der eigenen Stadt zu machen. Die Zimmer sind für eine Nacht am 5./6. Januar verfügbar, 77 Häuser nehmen diesmal teil, darunter 16 Fünf-Sterne-Hotels, etwa das Grand Hyatt und das Hotel de Rome.

Die Pakete, zu denen neben einer Übernachtung für zwei Personen, Abendessen und Frühstück auch in vielen Häusern die Nutzung des Wellnessbereichs gehört, kosten 138 Euro (fünf Sterne) oder 118 Euro (vier oder drei Sterne). Online sind alle Hotels bereits einsehbar, die Buchung ist vom heutigen Mittwoch an, 21. November, ab 9 Uhr, möglich – telefonisch (25 00 23 33) oder online.

Der Tagesspiegel verlost zwei Doppelzimmer im Fünf-Sterne-Hotel Pullman Schweizerhof (Budapester Straße 25), das Haus nimmt zum ersten Mal an der Aktion teil. Und auch zwei Doppelzimmer im Vier-Sterne-Superior-Hotel Mövenpick (Schöneberger Straße 3) sind im Lostopf. Alle Gewinne beziehen sich auf die Nacht 5./6. Januar 2019. Registrieren Sie sich hier bis zum heutigen Mittwoch, 12 Uhr, mit dem Stichwort „Erleben“, Ihrem Namen, Adresse, Telefonnummer und Mailkontakt. Die Gewinner werden benachrichtigt.

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