Wenn der Wald beregnet wird : Moor im Grunewald droht auszutrocknen

Der Grunewald wird zum Regenwald. Weil der Grundwasserspiegel so gesunken ist, wird der Barssee, der jetzt ein Moor ist, nun bewässert.

Spritzig. 20 Kubikmeter Wasser landen täglich auf dem Barssee-Moor.
Spritzig. 20 Kubikmeter Wasser landen täglich auf dem Barssee-Moor.Foto: Cay Dobberke

Mitten im Grunewald verspritzen vier Riesen-Rasensprenger jeden Tag mehr als 20 Kubikmeter feinstes Berliner Trinkwasser. Es wird sogar extra noch in einer „Umkehrosmoseanlage“ entmineralisiert. Der hohe Aufwand gilt dem Barssee, der einst „Barschsee“ hieß und ein Ausflugsziel mit Bootsanlegestelle war, bis er sich in ein Moor verwandelte.

Der Grundwasserspiegel ist gesunken, weil seit mehr als 100 Jahren Trinkwasser in der Umgebung nahe der Havelchaussee gefördert wird. Nun investieren die Berliner Wasserbetriebe mehr als 400.000 Euro, um die Verlandung aufzuhalten.

Am Montag stellten Vorstandschef Jörg Simon und Berlins Umweltstaatssekretär Stefan Tidow das Pilotprojekt im Naturschutzgebiet vor. Es ist auf zwei Jahre befristet, soll aber im Erfolgsfall fortgeführt und auf andere Moore wie das benachbarte Pechmoor oder das Teufelsfenn im Grunewald ausgeweitet werden.

Vor allem will man seltene Tiere und Pflanzen schützen. Typische Moorgewächse sind beispielsweise Torfmoose, Sauergräser oder der zu den fleischfressenden Pflanzen gehörende Sonnentau. Außerdem speichern Moore viel Kohlenstoffdioxid (CO2) und würden das Treibhausgas beim Austrocknen freisetzen.

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Dass nicht einfach normales Grundwasser hochgepumpt wird, liegt daran, dass Moorvegetation auf mineral- und nährstoffarmes Wasser spezialisiert ist. Regenwasser allein reiche dafür am Barssee nicht aus, heißt es. Die Senatsumweltverwaltung unterstützt den Pilotversuch. Auch die Berliner Forsten machen mit. Gemeinsam mit den Wasserbetrieben haben sie Infotafeln als Teil ihres Waldlehrpfads „Wald.Berlin.Klima.“ aufgestellt.

„Wir zeigen, dass Naturschutz und Trinkwasserförderung zusammengehören“, sagt Jörg Simon. Die Maßnahme steht auch im Zusammenhang mit einem „wasserrechtlichen Bewilligungsverfahren“ für die Wasserwerke Beelitzhof und Tiefwerder. Diese gibt es zwar längst, aber ihr Betrieb muss jetzt noch einmal gemäß der heutigen Rechtslage genehmigt werden. Die beiden Wasserwerke versorgen fast ein Viertel der Berliner Bevölkerung.

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