• Werbung und Wirklichkeit bei der Berliner Polizei: Der Polizist vom Plakat wurde im Einsatz gebissen

Werbung und Wirklichkeit bei der Berliner Polizei : Der Polizist vom Plakat wurde im Einsatz gebissen

Der Polizeibeamte wirbt mit seinem Gesicht für die Berliner Polizei. Nun wurde er bei einem Einsatz angegriffen und verletzt.

Der Polizeibeamte A. wirbt mit seinem Gesicht für die Behörde. Jetzt wurde er im Einsatz verletzt.
Der Polizeibeamte A. wirbt mit seinem Gesicht für die Behörde. Jetzt wurde er im Einsatz verletzt.Foto: Polizei Berlin/promo

Er ist eines der Gesichter der Berliner Polizei – im täglichen Einsatz, aber auch in der Imagekampagne der Behörde unter dem Motto „Wir können Hauptstadt“. Sein Konterfei prangt auf den Plakaten, die im Berliner Stadtgebiet die Polizei bürgernah und kompetent präsentieren sollen. Unter seinem Porträt steht der Spruch: „Kann Kotti, kann Köpenick“.

In der Nacht zu Sonnabend war A. in Lichtenberg unterwegs. Bei dem Einsatz wurde der Beamte verletzt. Ein Mann hat ihn gebissen. Die Folge: Eine blutende Wunde am Oberarm. Dieser Fall erzählt in mehrerer Hinsicht davon, was Berliner Polizisten im Alltag leisten müssen, welchen Gefahren sie ausgesetzt sind und wie sehr ihnen die richtige Ausrüstung fehlt. 

Es war ein Routineeinsatz – ein Betrunkener wurde gewalttätig

Die Beamten A., Jahrgang 1996, und seine Kollegin, G., Jahrgang 1993, sind in der Nacht zu Samstag in einem Streifenwagen in der Direktion 6 unterwegs. Über Funk werden sie nach Rummelsburg geschickt. Über den Notruf wurde eine Schlägerei in einer Wohnung gemeldet. Es ist gegen 2.30 Uhr am Samstagmorgen, als die beiden Beamten in der Hauptstraße in Rummelsburg ankommen. Sie klingeln an der Haustür, ihnen kommt ein betrunkener Mann aus dem Haus entgegen.

Der 34 Jahre alte Mann soll zuvor einem 28-Jährigen ins Gesicht geschlagen und ihm in die Hand gebissen haben. Der Beißer will zunächst vor den Polizisten flüchten und im Treppenhaus nach oben weglaufen, doch die Beamten stoppen ihn. Dann rastet der Betrunkene aus: Erst schimpft er herum, wird „verbal aggressiv“, wie die Polizei später vermerkt. Die Beamten entschließen sich, dem Mann Handschellen anzulegen. 

Mehrere Beamte wurden bei der Festnahme verletzt

Doch der Betrunkene rastet aus, er leistet Widerstand. Er beißt dem Beamten in den Arm und in einen Finger. E. erleidet eine tiefe, blutende Wunde am Oberarm, später muss er in ein Krankenhaus. Die beiden Beamten schaffen es aber, den alkoholisierten Mann im Treppenhaus zu überwältigen und ihm Handfesseln anzulegen. Der 34-Jährige beißt auch der Beamtin G. in den rechten Mittelfinger. Aber die Beamtin hat Glück. Privat hatte sie sich schnittfeste Handschuhe für den Dienst gekauft. 

Sie war eigentlich bei der Kriminalpolizei und entschied sich dann ganz bewusst, zur Schutzpolizei zu gehen. Ein absoluter Ausnahmefall. Nur wegen der privat gekauften Handschuhe trägt sie an diesem Abend von dem Biss nur eine Blutblase am Finger davon. Sie kann ihren Dienst fortsetzen.

Der Beißer war bis Samstagmorgen in Gewahrsam der Polizei. Ihm wurde dort eine Blutprobe entnommen, im Anschluss wurde er auf freien Fuß gesetzt. Zwei weitere Beamte erlitten bei dem Einsatz Verletzungen.  

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