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Im Supermarkt an der Potsdamer Chaussee können sich Kunden kostenlos mit heißem Wasser versorgen.

© Dominik Lenze

Update

„Wir sind die einzige Ecke, die leuchtet“: Supermarkt mit Notstrom wird zum Treffpunkt in Zehlendorf – Apotheke läuft im Notbetrieb

Wenn heißes Wasser zur begehrten Ware wird: In einem Supermarkt in der Potsdamer Chaussee bekommen Stromausfall-Betroffene auch kostenlose Hilfe. Dabei erschwerten Silvesterfeierlichkeiten die Organisation.

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Eine Mitarbeiterin bringt am Montagvormittag die letzten Wasserkocher vom Backstand zu den Stehtischen im Eingangsbereich. Der Edeka an der Potsdamer Chaussee in Zehlendorf ist für die vom Stromausfall betroffene Nachbarschaft zum wichtigsten Anlaufpunkt geworden: Hier kann man Handys laden, sich mit dem WLAN verbinden und heißes Wasser abfüllen.

„Wir sind die einzige Ecke, die leuchtet“, sagt Marktleiter Florian Tempelhaus. Dabei wurde auch der Supermarkt vom Stromausfall zunächst kalt erwischt: Das Notstromaggregat, das den Markt auch Montagvormittag am Laufen hält, hatte sich der Supermarkt am ersten Tag des Stromausfalls besorgen müssen, berichtet Marktleiter Florian Tempelhaus dem Tagesspiegel.

„Das war nicht leicht, weil wegen Silvester-Events viele Generatoren noch vermietet waren“, sagt er. Aus Magdeburg habe man letztlich die Notstromversorgung beschaffen können. Für Tempelhaus ist es eine Selbstverständlichkeit, in solchen Situationen zu helfen: „Jetzt geht’s um gute Nachbarschaft.“

„So stell’ ich mir das Leben auf einer Insel vor“, sagt Rentnerin Brita. Seit einigen Stunden verweilt sie nun schon im Eingangsbereich des Edeka-Marktes, denn bei ihr Zuhause ist es kalt, und zwar seit Samstag. Wie es ihr damit geht? „Bescheiden, um kein anderes Wort zu benutzen“, sagt die Zehlendorferin. „Aber was mir am meisten fehlt, ist mein morgendlicher Kaffee“, sagt sie.

Neben ihr lädt der 27-jährige Ari sein Handy. „Ich lebe seit acht Jahren in Deutschland, so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt der Austauschstudent. „Ich war eigentlich überzeugt, dass diese Situation in ein paar Stunden geklärt ist“, sagt der junge Mann. Wenn sein Handy aufgeladen ist und er sich dank des Supermarkt-WLANs informieren und mit Freunden in Kontakt treten konnte, will er wieder in seine Wohnung. „Da ist es zwar kalt, aber meine Katze wartet auf mich“, sagt er.

Apotheke und Tankstelle nehmen Betrieb langsam auf

Einige hundert Meter vom Edeka an der Potsdamer Chaussee entfernt fließt der Strom teilweise wieder: Die Ampel an der Kreuzung mit der Spanischen Allee blinkt am Montagmittag wieder, auch an der Shell-Tankstelle herrscht Betrieb. Für Kunden öffnet Filial-Chefin Pia Pauser auch persönlich die Tür – und zwar, indem sie die Glasscheiben persönlich zur Seite schiebt, denn noch ist nicht die gesamte Tankstellen-Elektronik wieder hochgefahren.

Filial-Chefin Pia Pauser öffnet Kundinnen und Kunden persönlich die Tür, nachdem ihr Standort zum Teil wieder Strom hat.

© Dominik Lenze

„Wir sind gerade dabei, auszutesten, ob alles wieder funktioniert“, sagt Pauser. Ihre Tankstelle hat normalerweise 24 Stunden auf, umso überraschter war sie, als ihr Mitarbeiter am Samstag sagten, dass alles dunkel sei. „Wir haben so schnell es geht verderbliche Lebensmittel woanders untergebracht“, berichtet die Tankstellen-Chefin. Verluste gab es trotzdem: „Wir mussten Waren im Wert von etwa 1000 Euro wegschmeißen“, sagt sie.

In der Apotheke Dorotheenstraße im Erdgeschoss des Ärztehauses Zehlendorf hält Chefin Petra Schneider den Notbetrieb am Laufen: „Vom Vermieter haben wir leider keinerlei Unterstützung bekommen, also haben wir uns privat eine riesige Powerbank organisiert“, berichtet sie. Das Wichtigste: Die Apotheke braucht Zugriff auf die Server, um Rezepte einlesen zu können, sodass die Menschen ihre Medikamente erhalten können.

Medikamente, die gekühlt werden müssen, hat die Apothekerin schon am Samstag in mehreren Kühlschränken untergebracht. „Das ist alles ein riesiger Aufwand“, sagt Schneider. Das Ärztehaus im selben Gebäude hat keine Notstromversorgung – am Montagmittag hatten alle Praxen dort wegen des Stromausfalls geschlossen.

Die Praxen im Ärztehaus Zehlendorf bleiben auch am Montag noch zu. Die Apotheke im Erdgeschoss läuft im Notbetrieb.

© Dominik Lenze

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