Wohnungsnot in Berlin : "Den Mietern stellen wir erst mal das Wasser ab"

Wohnungsbau im neuen "Tagesspiegel Checkpoint": Es geht um die SPD-Abrissbirne, eine Entschuldigung und komische Worte in Papieren und an sonst stillen Orten.

Berlin: Blick auf den Fernsehturm und zahlreiche Baukräne.
Berlin: Blick auf den Fernsehturm und zahlreiche Baukräne.Foto: dpa

Spannend wird es am heutigen Freitag bei der Berliner CDU. Der Vorstand berät das weitere Vorgehen im Machtkampf um die Führung. Und der Regierende Bürgermeister bangt dem SPD-Parteitag am Sonnabend entgegen – dort geht es um die Frage der Enteignung großer Immobilienunternehmen (zur Beruhigung der Gemüter gerne „Vergesellschaftung“ genannt).

Müller hat sich nach einigem Geschwurbel („… nur als 4. oder 5. Schritt…“) jetzt deutlich dagegen ausgesprochen, das bedeutet aber auch: Bei einer Niederlage droht ihm die Abrissbirne, nicht nur als SPD-Chef. Die Linke unterstützt das Volksbegehren, die Grünen haben eine Woche vor dem Start noch immer keine klare Haltung.

Und da klingelt beim "Tagesspiegel Checkpoint" das Telefon. Anruf von David Eberhart, Sprecher des Verbands der Wohnungsunternehmen – er entschuldigt sich für seinen „Brandstifter“-Tweet zu einem Tagesspiegel-Artikel, in dem die „Deutsche Wohnen“ nach Anschlägen auf Firmenwagen als umstrittenes Unternehmen bezeichnet wird - darüber hatten wir im "Tagesspiegel Checkpoint" am Donnerstagmorgen berichtet.

Die Stimmung in der Stadt ist aufgeladen, in Pankow will die Linksfraktion den Anbau von Aufzügen verbieten, in der Deutschen Oper hört ein Checkpoint-Leser auf der Toilette folgenden Dialog: „Meine Mutter hat im Prenzlberg eine Wohnung gekauft, da sind aber noch zwei Mieter drin. Jetzt überlegen wir, wie wir die rauskanten. Vielleicht über Eigenbedarf und ich ziehe zum Schein für ein paar Monate ein. Jedenfalls stellen wir ihnen erstmal für zwei Tage das Wasser ab.“ Dabei wird genau das gerade dringend zum Abkühlen gebraucht.

Und hier noch der passende Blick in den "Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030“ (neueste Fassung aus dem Haus von Stadtentwicklungssenatorin Lompscher, Vorlage für die Senatssitzung am kommenden Dienstag): „Der Wohnungsmangel ist eine der Hauptursachen für die dramatisch steigenden Preise (…) und die sozialen Folgen.“ Fast schon komisch, dass daran erinnert werden muss. Und weiter: „Es gilt, die kurz- und mittelfristig möglichen Wohnungsbaupotenziale zu realisieren. Dabei kommt es auf alle Akteure im Wohnungsmarkt an.“ Wer sagt’s ihnen?

Immer kurz nach 6 Uhr: der Tagesspiegel Checkpoint

Mehr davon? "Checkpoint" komplett lesen? Diesen Text haben wir dem neuen "Checkpoint" vom Team um Chefredakteur Lorenz Maroldt entnommen, den wir immer kurz nach 6 Uhr in Ihre Mailbox schicken. Unkompliziert bestellen hier: https://www.tagesspiegel.de/checkpoint

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