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Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit schaute am Eröffnungstag vorbei.

© dpa

Prenzlauer Berg: Wowereit bei Guggenheim-Eröffnung ausgebuht

Am Tag der Eröffnung präsentiert sich das Guggenheim Lab als Spielwiese für Erwachsene. Nur etwa ein Dutzend Demonstranten versuchte die Veranstaltung zu stören - das musste auch Klaus Wowereit erfahren.

Der Besuch des Regierenden Bürgermeisters kündigt sich durch ein Pfeifkonzert an. Vor dem Eingangsbogen zum Pfefferberg-Areal haben sich etwa ein Dutzend Gegner des Guggenheim-Labs versammelt, um Klaus Wowereit mit Transparenten und Trillerpfeifen zu empfangen. Der Regierende sieht sich das Spektakel kurz an. Fotografen schießen ihre Fotos. Dann setzt sich der ganze Tross in Richtung Lab in Bewegung. Vorneweg Klaus Wowereit und seine Bodyguards, die Demonstranten und Schaulustigen auf den Fersen. Vor dem Hinterhof geht die Polizei dazwischen. Die Demonstranten müssen draußen bleiben. Noch ein paar Minuten Pfeifkonzert und Geschrei, dann ist Schluss.

„Etwa zwölf Personen haben die Ankunft des Bürgermeisters genutzt, um öffentlichkeitswirksam zu demonstrieren“, sagt Einsatzleiter Roman Seifert später. Also absolut nichts, das die Polizisten an diesem Nachmittag aus der Ruhe bringen könnte. Etwa 50 Beamten waren über den Tag verteilt im Einsatz – aber auch nur wegen des angekündigten prominenten Besuchs. Für die nächsten sechs Wochen, also den Rest der Veranstaltung sieht die Polizei keinen Anlass für weitere Einsätze am Guggenheim-Lab. „Die Lage war heute insgesamt sehr entspannt“, so Seifert.

Der Eröffnungstag in Bildern

Erst recht entspannt geht es im Guggenheim Lab selbst zu. Von Debatten über Gentrifizierung oder Stadtentwicklung keine Spur. Die ganze Veranstaltung erinnert vielmehr an einen extravaganten Kindergeburtstag mit unzähligen Basteltischen. Klaus Wowereit klappert sie ab. „Und was gibt es hier?“ fragt er. Manches Experiment bereitet ihm sichtlich Spaß. Der Sinn des Ganzen scheint ihm sich aber nicht zu erschließen. So zum Beispiel auch das Bananen-Klavier. Das Gespräch mit den Macherinnen fällt kurz aus – sie sprechen beide nur Englisch. Und so bleibt es bei einer kurzen Gebrauchsanleitung: Man nehme den Apfel in die eine Hand und tippe auf die Bananen. Mittels Elektroden wird Energie durch den Körper und das Obst geleitet. Ein Programm auf einem Laptop erzeugt schließlich den Ton. Dazu wird eine virtuelle Klaviertastatur angezeigt.

Und was soll das alles? „Wir wollen den Leuten zeigen, was für verrückte und kreative Dinge sie mit ganz einfachen Mitteln kreieren können“, sagt Jie Qi, eine der Schöpferinnen der kompliziert und zugleich verspielt aussehenden Apparaturen aus Elektroden, Leuchtdioden und Mini-Akkus.

Sehen Sie hier das Video das Guggenheim Lab in Aktion:

Noch fehlt die Bastelstube für Erwachsene

Nichts zum Spielen gibt es am Bus der Initiative Free Space Berlin. Die Macher, einige Studenten der TU, packen die Gelegenheit beziehungsweise den Regierenden Bürgermeister beim Schopf und holen ihn für ein ernsthaftes Gespräch in ihren Bus. „Wir haben ihn einfach reingezogen. Am liebsten wären wir gleich los gefahren“, sagt der Stadtsoziologe und Mitbegründer der Initiative Stadt Neu Denken Florian Schmidt. Der Bus geht in den kommenden sechs Wochen als mobile Außenstelle des Guggenheim Labs auf Tournee. Das Anliegen der Initiativen: die Liegenschaftspolitik des Senats in der Praxis.

Klaus Wowereit habe interessiert zugehört und ihnen seine Unterstützung zugesagt, berichten die  Initiatoren hinterher. Allerdings habe der Regierende auch deutlich darauf hingewiesen, dass die Kompetenz zur Umsetzung der Liegenschaftspolitik bei „seinen“ Senatoren läge. Mit Debatte also auch hier Fehlanzeige.

Video: Das Guggenheim-Lab in Prenzlauer Berg

Stadt als Werkstatt. Der Zugang zum Lab ist in der Christinenstraße.

© AFP

Aber das kommt ja noch. Was an diesem Freitag noch aussieht, wie eine große Spielwiese oder Bastelstube für Erwachsene ist auch nichts anderes als die Einladung zum Mitmachen. Die Besucher sollen locker werden, sollen Gefallen an dem Lab finden und selbst aktiv werden. Mit so einfachen Dingen wie einem selbstgebastelten Geldbeutel fängt es an. Jay Cousins zeigt den Besuchern an seinem Tisch, wie man so einen herstellt. Es sieht einfach aus. Das Design ist von Cousins. Als Material verwendet er – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit – Tapetenreste. Cousins erzählt etwas über die „Kultur der Teilhabe“, die wir in der Konsumgesellschaft verlernt hätten. Dabei schaut er zufrieden auf seine erwachsenen Schüler, die sich gerade mit kindlicher Begeisterung über Schere und Tapete beugen.

Bei den Bastelstunden soll es im Guggenheim-Lab natürlich nicht bleiben. Aber zum Auftakt ist das gar nicht so schlecht. Wer Sport machen will, muss sich ja auch erst mal warm machen.

Das BMW Guggenheim-LAB ist ab sofort bis zum 29. Juli geöffnet. Mittwochs bis freitags von 14 bis 22 Uhr, samstags und sonntags von 12 bis 22 Uhr. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des Guggenheim-Lab.

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