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Zehntausende bei Zweirad-Demo : Fahrrad-Sternfahrt rollte durch Berlin

Zehntausende Radfahrer demonstrierten am Sonntag bei der Sternfahrt des ADFC für mehr Platz, mehr Rechte und sauberere Luft. Sehen Sie hier Bilder von der Strecke.

Die Sternfahrt rollt - hier ein Bild aus Zehlendorf.
Die Sternfahrt rollt - hier ein Bild aus Zehlendorf.Foto: Jörn Hasselmann

Es ist immer wieder erstaunlich, wie aus etwas ganz Kleinem am Ende etwas ganz Großes wird. 35 Radfahrer waren es, die sich um 9.45 Uhr in Ludwigsfelde am Bahnhof trafen. Die Stadt war einer der 18 Orte rund um Berlin, an denen die Strahlen des Sternfahrt-Sterns begannen. Vier Stunden später waren es Zehntausende, ein Fahrerpulk, dessen Ende nicht zu erkennen war. Er rollte über alle Spuren der Autobahn 115, der Avus. Wie immer hatten sich die Teilnehmerfelder der einzelnen Routen nach und vereinigt, bis sich alle Radfahrer vor den beiden Zugängen zur Autobahn trafen, in Zehlendorf an der Spanischen Allee und in Neukölln an der Buschkrugallee. Wie immer mussten alle etwas warten, bis die letzten da waren und bis die Polizei die Autobahnen freigab. Für die meisten ist es der Höhepunkt jeder Sternfahrt, einmal im Jahr auf der Autobahn zu radeln.

Die ersten Fahrer hatten sich schon am Vorabend in Stettin auf den weiten Weg gemacht, trafen in Eberswalde dann auf andere Teilnehmer. Ziel für alle war der Große Stern um die Siegessäule im Tiergarten. Nach Angaben des ADFC nahmen 90.000 Menschen teil, wohl wegen des anfänglichen Nieselregens etwas weniger als im Jahr 2017. Auf der Straße des 17. Juni findet noch bis Sonntagabend das Umweltfestival am Brandenburger Tor statt.

Sehen Sie hier Bilder und Tweets von unserem mitradelnden Redakteur Jörn Hasselmann:

Die Route der Sternfahrt.
Die Route der Sternfahrt.Foto: Tsp/Schmidt

Seit 1977 richtet sich die Demonstration auf zwei Rädern gegen für bessere Bedingungen des Radverkehrs und gegen eine Verkehrsplanung, in der das Auto stets Vorrang hatte. So ist ein Höhepunkt denn auch die Fahrt über die Stadtautobahn am Südring und über die Avus, die so einmal im Jahr zur abgasfreien Zone wird.

In diesem Jahr haben die Veranstalter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) die Forderung nach einer raschen Verabschiedung des Berliner Mobilitätsgesetzes zur zentralen Forderung erhoben. Das Regelwerk soll noch vor der Sommerpause beschlossen werden, doch der Termin war nach einem inzwischen beigelegten Koalitionsstreit ins Wanken geraten.

Abgefahren - Ihre unbeliebtesten Radstrecken
Dahlemer Weg in Zehlendorf. Zwischen Mörchinger Straße und Curtiusstraße wurde einseitig ein Radstreifen aufgepinselt. Gleichzeitig ist der alte Bordsteinradweg nicht mehr befahrbar, berichtet Stefan Kopp-Assenmacher. Die Durchfahrtstraße "ist nicht breit genug für zwei Fahrstreifen, zwei Radwege und zwei Parkstreifen. Es ist lebensgefährlich." Es darf bezweifelt werden, dass sich Autofahrer beim Überholen genügend Seitenabstand zu Radfahrern wahren. Unser Leser fordert das Bezirksamt auf, die Gefahrensituation noch vor dem Schulbeginn zu beseitigen, da besonders viele Schülerinnen und Schüler dort entlangfahren. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Fotos aus dem Berliner Radverkehr an leserbilder@tagesspiegel.de!Weitere Bilder anzeigen
1 von 583Foto: Stefan Kopp-Assenmacher
13.08.2018 13:06Dahlemer Weg in Zehlendorf. Zwischen Mörchinger Straße und Curtiusstraße wurde einseitig ein Radstreifen aufgepinselt....

Als erstes Bundesland bekäme Berlin damit ein Gesetz, das umweltfreundliche Verkehrsmittel fördert. Fußgängern und Nutzern des öffentlichen Nahverkehrs werden darin Verbesserungen versprochen, besonders aber den Radfahrern: Sie sollen endlich sicher durch die Stadt kommen, auch auf neu angelegten Schnellwegen in die City. Baulich vom Kraftverkehr getrennte Radstreifen sollen die Falschparkerei an Hauptverkehrsstraßen verhindern, möglicherweise auch durch Poller.

Über die Zahl der teilnehmenden Radfahrer gibt es seit Jahren stark abweichende Angaben: Während der ADFC von der weltweit größten Fahrrad-Demonstration mit bis zu einer Viertelmillion Fahrern spricht, bewegten sich die Zahlen der Polizei ungefähr bei einem Zehntel dieses Werts. Der Tagesspiegel wollte es im vergangenen Jahr genau wissen: Redakteur Stefan Jacobs wartete am Sachsendamm mit einem mechanischen Zähler und rechnete die Teilnehmerzahl auf etwa 30.000 hoch.

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