Angst vor dem Coronavirus : Lebloser Mann liegt in Wuhan stundenlang auf dem Bürgersteig

Die wenigen Menschen, die an dem Toten vorbeigehen, nähern sich ihm nicht. Nachdem er abgeholt wurde, desinfizieren Einsatzkräfte die Stelle.

Sébastien Ricci Leo Ramirez
Sanitäter beraten sich, nachdem ein toter Mann auf einem Bürgersteig entdeckt wurde.
Sanitäter beraten sich, nachdem ein toter Mann auf einem Bürgersteig entdeckt wurde.Foto: AFP/Hector RETAMAL/Leo RAMIREZ/Sebastien RICCI

Hinweis der Redaktion: Der folgende Artikel enthält Fotos einer Leiche, die als verstörend empfunden werden könnten.

Seine Haare sind grau, eine Gesichtsmaske bedeckt Mund und Nase. Leblos liegt der Mann - er mag um die sechzig sein - auf dem Bürgersteig vor einem geschlossenen Möbelhaus in Wuhan. Seine Hand hält noch immer eine Plastiktüte. Es ist Donnerstagmorgen, als ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP den Toten entdeckt.

Zu dieser Zeit wimmelt es normalerweise in dieser Straße der chinesischen Elf-Millionen-Metropole vor Menschen. Doch seit das neue Coronavirus hier für die ersten Kranken sorgte, ist die Stadt wie ausgestorben.

Die wenigen Passanten laufen an dem ganz in Schwarz gekleideten Toten vorbei, sie trauen sich nicht, sich ihm zu nähern. Eine Frau in pinkem Schlafanzug und Mao-Kappe bleibt stehen. Bestimmt sei er an dem Virus gestorben, vermutet sie. „Das ist schrecklich. So viele sind schon gestorben“.

Das Krankenhaus ist nur einen Block entfernt

Schließlich kommt ein Krankenwagen, Sanitäter und Polizisten in blauen und weißen Schutzanzügen steigen aus. Die Rettungskräfte breiten eine blaue Decke über dem toten Mann aus, dann fährt der Notarztwagen weiter. Die sichtlich nervöse Polizisten bleiben und stapeln Supermarktkartons zu einem Sichtschutz auf.

Nur einen Block entfernt liegt das Krankenhaus Nummer sechs, eine der Kliniken in der Stadt, die sich auf die Behandlung der Viruserkrankung spezialisiert haben. Die Krankenhäuser sind völlig überfüllt, davor haben sich lange Schlangen gebildet. Manche Patienten sagen, sie hätten zwei Tage auf eine Untersuchung gewartet.

Ein Fahrradfahrer mit einer Atemschutzmaske fährt an einem leblosen Mann vorbei.
Ein Fahrradfahrer mit einer Atemschutzmaske fährt an einem leblosen Mann vorbei.Foto: AFP/Hector RETAMAL/Leo RAMIREZ/Sebastien RICCI

Bei tausenden Menschen wurde die Infektion inzwischen bestätigt, mindestens 213 Menschen sind daran gestorben - die meisten von ihnen in Wuhan. Es wird vermutet, dass der Erreger der Lungenkrankheit auf einem Markt in Wuhan von einem Wildtier auf den Menschen übergegangen ist.

Um eine weitere Verbreitung zu verhindern, steht Wuhan unter Quarantäne. Die Ausfallstraßen sind gesperrt, alle Flüge gestrichen. Auch innerhalb der riesigen Stadt ist der Verkehr weitgehend zum Erliegen gekommen.

Sanitäter in weißen Schutzanzügen kümmern sich um den toten Mann.
Sanitäter in weißen Schutzanzügen kümmern sich um den toten Mann.Foto: AFP/Hector RETAMAL/Leo RAMIREZ/Sebastien RICCI

Einzig Krankenwagen fahren durch die Straße, in der der Tote liegt. Mindestens 15 sind es in den gut zwei Stunden, in denen der AFP-Journalist die Szene beobachtet. Sie fahren an dem Mann vorbei, unterwegs zu anderen Einsätzen.

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Am Ende hält ein weißer Wagen mit abgedunkelten Scheiben. Der Tote wird in einen gelben Leichensack gehüllt und auf einer Bahre ins Auto gebracht. Sofort desinfizieren Einsatzkräfte die Stelle, an der der Mann gelegen hatte. Ob er tatsächlich an dem Coronavirus gestorben ist, ist weder von der Polizei noch von den Gesundheitsbehörden zu erfahren. (AFP)