Ansehen von Berufen : Ist der Respekt erst ruiniert...

Besonders Berufe, die Dienst am Gemeinwesen sind, verlieren einer Umfrage zufolge an Ansehen - und es wächst stattdessen ein schlimmes Gefühl. Ein Kommentar.

Polizisten sind da, um zu schützen und zu sichern. Aber der Respekt vor ihnen sinkt.
Polizisten sind da, um zu schützen und zu sichern. Aber der Respekt vor ihnen sinkt.Foto: dpa

Die terminliche Nähe ist zufällig, aber vielsagend: Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Mittwoch im Schloss Bellevue Ehrenamtliche als „Menschen, die sich engagieren, die anpacken, Menschen, die anderen helfen“ hochleben ließ und dieser Donnerstag der Internationale Tag des Ehrenamts ist, schafft es eine Umfrage in die Medien, nach der das Ansehen von Polizisten, Ärzten, Lehrern, Pfarrern, Soldaten und Politikern weiter, teils deutlich gesunken ist. Berufe, zu deren Kern eben dieses „Anderen Helfen“ und Anpacken gehört. Wird die dienstleistende Arbeit am Gemeinwesen nur dann noch anerkannt, wenn sie als freiwilliges Extra daherkommt?

Die Umfrage unter 1007 Wahlberechtigten, erstellt im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung, gibt darauf keine Antwort. Muss sie auch nicht. Sie ist keine Studie, sondern eine empirische Momentaufnahme. Es wäre gleichwohl interessant, das zu erfahren. Der Hashtag, unter dem die Umfrage im Internet verbreitet wird, lautet #respekt. Aber ganz so einfach ist es wohl nicht.

Pöbelhaft und aggressiv

Während man beispielsweise in Erinnerung an Attacken auf Polizisten und Feuerwehrleute im Einsatz unbedingt beklagen sollte, dass der Respekt für Uniformierte zurückgeht, kann man beim Berufsbild Ärzte an die frühere Anbetung der „Götter in Weiß“ denken und den Wandel begrüßen. Er führte mit dazu, dass heute die sogenannte „Zweitmeinung“ eines anderen Arztes Kassenleistung ist. Und was wäre schlecht daran, wenn jede und jeder von jedem Politiker Erklärungen verlangt, wenn Polizisten gefragt werden, warum sie Zweite-Reihe-Parker nicht aufschreiben, wenn Lehrer ihre Benotungen begründen sollen?

Insgesamt herrscht – sicher auch befördert durch das anonyme Niedermachen von fast allem im Internet – der Eindruck vor, dass die Entwicklung negativ ist. Und das liegt an der Art und Weise, in der sinkendem Respekt Ausdruck verliehen wird: nämlich in pöbelhafter und außerhalb des Internets sogar körperlich aggressiver Weise, die nur den Starken, Lauten, den Schlägertypen noch Platz lässt.

Ein schlimmes Gefühl

Uniform- und Robenträger und immer wieder auch Politiker werden als Repräsentanten des Staates zum Prellbock für angestauten Ärger. Auch Journalisten haben an Ansehen verloren, sie stehen in der Umfrage ganz unten, und auch sie meldeten zuletzt Fälle, die sie als physisch bedrohlich empfanden.

Aus all diesen Szenen erwächst das schlimme Gefühl, einer Gesellschaft dabei zuzuschauen, wie sie sich aus der sie konstituierenden Zivilisiertheit verabschiedet. Denn grundsätzlich gilt: Das Gemeinwesen sind wir alle, und jede Attacke, jede Aggression (be-)trifft darum auch alle. Und wer will schon in einem Land leben, in dem nur noch herumgepöbelt wird?