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Lange Berlins einzige Sterneköchin: Sonja Frühsammer.
© Sven Darmer

Eine Institution schließt: Berlins wohl beste Köchin gibt auf

Sonja Frühsammer und ihr Mann Peter werden den Vertrag für das Restaurant beim Tennisclub Grunewald nicht über Dezember 2022 hinaus verlängern.

„Frühsammers Restaurant“, seit Jahren mit einem Michelin-Stern dekoriert, ist damit nur noch ein gutes halbes Jahr zu erleben, ebenso das Bistro „Grundschlag“.

Zu den Gründen dieser Entscheidung gab Peter Frühsammer gleich mehrere Antworten, die sich überwiegend mit den Klagen der gesamten Branche decken: Die Corona-Zeit habe an der finanziellen Substanz gezehrt, gutes Personal sei praktisch nicht mehr zu finden, die bürokratische Belastung werde immer größer, und die Kosten machten einen wirtschaftlichen Betrieb immer schwerer.

Und, neu: „Seit dem Ukraine-Krieg sind uns wieder viele Veranstaltungen weggebrochen“. Gegenwärtig müsste er seine Frau, die mit nur drei Köchen arbeite, zu hundert Prozent unterstützen, das sei aber angesichts seiner Tätigkeit in einer Belziger Klinik kaum noch möglich.

Ein Abschied, der schwerfällt

Zum endgültigen Abschied „werde ich weinen“, sagt Frühsammer, „aber wenn ich am Schreibtisch sitze und die Probleme sehe, bin ich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben“.

Peter Frühsammer, selbst ehemaliger Sternekoch, übernimmt im gemeinsamen Restaurant den Service. In Beelitz haben die Frühsammers einen Hof.
Peter Frühsammer, selbst ehemaliger Sternekoch, übernimmt im gemeinsamen Restaurant den Service. In Beelitz haben die Frühsammers einen Hof.
© Kai-Uwe Heinrich

Ob es noch einmal ein Frühsammer-Restaurant geben wird? Eher nicht, sagt Frühsammer, „vielleicht später was Kleines, was ich mit meiner Frau allein betreiben kann“.

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Vorerst liege sein Schwerpunkt aber in der Arbeit als Klinik-Küchenchef, die noch längst nicht erledigt sei; zusätzlich will er im nächsten Jahr auch ein Krankenhaus im württembergischen Crailsheim beraten, „vielleicht kann mir meine Frau da in Bad Belzig den Rücken freihalten“.

Wie geht's weiter am Flinsberger Platz?

Alles bleibt offen – auch das schöne Restaurant in der 20-er-Jahre-Villa am Flinsberger Platz in Schmargendorf. Man wolle den gastronomischen Betrieb unbedingt fortsetzen, sagt Clubvorstand Werner Zedler, wenn auch nicht zwingend auf Sterne-Niveau, und man suche einen Nachfolger.

Das größte Problem besteht sicher darin, nicht nur die Abendgäste zu bekochen, sondern auch die Tennisspieler mit gutem und günstigem Essen zu versorgen.

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