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Dauercamper. Ein Park in Wedding, ein Zelt unter einer Tanne. Das ist seit mehr als einem Jahr Christoph Gregers Zuhause.

© Doris Spiekermann-Klaas

Obdachlos trotz Pension: Der Beamte, der im Wald lebt

Christoph Greger ist Beamter, hat Familie, Geld. Dann verliert er seine Wohnung. Seitdem lebt der Berliner in einem Zelt im Park. Einer von 300000 Obdachlosen in Deutschland. Aber Greger ist anders.

Von Julia Prosinger

Minus 16 Grad hat er schon mitgemacht auf der Straße. Ausgeraubt wurde er. Unter seiner Isomatte lebt eine Ratte. Was Christoph Greger aber zu schaffen macht, ist, dass er die Champions League verpasst hat. Die WM. Den Sportjahresrückblick. Und jetzt, wenn das hier so weitergeht, verpasst er auch das nächste Champions-League-Finale.

Christoph Greger braucht einen Fernseher, er braucht eine Wohnung. Doch das ist nicht so einfach. Mehr als 4000 Obdachlose gibt es in Berlin, in Deutschland sind es geschätzt 300 000. Greger ist einer von ihnen, aber Greger ist anders.

Greger hat Geld. 1130 Euro bekommt er monatlich. Beamtenpension. So viel steht kaum einem Wohnungslosen zur Verfügung. Dies ist die Geschichte einer Ausnahme.

Am Telefon hat Greger von einem Bekannten erzählt, der erst arbeits- und dann wohnungslos geworden ist. Der Bekannte ist er. „Ich will Ihnen die Sache gleich mal zeigen“, sagt er. Er klingt dabei wie ein Bürger, der sich über marode Radwege beschwert.

Feuchttücher statt Dusche

„Die Sache“ ist sein Zuhause: ein Park in Wedding, ein Zelt unter einer Tanne, durchs Herbstlaub tollt ein dicker Mischlingshund.

„Sind Sie auf meiner Seite?“, fragt Greger, schlank und groß, die runde Brille blank geputzt, den roten Bart gestutzt, bevor es überhaupt um Seiten geht.

Früher, Greger lacht jetzt – strahlend weiße Zähne – habe er gedacht, er überlebe es nicht, ein Halbfinale zu verpassen. Inzwischen hat er mehr überlebt.

Er dreht einen Farbeimer um, Sitzgelegenheit. Wischt die Erdbrocken zu Boden. „Ich habe Feuchttücher für mich entdeckt.“ Statt Dusche. Es sind jetzt bald drei Jahre, dass Christoph Greger, 49, zurück in die Gesellschaft will. So nennt er es an seinen redseligen Tagen. An anderen will er einfach nur eine Bude. Er hat schon viele Anläufe unternommen. Nichts in Aussicht. Woran scheitert er?

„Kennen Sie den Steppenwolf?“, fragt Greger, Jogginghose, Crocs an den Füßen. Schon während seiner Ausbildung zum Justizverwaltungsbeamten habe er als Einziger aus der Klasse in einem Bilderrätsel eine hässliche Hexe erkannt – alle anderen sahen eine schöne junge Frau. Greger ist anders.

"Die wollen mich verarschen"

Dauercamper. Ein Park in Wedding, ein Zelt unter einer Tanne. Das ist seit mehr als einem Jahr Christoph Gregers Zuhause.
Dauercamper. Ein Park in Wedding, ein Zelt unter einer Tanne. Das ist seit mehr als einem Jahr Christoph Gregers Zuhause.

© Doris Spiekermann-Klaas

Lange hat Greger dieses Anderssein als etwas Gutes begriffen. Bis er am 21. März 2012, der Beamte Greger ist gut mit Zahlen, wegen Mietrückständen aus seiner Moabiter Wohnung fliegt und kein Kumpel ihn auffängt. „Meine Eltern hatten auch keine Freunde. Ich war wohl immer zu hochnäsig.“ Jetzt zahle er den Preis. Der eine habe ihm nicht gefallen, weil er CDU wählte, der andere, weil er SPD wählte. Auch Frauen waren Christoph Greger schnell zu viel. Einmal war er verheiratet, das erdrückte ihn fast.

Als seine Wohnung geräumt wird, ist Christoph Greger bereits weg, lagert seine Möbel ein, Einzelteile einer Couch, die große DVD-Sammlung, und zieht mit einem Zelt nach draußen. Er wollte immer mal campen gehen. Der Mut habe ihm gefehlt. „Ich bin nicht sehr lebenserfahren.“

Christoph Greger ist anders. Er hat Familie. Die überwiegende Mehrheit der Obdachlosen hat niemanden mehr, an den sie sich wenden kann. In Gregers Handy jedoch stehen 15 Nummern. Darunter die seiner Schwester. Zu ihr, ins Ruhrgebiet, zieht Greger im ersten Winter, nachdem ihm keiner eine Wohnung geben will. Negativer Schufa-Eintrag, einen kläffenden Hund an der Seite, steigende Berliner Mieten. Die eigene Schwester wirft ihn schließlich nach vielen Streits raus. Wohn’ doch in einem VW-Bus, schlägt sie ihrem Bruder vor. Aber Greger will eine Wohnung.

Das Jobcenter würde die Grundsicherung übernehmen

Seitdem ist Greger auf der Suche. Ein paar Mal hat er sich auf das Bezirksamt Wedding getraut. Hatte gehofft, mit der Sachbearbeiterin von Beamtem zu Beamtin sprechen zu können. Die entscheidet, welche Unterkunft sie einem Wohnungslosen, der sich in ihrem Bezirk meldet, nach Artikel 67 Sozialgesetzbuch XII anbieten kann. Aus Gregers Sicht machte sie nur Dienst nach Vorschrift. „Die wollen mich verarschen“, sagt er. 820 Euro Eigenbeteiligung soll er für ein Hostelzimmer von etwa 15 Quadratmetern zahlen. Wucher, pampt er. „Ich würde das für den Übergang machen, wenn mir jemand garantiert, dass ich danach eine Wohnung finde.“ Greger geht auf Nummer sicher.

Die Summe berechnet sich nach Gregers Einkommen. Das Jobcenter würde den Betrag, den er nach Zahlung dieser Miete zum Leben hat, auf 399 Euro Grundleistung aufstocken. Es würde die Krankenversicherung übernehmen, vielleicht auch ein Darlehen für Erstausstattung einer Wohnung. Greger will davon nichts wissen.

An manchen Tagen ärgert er sich über seine üppige Pension. Auch wenn sie ihm auf der Straße einiges ermöglicht. Greger muss nicht betteln, er sammelt keine Flaschen, isst nicht bei der Bahnhofsmission zu Mittag, wühlt nicht bei der Caritas nach einem neuen Hemd.

Greger, der Beamte, kramt jetzt im Herbst seine Quittungen aus den letzten Monaten hervor. Er hat sie in Briefumschlägen sortiert, damit er den Überblick bewahrt, sammelt sie in seinem Zelt.

"Ein Mann weint nicht", sagte sein Vater

Dauercamper. Ein Park in Wedding, ein Zelt unter einer Tanne. Das ist seit mehr als einem Jahr Christoph Gregers Zuhause.
Dauercamper. Ein Park in Wedding, ein Zelt unter einer Tanne. Das ist seit mehr als einem Jahr Christoph Gregers Zuhause.

© Doris Spiekermann-Klaas

1130 Euro monatlich legt er so an: 300 Euro versucht er zu sparen, für Kaution und eine Waschmaschine. Für den Tag X. Den Tag, an dem er eine Wohnung haben wird. 3000 Euro hat er schon. Den Rest gibt er aus. Für die Krankenversicherung zum Beispiel. „Ich habe auf das Lebenswichtige reduziert.“ Schokodrink, 89 Cent. Kümmelbrötchen, 40 Cent. Gurkensalat. Schokodrink, Hundefutter, Schokodrink, Feuerzeug, Schokodrink, Handykarte, Schokodrink, Herrenoberteil von Kik, Schokodrink, Batterien fürs Radio, Schokodrink, Gewerbeplane aus dem Bauhaus. 5er-Karte Freiluftkino Rehberge. Ein Stück Gesellschaft. Imprägnierspray fürs Zelt. Schokodrink. Von warmen Getränken muss Greger öfter pinkeln. Kakao macht satt. Ohnehin hat er seit dem Tod seiner Mutter die Lust am Essen verloren.

Die Mutter und er, das sei eine ganz besondere Verbindung gewesen. Ganz anders als der Vater, der sich Adolfs Soldat nannte. In ihrem Bett habe er schlafen dürfen. Als sie an Krebs starb, erzählt Gregers Schwester, habe er, damals 17, mit der Eigenbrötlerei begonnen. Er musste die Klasse wiederholen. Verpasste sogar die Beerdigung. Ein Mann weint nicht, sagte Gregers Vater.

Greger geht in Berufung, eine Rechtsschutzversicherung hat er

November 2014, Greger hat die Jeans angezogen. Er hat die Lederschuhe aus dem Container geholt. Großer Auftritt, Termin im Verwaltungsgericht, Paulstraße. Christoph Greger will zurück in den Staatsdienst. Sein Anwalt, einer der 15 Kontakte im Handy, hat einen Antrag auf Reaktivierung des frühpensionierten Beamten gestellt. Er argumentiert, dass die Berliner Verwaltung Greger mit ihren Briefen glauben ließ, die Frist zur Reaktivierung sei länger als zehn Jahre.

Warum Greger 1999 suspendiert und 2001 frühpensioniert wurde, ist nicht leicht nachzuvollziehen. Greger sagt, er habe einem Insassen im Moabiter Gefängnis helfen wollen und sei von einem anderen Insassen, einem Mafioso, verpetzt worden. „Ich entscheide mich mit traumwandlerischer Sicherheit fürs Falsche.“

Weil es sich um ein laufendes Verfahren und um eine Personalangelegenheit handelt, will die Berliner Justizverwaltung dazu keine Stellung nehmen.

Vor diesem Morgen im Verwaltungsgericht hatte Christoph Greger Angst. Da sitzen seine alten Kollegen, hat er sich vorgestellt, und lachen ihn aus, wenn herauskommt, dass er keinen festen Wohnort hat. Aber niemand ist da.

Das Gericht entscheidet gegen ihn. Greger verlässt den Raum mit drei großen Schritten. An seinem Hals pochen die Adern. Greger wird in Berufung gehen. Eine Rechtschutzversicherung hat er ja.

Weihnachtszeit mag er nicht. Seine Mutter starb am 1. Advent

Dauercamper. Ein Park in Wedding, ein Zelt unter einer Tanne. Das ist seit mehr als einem Jahr Christoph Gregers Zuhause.
Dauercamper. Ein Park in Wedding, ein Zelt unter einer Tanne. Das ist seit mehr als einem Jahr Christoph Gregers Zuhause.

© Doris Spiekermann-Klaas

Er stürmt jetzt Richtung Hansaplatz, da passt sein Kumpel Matze auf Lotos, den Hund, auf. Greger kennt die anderen nicht, mit denen Matze hier manchmal trinkt. Greger trinkt nicht. „Habe ich hinter mir“, sagt er. Halbe Whiskypullen habe er seinem Körper zugemutet. Kurz nach der Suspendierung war das, als er die Briefe nicht mehr öffnete. Das Haus nicht mehr verließ. Nur noch fernsah. „Die WM kommt ja nur alle vier Jahre.“ 139 Folgen „MacGyver“ hatte er auch irgendwann durch. Einmal prügelte er sich mit seinem Nachbarn. Strafanzeige wegen Körperverletzung. Und dann kam die Räumungsklage, weil er den Forderungen aus den Briefen des Vermieters nicht nachgekommen war.

Auf seiner Suche nach Anschluss wollte er sich bei der Kirche melden. Er hatte gehört, dass sie den Flüchtlingen Unterschlupf bietet. Da müsste sie doch ihm, dem Staatsbediensteten, erst recht helfen. Einen Brief an Erzbischof Wölki hat er damals nie abgeschickt.

Der Winter kommt. „Schnee ist besser als Regen“, sagt Greger. Im vergangenen Jahr ist er in eine Notunterkunft gezogen. Ein sogenanntes Übergangshaus. „Bei Minusgraden schmissen die mich wieder raus.“ Nicht vermittelbar. Diesmal will er lieber draußen überwintern.

Gegen die Langeweile spielt Greger im Zelt auf dem Handy. Davon geht der Akku schnell leer. In dem Depot, wo Gregers Möbel lagern, befindet sich auch eine Steckdose. Für jedes Aufladen läuft Greger ein paar Kilometer. Andere Räume will er jetzt nicht mehr betreten. Er findet, dass er zu sehr riecht. „Bei einer Wohnungsbesichtigung kann ich so nicht auftauchen.“

Wenige Tage vor Weihnachten kommt Matze, der Alkoholiker, und schmückt den Strauch vor Gregers Zelt mit Kugeln. Daneben verschimmeln ein paar Unterhosen. Die Wanderratte hat inzwischen tiefe Gräben unter Gregers Isomatte gebaut. Vielleicht locken sie die offenen Dosen mit Lotos’ Hundefutter an. Greger hält nicht viel von dieser Jahreszeit. Seine Mutter ist am ersten Advent gestorben. Eine Uhr habe sie vor ihrem Tod als Weihnachtsgeschenk eingepackt. „Ich glaube, sie wollte mir zeigen, dass ich meine Zeit nutzen soll. Ich habe es zu spät kapiert. So stellt sich keiner sein Leben vor.“

In der Bibliothek kann er keine Bücher mehr ausleihen

Greger kniet auf der kalten Erde, vor ihm ein paar Messer und Gabeln in den Boden gerammt, Besteckschublade, und erhitzt Wasser über einem Bunsenbrenner. Das Wasser holt er vom Friedhof gegenüber, der Topf ist neu. „Wie geht das jetzt mit dem Teebeutel?“ Vielleicht, sagt er, lerne er hier draußen das erste Mal, was es heißt, selbstständig zu sein. Nach dem Tod seiner Mutter habe ihm der Vater jeden Handgriff abgenommen. Dann, in die Stille: „Ich bin nachgereift.“

Vor ein paar Wochen wollte Greger bei einer Bibliothek in Wedding einen Ausweis beantragen. Er liest gern, über den Amerikanischen Bürgerkrieg. Große Männer faszinieren ihn. Er sei wohnungslos, sagte er gleich zu Beginn. Dann könne sie ihm keinen Ausweis ausstellen, antwortete die Bibliothekarin.

Immer wieder kommt wer, der Greger helfen will. Da ist zum Beispiel Ines. Sie konnte nicht wegschauen. Dann, sagt sie, hat sie zu lange hingeschaut. „Hätte ich nur einem anderen geholfen.“ Dem Mann mit dem lieben Blick und dem Schäferhund vor dem Rewe zum Beispiel. Nicht Christoph Greger, der auf dem Amt die Sachbearbeiterin anbrüllt. Ines hat alle Freundinnen gefragt, hat die Wohnungsgenossenschaften für eine freie Bude abgeklappert, fast hätte sie für Greger gebürgt. Sie hat ihm ihre Badewanne und eine Waschmaschine angeboten. „Kannst ja meine Wäsche abholen“, soll er ihr geantwortet haben. Einen Platz für Greger in einer Wagenburg hatte sie auch klargemacht. „Nicht mein Kiez“, hat er entgegnet. Ines kamen nachts die Tränen.

Die Schwester hat den Kontakt abgebrochen

Dauercamper. Ein Park in Wedding, ein Zelt unter einer Tanne. Das ist seit mehr als einem Jahr Christoph Gregers Zuhause.
Dauercamper. Ein Park in Wedding, ein Zelt unter einer Tanne. Das ist seit mehr als einem Jahr Christoph Gregers Zuhause.

© Doris Spiekermann-Klaas

„Einem Typen, der seine Brille ordentlich putzt und nichts trinkt, dem kann man doch noch helfen. Er bräuchte nur einen Vermieter, dem der Schufa-Eintrag egal ist.“ Greger ist in den letzten Tagen ein paar Mal an einem Aushang vorbeigelaufen – eine Wohnungsgenossenschaft sucht Mieter für eine Einzimmerwohnung in Moabit. Anruf bei der Genossenschaft. „Was ist, wenn der Mietinteressent nicht alle Unterlagen beisammenhat?“ Neben dem Schufa-Bescheid fehlen Greger seine aktuellen Einkommensbescheide. Seine Sparkassenkarte ist abgelaufen. Greger beantragt eine neue. Wohnort? Wohnungslos! „Wir können Ihnen leider keine neue Karte ausstellen.“ Seitdem bekommt Greger keine Kontoauszüge mehr. „Wir melden uns“, sagt die Wohnungsgenossenschaft und ein paar Tage später, dass sie bei dem angespannten Berliner Mietmarkt momentan nur noch an Mitglieder vermiete.

Greger läuft durch die Straßen, seine Augen suchen leer stehende Wohnungen. Manchmal ballt er die Hand zur Faust und beißt hinein. Er besucht eine Sozialeinrichtung für Obdachlose. Und noch eine. Die erklären ihm wieder die Summe der Bezirksamtsmitarbeiterin. Gut 800 Euro, für ein Einzelzimmer, wegen des Hundes. Wucher. Nicht mit ihm.

Gregers Nägel sind schwärzer als vor ein paar Monaten. Er kratzt sich jetzt häufig am Kopf. Mager ist er geworden. Die Frau von der Sparkasse mag seinen Ausweis nicht mehr anfassen. Mit seiner Schwester hat er keinen Kontakt. „Ich bin selbst erschrocken über mich“, sagt sie. Aber er, so anders als andere, würde sonst ihr Leben mitzerstören.

Nur eine Frage der Zeit, bis ihn ein Virus erwischt

Greger hat Sorge, dass die Menschen von seinem Hund auf ihn schließen. Lotos hat im Kaufland und im Kik Kunden angesprungen, Hausverbot. Den Hund für eine Weile weggeben? „Ich bringe es nicht übers Herz.“

Der Ischias tut ihm weh, die Bandscheiben, die rechte Schulter. Kann der Waldboden sein. Oder das Alter. In ein paar Tagen wird Christoph Greger 50.

Wie geht es Ihnen heute? „Mir scheint die Sonne aus dem Arsch.“ Inzwischen, sagt Greger, wünsche er sich einen Sozialarbeiter, der nur für ihn da sei. „Die Flüchtlinge bekommen schließlich auch jemanden, der mit ihnen auf die Ämter geht.“ Greger stößt das Kinn in die Luft, schiebt die Lippen nach vorn. Oder gleich einen Milliardär, der ihn adoptiert.

„Stiller Suizid“, nennt einer der Sozialarbeiter, die Greger aufgesucht hat, sein Verhalten. Nur eine Frage der Zeit, bis ihn ein Virus erwischt. Oder doch der Alkohol. Ist er deshalb auf der Straße oder hat ihn die Straße so gemacht?

In den Personalakten zum Prozess sind Gutachten zu finden. Da ist von „Erkrankungen aus dem psychiatrischen Formenkreis“ die Rede. Greger sagt, er sei ein paar Jahre in psychologischer Behandlung gewesen. Und, nachdem er ein Auto zu Schrott gefahren habe, auch in einer Klinik. Manisch-depressiv und narzisstisch sind Schlagworte der Ärzte, an die er sich erinnert. Wenn er davon erzählt, zucken seine Mundwinkel.

Vor Gregers Zelt blühen jetzt Blumen. „Umso wärmer, umso schlimmer“, sagt Greger. Da kommen die Ausflügler und Biertrinker, da hat er keine Ruhe mehr.

Als kleiner Junge wollte Christoph Greger Förster werden. Allein mit einem Hund im Wald, so hat er sich das vorgestellt.

Dieser Text erschien auf der Dritten Seite im gedruckten Tagesspiegel

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