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Ein aus Weide geflochtenes Kleid von Dolce&Gabbana, gezeigt 2012 auf der Modenschau für Frühjahr 2013.
© Monica Feudi

Designausstellung: Flechten: Der Hände Arbeit

Flechten ist ein echtes Kulturgut. Das kann man sich jetzt im Museum Europäischer Kulturen anschauen.

Von Grit Thönnissen

Aus einer Wand ragen lange Schaumstoffröhren in den Raum wie Tentakel. Einige sind zu überdimensionierten Zöpfen geflochten. Doch dies ist keine Kunstinstallation, im Museum Europäischer Kulturen werden die Besucher zum Mitmachen aufgefordert. „Aber bitte Schuhe ausziehen“, ruft eine Museumsmitarbeiterin, wenn man sich den Schläuchen nähert.

Diese Ausstellung zum Thema Flechten ist nicht nur mit Exponaten bestückt, sondern auch mit mehreren Stationen, an denen man selbst ausprobieren kann, wie sich eine Glaskaraffe mit Streifen aus Zeitungspapier umwickeln lässt oder verschiedene Materialien miteinander verbinden. Das macht schon deshalb Sinn, weil das Flechten hier als Kulturgut vorgestellt wird, das vor allem durch Weitergabe von Wissen überleben kann.

Der Rucksack Tarzan von Rosa Gies ist ganz aktuell.
Der Rucksack Tarzan von Rosa Gies ist ganz aktuell.
© Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / Christian Krug

Von der Umhüllung einer Vase aus der Spätzeit des alten Ägyptens bis zu einem Kleid aus Weide, das das Designerduo Dolce & Gabbana 2012 auf einer Modenschau als Referenz an altes sizilianisches Kunsthandwerk zeigte – die Objekte verbindet vor allem, dass sie alle mit der Hand gemacht wurden.

Aus Rohrkolben, die am Rand von flachen Gewässern wachsen, Gräsern, Birkenwurzel und -rinde werden seit vielen Jahrhunderten vor allem Transportmittel gearbeitet. Es gibt Körbe für Kartoffeln, Wein, Tauben, zum Steineauflesen auf dem Feld und um darin die geangelten Fische zu transportieren.

Blick in die Ausstellung auf die Schnüre, die zum Flechten bereit liegen.
Blick in die Ausstellung auf die Schnüre, die zum Flechten bereit liegen.
© Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / David von Becker

Aber auch Bekleidung, Schuhe und Accessoires aus Flechtwerk haben eine lange Tradition. Das kann man sich in einem kleinen, runden Raum anschauen. Dort stehen einfache Schuhe aus Birkenrinde, die bis ins frühe 20. Jahrhundert in Nordeuropa getragen wurden, weil sie sich nicht mit Wasser vollsaugen. Aber schon der in Südtirol gefundene Ötzi trug Schuhe aus Bast. Die Pumps aus geflochtenem Leder der schweizerischen Marke Bally sehen dagegen aus wie gerade noch getragen.

Überhaupt gibt es in der Ausstellung auch einige sehr moderne Stücke zu entdecken wie den Rucksack „Tarzan“ von der Designerin Rosa Gies aus breitem Birkenspan, der sich wie ein Gitter über einen Beutel aus fester Baumwolle legt. Auch die Tragetasche mit Lederapplikationen könnte Teil einer aktuellen Kollektion sein. Sie wurde aber schon vor mehr als 100 Jahren hergestellt. Daran kann man sehen, wie aktuell geflochtenes Kunsthandwerk immer noch ist.

All Hands on: Flechten, Museum Europäischer Kulturen, Arnimallee 25, Dahlem. Bis auf Weiteres.

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