Update

Alleingelassen nach rechten Morddrohungen? : Journalist macht Bayerischem Rundfunk schwere Vorwürfe

Geben öffentlich-rechtliche Sender freien Mitarbeitern zu wenig Rückendeckung? Reporter Richard Gutjahr heizt die Debatte an. Der BR weist die Kritik zurück.

Vom BR enttäuscht: Der Journalist Richard Gutjahr.
Vom BR enttäuscht: Der Journalist Richard Gutjahr.Foto: picture alliance / Stephan Janse

Nach der Diskussion um die "Umweltsau"-Satire in und um den WDR heizt nun Richard Gutjahr die Debatte um die Sicherheit der Mitarbeiter in öffentlich-rechtlichen Sendern an. In einem offenen Brief an BR-Intendant Ulrich Wilhelm kritisiert der Blogger und Reporter den Umgang mit freien Mitarbeitern scharf. Gutjahr verlässt die Anstalt nach 22 Jahren als fester freier Mitarbeiter.

Der BR habe Gutjahr und seine Familie mit dem "Hass und der Hetze" in Folge seiner ARD-Berichterstattung allein gelassen, so der Journalist. Gutjahr wirft Wilhelm vor, den Rundfunkrat mit Unwahrheiten getäuscht zu haben. Nachdem Gutjahrs Rechtsschutzversicherung ihm nach einem Jahr kündigte, habe der Journalist den BR um juristische Unterstützung gebeten, die ihm verwehrt worden sei.

Wörtlich heißt es in dem offenen Brief auf Gutjahrs Website: "Nach 22 Jahren ist heute mein letzter Tag als sog. ,fester freier' Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk. Dass die BR-Führungsspitze meine Familie und mich mit dem Hass und der Hetze in Folge meiner Berichterstattung für die ARD allein gelassen hat – geschenkt. Dass der Intendant und seine engsten Mitarbeiter später versucht haben, das Kontrollgremium des Bayerischen Rundfunks zu täuschen und hinter verschlossenen Türen immer wieder die Wahrheit zu verbiegen, kann ich so nicht stehen lassen."

Er mache sich angreifbar

Gutjahr sei sich bewusst, dass er mit dieser Veröffentlichung viel riskiere und er sich angreifbar mache. "Auf der anderen Seite: Wenn wir nicht endlich lernen, eine gemeinsame Stimme in Bezug auf Hass und Hetze gegen Journalisten und Politiker zu finden und weiterhin versuchen, eigene Versäumnisse unter den Teppich zu kehren, dürfen wir uns nicht wundern, dass unsere Gegner uns immer zwei Schritte voraus sind." Das sei kein Spiel mehr. "Womit wir es hier zu tun haben ist todernst."

Am Neujahrsnachmittag reagierte der BR. Die wiederkehrende öffentliche Kritik von Richard Gutjahr enthalte keine neuen Aspekte und sei im Kern nicht zutreffend. "Der BR weist insbesondere den Vorwurf der Lüge und Täuschung durch den Intendanten strikt zurück." 

Der Hass, der Richard Gutjahr seit drei Jahren im Netz entgegenschlägt, sei beschämend. "Die Verschwörungstheorien sind absurd, die Drohungen Herrn Gutjahr gegenüber erschütternd. Die Geschäftsleitung und der Vorsitzende des Rundfunkrats des BR haben sich in den letzten drei Jahren mehrfach und intensiv mit allen Facetten des Falles beschäftigt. Der Rundfunkrat hat ausführlich über den Fall beraten. Herr Gutjahr erhielt finanzielle Unterstützung auch im Hinblick auf ihm entstandene Prozesskosten." 

Der BR hatte laut Sendermittelung Gutjahr "eine Weiterbeschäftigung in einem interessanten, auf seinen Themenbereich zugeschnittenen Bereich angeboten". "Er wollte diese aber nicht annehmen. Daraufhin kam es bereits im März 2019 zu einem Aufhebungsvertrag in gegenseitigem Einvernehmen." Seitdem sei er nicht mehr für den BR tätig gewesen. 

"Die Entwicklungen im Netz, wie sie auch Richard Gutjahr beschreibt, haben dazu geführt, dass der BR zusammen mit dem Bayerischen Justizministerium, der BLM und vielen weiteren Medien eine Initiative gegen Hass im Netz gestartet hat. Mit dieser Kooperation können Hass-Angriffe gegen Journalisten in Bayern nun einfacher an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet und dort verfolgt werden."

Das letzte Wort scheint nicht gesprochen. Gutjahrs Brief an Wilhelm folgt auf eine Diskussion, die an den Weihnachtstagen startete - zur so genannte "Umweltsau"-Satire im WDR. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hatte die Verantwortlichen des Westdeutschen Rundfunks später aufgefordert, sich aktiv um den Schutz und die Sicherheit des freien Journalisten Danny Hollek zu bemühen. Der Journalist sei Opfer von Beleidigungen und Morddrohungen im Zusammenhang mit seinen Tweets zur „Umweltsau“-Satire.

Hollek arbeitet für die Social-Media-Redaktion des WDR und hatte auf Twitter im Zuge der Debatte um das Satire-Video des WDR geschrieben: "Lass mal über die Großeltern reden, von denen, die jetzt sich über #Umweltsau aufregen. Eure Oma war keine #Umweltsau. Stimmt. Sondern eine #Nazisau."