Dörti Dani bei 88,8 : Berlin, deine Radiomacher

Dörti Dani ist zurück in der Hauptstadt, RadioEins-Kultstimme Tom Böttcher ist hier seit den 90ern on air – was bewegt Berlins bekannte Radiomoderatoren?

Einmal RBB, immer RBB. Die Radiomoderatoren Dörti Dani, 46.
Einmal RBB, immer RBB. Die Radiomoderatoren Dörti Dani, 46.Foto: rbb/Heiner Knapp

Eine altbekannte Stimme in Berlin ist wieder da: Daniela Döring-Steinitz, besser bekannt als Dörti Dani. Ausgerechnet bei rbb88,8 moderiert die frühere Kiss FM-Frau die neue wöchentliche Sendung „It's my life – Die 90er Show“. Ende der 90er war Döring-Steinitz in der aufgedrehten Morningshow des Privatsenders mit dem bezeichnenden Titel „Knallwach“ zu hören und machte sich als Dörti Dani einen Namen.

Über 20 Jahre ist Döring-Steinitz im Radiogeschäft. 2003 verließ sie nicht nur Kiss FM, sondern auch Berlin. Wie andere Radiomoderatoren auch wechselte sie mehrfach Sender und Bundesland, ging zu 89,0 RTL nach Halle, folgte einem guten Angebot nach Hessen und blieb. Für die „90er Show“ hat der RBB die 46-Jährige vom Sender Planet Radio ausgeliehen.

„Das Aufzeichnen der Show mir total Spaß gemacht“, sagt sie. „Bei der Vorbereitung auf die Sendung fielen mir Geschichten ein, die ich in den 90ern mit Künstlern und im Radio erlebt habe, die ich völlig vergessen hatte.“ Das Aufzeichnen sei üblich, Nachrichten, Wetter und Verkehr sind aber live. Als 88,8 die erste „90er-Show“ Anfang März sendete, stand Döring-Steinitz schon wieder bei Planet Radio hinterm Mikro, hörte ihre neue Sendung in den Pausen. Im Mai übernimmt erst Ex-Viva-Moderator Mola Adebisi die Show, dann DJ Mousse T. Im Juni kommt Jasmin Wagner.

Ein kleines Comeback

Für Radiofrau Döring-Steinitz ist es eine Premiere beim öffentlich-rechtlichen Radio und ein kleines Comeback: „Als ich 2005 aus Halle wegging, wollte ich eigentlich nach Berlin zurück“, sagt sie. „Aber ich hatte den Kiss FM-Stempel auf der Stirn. Dörti Dani ist nicht Energy oder Fritz – da hatte ich kaum Chancen.“ Heute sei das „verjährt“: „Die Leute, die damals 20 Jahre alt waren, sind heute 40, das passt wieder.“

Auf Facebook fielen die ersten Reaktionen auf die Ankündigung der „90er-Show“ gemischt aus: Klagen über die Neuausrichtung des Senders, Freude über Jugenderinnerungen. Döring-Steinitz kennt die Kommentare: „Die Hörer, die rbb88,8 vor dem Neustart hatte, waren teilweise über 60. Plötzlich kommt die Krawallnudel aus den 90ern, die sie damals schon anstrengend fanden, als ihre Kinder sie im Radio gehört haben. Aber wenn man die Hörerklientel wechseln will, dann ist das richtig so.“

Mit dem Claim „80er, 90er, 100 Prozent Berlin“ will rbb88,8 für die 40- bis 50-Jährigen attraktiver werden, den Fokus auf Musik und Hauptstadtkompetenz schärfen. In Berlin hat der Sender zuletzt gleichbleibend 56 000 Hörer in der Durchschnittsstunde.

Ein Weggang von Planet Radio steht für Döring-Steinitz nicht zur Debatte. Sie hat sich mit Mann und Sohn im hessischen Bad Vilbel niedergelassen. „Ich bin sehr glücklich bei Planet, und ich mache immer noch gerne Jugendradio. Ich glaube, ich bin die älteste Jugendradiomoderatorin Deutschlands", sagt sie. Ihr früherer Kiss FM-Kollege Marcus „Cäsar“ Kaiser moderiert heute bei BB Radio.

In Sachen Region und Zielgruppe stehen Planet Radio und 88,8 nicht in Konkurrenz. Regionale Senderwechsel seien in der Branche nicht üblich, überregionale eher, sagt Döring-Steinitz: „In Hessen gibt es mit FFH und HR nur zwei große Sender, die in relevanter Konkurrenz stehen. Da kann ich natürlich nicht zum Konkurrenten gehen. In Berlin ist das anders, da ist die Radiolandschaft viel größer.“

Gleichzeitig gibt es Kultstimmen, die seit eh und je in der Hauptstadt zu hören sind, wie 104,6-Urgestein Arno Müller oder Jochen Trus bei Spreeradio. Auch der RBB hat einige dieser Radio-Konstanten etabliert, die fest mit dem Sender verwachsen scheinen.

Einst Fritz, jetzt RadioEins

Zu ihnen gehört Morgenmann Tom Böttcher. Er stieg Anfang der 90er bei Radio4U ein, war wie etliche seiner RBB-Kollegen beim Jugendsender Fritz, der heute zur Digitalmarke umbaut wird. Seit 2004 moderiert der 51-Jährige gemeinsam mit Marco Seiffert den „Schönen Morgen“ auf Radioeins, ist außerdem Stadionsprecher bei Alba Berlin.

„RadioEins hat sich immer mit dem gedeckt, was ich persönlich an Radio toll finde“, sagt Böttcher. „Ich bin nicht zu anderen Radiosendern gegangen, weil der RBB mir die beste Arbeit bietet, die ich machen könnte.“ Über seine 25 Jahre bei ORB und RBB sei er „sehr dankbar und glücklich.“ Der Wechsel von Fritz zu RadioEins sei eine „individuelle Entscheidung“ gewesen: „Ich war Mitte 30 und hatte das Gefühl, dass ich die Fritz-Themen nicht mehr glaubhaft verkaufen konnte.“ Als eines der Gründungsmitglieder sei Fritz „sein Baby“ gewesen. „Aber für mich war der Wechsel ein logischer Prozess. Ich musste mich bei RadioEins nicht großartig vorstellen.“

Einmal RBB, immer RBB? „Für mich ist das schon so“, sagt Böttcher, der heute mit seiner Familie in Falkensee lebt. Das Team Böttcher/Seiffert ist seit 15 Jahren beim „Schönen Morgen“, das Partnerteam Stefan Rupp und Christoph Azone seit fast zwei Dekaden. Man schaffe Verlässlichkeit bei den Hörern mit festen Moderatoren am Morgen, sagt Böttcher. „Natürlich werden wir irgendwann abgesetzt. Aber RadioEins ist größer als die Personen, die es machen. Wenn ich geschätzt werde und das Gefühl weitertransportieren kann, dann bin ich ein Rädchen im großen Gefüge.“

In dem Gefüge hat der Sender gerade zwei Rädchen umgestellt: Julia Menger und Kerstin Hermes sind neu mit dabei, was der Show gut zu Gesicht steht. Dank der beiden neuen Moderatorinnen steht Böttcher nur noch im dreiwöchentlichen Rhythmus früh am Mikro. „Wenn ich selber merken würde, dass die Leidenschaft fürs Radio weg ist, dann würde ich das nicht mehr machen. Aber es ist mein Traumberuf.“