Doku über Audrey Hepburn : „Ich bin nie wirklich eine Schauspielerin geworden“

Zurückhaltend und bescheiden, zeitlos und Stilikone – eine neue Arte-Dokumentation zum 90. Geburtstag von Audrey Hepburn.

Audrey Hepburn
Audrey HepburnFoto: Arte

Sie wird in die kurze glückselige Zeit zwischen den beiden Weltkriegen hineingeboren. Am 4. Mai 1929 kommt im belgischen Ixelles Audrey Kathleen Ruston zur Welt, ihr Vater ist der englische Bankier Joseph Ruston, ihre Mutter die Niederländerin Ella Baroness van Heemstra. „Monkey puzzle“ nennt der Vater seine Tochter Audrey. Als Mr. Ruston 1935 den Heimatort verlässt und nach London geht, hat die Mutter ihn in flagranti erwischt, da wird die sechsjährige Audrey ihren Vater nur dreimal überhaupt wiedersehen, drei kurze Male, bei denen nicht viel geredet wird. Es entsteht ein Foto bei dem ersten dieser Treffen, Audrey versucht zu lächeln, ihr Vater sieht ausdruckslos in die Kamera. Dennoch wird sie ihn bis zu seinem Tod im Jahr 1980 finanziell unterstützen.

Das Foto sowie einige wenige Aufnahmen des Vaters sind in der neuen Dokumentation „Audrey Hepburn. Königin der Eleganz“ von Emmanuelle Franc zu sehen, die nun wenige Monate vor Hepburns 90. Geburtstag im Mai 2019 erstausgestrahlt wird. Emmanuelle Franc zeigt zahlreiche Ausschnitte aus Hepburns 28 Kino-Spielfilmen, vor allem aber Passagen aus alten Interviews mit der stets zeitlos wirkenden Schauspielerin und anmutigen Stilikone. Neu geführte Interviews fehlen. Offenbar wollte sich die Familie nicht einbringen.

Sie sei in ihrem Können limitiert, sie könne keinen Shakespeare deklamieren. Was sie versuche zu sagen, sei: „Ich bin nie wirklich eine Schauspielerin geworden.“ Das ist eine der zentralen Aussagen in den gezeigten Interviews, und es ist typisch Hepburn. Der Star aus Filmen wie „Ein Herz und eine Krone“, „Frühstück bei Tiffany“ oder „Charade“, der das kleine Schwarze salonfähig machte, übte sich nicht nur stets in Zurückhaltung und Bescheidenheit, sondern sah in sich nie die Schauspielerin, die jedoch die ganze Welt da draußen in ihr sah.

Arbeit für das Kinderhilfswerk Unicef

Die beiden Filme „Zwei auf gleichem Weg“ und „Warte, bis es dunkel ist“ sowie ihr Entstehungsjahr 1967/68 markieren letztlich eine große Zäsur im Leben Audrey Hepburns: so wird sie in den 1970er Jahren lediglich noch zwei Spielfilme drehen – „Robin und Marian“ (1976) an der Seite von Sean Connery und in Terence Youngs „Blutspur“ (1979) – und sich zunehmend aus dem Filmgeschäft ganz zurückziehen.

In den 1980ern folgen zwei weitere, völlig unbedeutende Produktionen sowie schließlich ihr letzter Leinwand-Auftritt 1989 in Steven Spielbergs „Always“. Sie spielt hier einen Engel, ist ganz in Weiß eingekleidet, und ist auch jetzt, im Alter, von einer sanften Anmut.
Längst hat sich die Hepburn, auch das wird in der Dokumentation thematisiert und in den teils schmerzlichen Bildern gezeigt, die damals von ihr aus Afrika um die Welt gingen, ganz ihrer Arbeit für das Kinderhilfswerk Unicef verschrieben, dessen Sonderbotschafterin sie 1988 wird.

Nicht ahnend, dass sie selbst schwer an Krebs erkrankt ist, reist sie in einem fort nach Äthiopien und in zahlreiche andere Länder des Kontinents, um sich vor Ort zu engagieren und die Fernsehbilder mit ihr überall zu verbreiten. Unermüdlich sammelt sie Spenden, unermüdlich besucht sie Wohltätigkeitsveranstaltungen.

Es ist, als wolle sie etwas gut machen, all die Hilfe, die sie selbst damals, in den frühen 1940er Jahren, von der Unicef als hungerndes Kind erfahren hat. Sichtlich angegriffen und erschüttert und von ihrer eigenen schweren Krankheit gezeichnet ruft sie auf Pressekonferenzen auf, etwas gegen das Elend in Afrika zu unternehmen. Die Bilder, in denen diese selbst so zerbrechliche, schmale Frau, die seit ihrer von Hunger geprägten Kriegs-Jugend immer wieder Essprobleme hatte, versucht, ausgehungerte afrikanische Kindern zu füttern, berühren sehr und sind kaum zu ertragen.

Audrey Hepburn stirbt am 20. Januar 1993 in ihrem Wohnhaus in der Schweiz am Genfer See. Dort ist sie auch begraben, dort steht inzwischen eine Büste mit ihrem Konterfei. „Diese Frau schafft es noch, den Busen ganz aus der Mode zu bringen“, wie Regisseur Billy Wilder einmal sagte – sie zählt zu den wenigen großen ikonischen Aktricen der Filmgeschichte. Was hätte sie selbst bei solch einer Feststellung wieder abgewunken und relativiert.

„Audrey Hepburn. Königin der Eleganz“, Sonntag, 16 Uhr 10 und 23 Uhr 45, Arte