"Framing-Manual" : Die ARD klingt wie eine Sekte

Um ihr Image zu verbessern, hat die ARD ein Handbuch in Auftrag gegeben. Worte werden geprägt, die nach George Orwell klingen. Eine Betrachtung.

Dürfen wir Schafe Schafe nennen oder fühlt sich die Ziege dann diskriminiert?
Dürfen wir Schafe Schafe nennen oder fühlt sich die Ziege dann diskriminiert?Foto: Johannes Simon/ddp

Die ARD hat bei der Linguistin Elisabeth Wehling ein Handbuch bestellt, zur Beantwortung der Frage, wie sie ihr Image verbessern kann. Das Handbuch kostete 120.000 Euro Gebührengeld und sollte geheim bleiben. Wehling rät den, so wörtlich, „Mitarbeitenden“ der ARD dazu, Privatsendende möglichst oft „medienkapitalistische Heuschrecken“ zu nennen. Tiervergleiche sind aus Anstandsgründen zu meiden, dachte ich immer. Die Heuschrecken, so das Handbuch, üben „Profitzensur“ aus. Dabei entstehen dann allerdings so tolle Serien wie „4 Blocks“, „Jerks“ oder „Modern Family“. Ich glaube, ich bin für Profitzensur.

Zahlungsunwillige sollen als "demokratiefern" bezeichnet werden

Statt einfach nur „ARD“ soll man besser „unser gemeinsamer, freier Rundfunk“ oder „unser gemeinsames Rundfunkkapital“ sagen, woraus die Zuschauenden aber keine finanziellen Ansprüche ableiten sollten. Von diesem Kapital darf man ja leider nichts abheben. Die Rundfunkgebühr sollte laut Handbuch in „Rundfunkbeteiligung“ umbenannt werden. Man soll stolz sein, sich beteiligen zu dürfen.

Für Zahlungsunwillige soll man „demokratiefern“ oder „illoyal“ verwenden. Wer bei uns etwas kritisch sieht, beweist dadurch mangelnde Demokratietauglichkeit und einen schäbigen Charakter, kapiert? Die wichtigste Passage geht so: „Die ARD ist von uns, mit uns und für uns geschaffen. Die ARD existiert einzig und allein für uns. Wir sind Ihr.“

Für mich klingt das nach dem Gründungsdokument einer neuen Sekte. Man könnte es alle zwei Stunden im Programm bringen, langsam gesungen von einer schönen Altstimme und begleitet von Streichern, nein: Streichenden. Dann schwenkt die Kamera zum Bild einer Heuschrecke mit dem Kopf der „Dschungelcamp“-Moderatorin Sonja Zietlow. Dies nur als Denkanstoß! Die Generalsekretärin der ARD sagt, das Handbuch enthalte „Denkanstöße“.

Wörter werden geprägt, andere ausradiert

Die Sprache ist inzwischen zum Schlachtfeld eines Kulturkampfs geworden, auch anderswo. Worte werden geprägt, die nach George Orwell klingen, zum Beispiel „wir sind ihr“, andere Wörter werden ausradiert. In Frankreich zum Beispiel darf in Schulformularen seit ein paar Tagen nicht mehr von „Vater“ und „Mutter“ die Rede sein, nur noch von „Elternteil 1 und 2“. Das kommt garantiert auch hier.

Gleichgeschlechtliche Elternteile sollen sich nicht ausgeschlossen fühlen. Das kann ich nachvollziehen. Aber warum nicht die salomonische Lösung „Mutter/Elternteil 1“?

Fühlen Ziegen sich diskriminiert?

Nun fühlen sich natürlich viele Väter und Mütter ausgeschlossen, sie sind wütend. Erst hieß es: „Wir wollen in der Sprache sichtbar sein.“ Dies geschieht mehr und mehr. Nun aber heißt es: „Ihr sollt unsichtbar werden“. Ist „Mutter“ ein diskriminierendes Wort? Diskriminiere ich die Ziegen, wenn ich ein Schaf ein Schaf nenne? Wie wäre stattdessen „Grasende“?

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