"Gottschalk liest?" im BR-Fernsehen : "Ich bin kein Literaturpapst, eher Literaturkaplan"

Proust statt Posts: Wie „Gottschalk liest?“ die Fernsehzuschauer für Literatur begeistern soll.

Sieht sich nicht als Literaturpapst, eher als Literaturkaplan. Von Ende März an stellt Thomas Gottschalk im BR-Fernsehen Bücher und deren Autoren vor.
Sieht sich nicht als Literaturpapst, eher als Literaturkaplan. Von Ende März an stellt Thomas Gottschalk im BR-Fernsehen Bücher...Foto: Sven Hoppe/dpa

In brauner Lederhose und mit Stiefeln sieht er nicht aus wie ein Literaturkritiker, sondern wie ein alter Rockstar. Der Ort ist die Bibliothek des Münchner Literaturhauses, vier Meter hohe Bücherregale, der Literaten-Tempel der bayerischen Landeshauptstadt. Thomas Gottschalk witzelt noch, dass er einen „Smoke On The Water“-Handyklingelton hat, bevor er von seinem neuen Projekt erzählt: „Der Unterhalter spricht über das Lesen.“ Von März an hat Gottschalk eine Literatursendung im Bayerischen Fernsehen.

Kann das zusammenpassen? Der Dampfplauderer mit großer Hörfunk- und vor allem Fernsehvergangenheit widmet sich nun der Literatur. Der Titel seiner Sendung „Gottschalk liest?“ ist mit einem ironischen Fragezeichen versehen. Zumindest schreckt der Mann vor nichts zurück und sagt: „Ich bin in einer Phase der Karriere, wo ich nichts mehr zu verlieren habe.“

Der 68-jährige einstige „Wetten, dass..?“-Moderator, der ab Februar Heidi Klum bei der neuen Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ unterstützen wird, schimpft im Literaturhaus über Twitter, die neuen Medien, er gibt die Devise aus: „Proust statt Posts.“ Damit erinnert er an den französischen Schriftsteller Marcel Proust und seinen siebenbändigen Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ – ohne zu verraten, ob er den mal gelesen hat.

Irritationen und Erstaunen

Als Literaturkritiker oder gar als „Literaturpapst“ will sich Gottschalk nicht gerieren, allenfalls sei er ein „Literaturkaplan“. Wenngleich er mehrfach von seinen verschiedenen Begegnungen mit Marcel Reich-Ranicki erzählt. Gottschalk will Bücher allenfalls in der Form kritisieren, dass er „Irritation und Erstaunen“ seinerseits zum Thema macht. Er bleibt, das ist sicher, der Wohlfühl-Gottschalk.

Wie genau die Sendung aufgebaut sein wird, weiß der BR selbst noch nicht – ob etwa ein Gast nach dem anderen dazu stößt oder aber die gesamte Runde von Anfang an diskutiert. Feststehen allerdings die Teilnehmer der ersten Folge: Es sind die Schriftsteller Sarah Kuttner, Martin Mosebach, Ferdinand von Schirach und Vea Kaiser. Mit ihnen wird er, so viel steht fest, über deren neue Bücher diskutieren. Aufgezeichnet wird die Sendung vor Publikum in Augsburg. Drei weitere Folgen sind über das Jahr verteilt geplant und kommen dann – so der BR-Proporz – aus Franken, der Oberpfalz und Oberbayern.

Gottschalk will Menschen für das Lesen und die Literatur interessieren, die sonst womöglich nicht so viel damit am Hut haben. Schon bei seinen Söhnen sieht er schmerzlich, wie diesen das Buch abhandenkommt. Und er gibt sich kulturpessimistisch: „Der Samstagabend im Fernsehen ist mir ja schon weggebrochen. Jetzt darf nicht auch noch das Lesen wegsterben.“ Über seine gegenwärtige Stellung meint er: „Durch die Gesamtverblödung meiner Umgebung bin ich auf der intellektuellen Ebene aufgestiegen.“

Mit seinem gespielten Understatement ist Gottschalk natürlich ein Fuchs. „Ich habe in meinem Leben ohne jede Anstrengung Radio und Fernsehen gemacht“, sagt er. Drei Wetten und drei Stars – damit habe er Sendungen sozusagen aus dem Ärmel geschüttelt. Klar, als ob das so leicht wäre. Nun meint er: „Erstmals muss ich mich vorbereiten.“ Lesen also. Nicht das Gesamtwerk der Gäste, aber zumindest die Bücher, um die es in der Sendung geht. Und über den Sendungsgast Martin Mosebach sagt er: „Vor dem habe ich ein bisschen Angst.“

Ein abgebrochenes Lehramtsstudium, drei Semester Germanistik – das soll ja nicht umsonst gewesen sein, meint Thomas Gottschalk. Seine abgebrannte Villa in Kalifornien packt er auch noch im Nebensatz in die Pressekonferenz: Es sei nicht so, dass er zu den BR-Leuten gesagt hätte: „Kommt, lasst mich doch, ich hab ja kein Zuhause mehr.“ Stattdessen will er Erfolg mit der Sendung, deren Fragezeichen („Gottschalk liest?“) er als ein Zeugnis von Demut ansieht. Sein Wunsch an seine Gäste lautet: „Bitte überfordert mich nicht.“

„Gottschalk liest?“, Die erste Folge läuft am 22. März um 22 Uhr im BR-Fernsehen. Vorab zu sehen in der BR-Mediathek ab 16. März, 20 Uhr 15

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