„hart aber fair“ mit AfD-Mann Uwe Junge : Der falsche Gast

Der "hart aber fair"-Talk zeigte: Die Kritik an der Einladung von AfD-Mann Junge war berechtigt. Allerdings aus den falschen Gründen. Ein Kommentar.

Der AfD-Vorsitzende von Rheinland-Pfalz, Uwe Jung, konnte bei "hart aber fair" punkten. Frank Plasberg hatte ihm wenig entgegenzusetzen.
Der AfD-Politiker Uwe Junge konnte bei "hart aber fair" punkten. Frank Plasberg hatte ihm wenig entgegenzusetzen.Screenshot: Tsp

Hass auf Andersdenkende kann töten, das hat der Mord an Walter Lübcke, dem Regierungspräsidenten von Kassel, gezeigt. Und weil sich Hass zuerst in Sprache äußert, hat Frank Plasberg mit dem ARD-Talk „hart aber fair“ die berechtigte Frage gestellt: „Aus Worten werden Schüsse: Wie gefährlich ist rechter Hass?“.

Die Einladung eines Gastes stieß dabei bereits vor Ausstrahlung auf massive Kritik: Dass Uwe Junge, der AfD-Vorsitzende von Rheinland-Pfalz, bei Plasberg mit am Tisch sitzen sollte, löste in den sozialen Netzwerken eine Protestwelle aus.

Vor zwei Jahren hatte er in einem Tweet angekündigt, dass der Tag kommen werde, „an dem wir die Unterstützer der Willkommenskultur zur Rechenschaft ziehen werden“.

Die Kritik an der Einladung ist berechtigt, das zeigte die Sendung am Abend. Allerdings nicht, weil man den geistigen Brandstiftern keine Fernsehbühne für ihre Demagogie geben darf oder weil AfDler automatisch mit Nazis gleichgesetzt werden dürfen und Nazis im Fernsehen nichts zu suchen haben.

Auch hätte es der Rechtfertigung der ARD gar nicht bedurft, um neben Vertretern von CDU (Herbert Reul) und Grünen (Irene Mihalic) einen AfD-Politiker hinzuziehen. „Wir bemühen uns, AfD-Vertretern kein Forum für ihre Zwecke zu bieten. Je nach Thema ist es aber von Fall zu Fall notwendig, AfD-Politiker selbst zu Wort kommen zu lassen“, hatte der Sender erklärt.

Die Entscheidung der „hart aber fair“-Redaktion für diese Einladung war deshalb falsch, weil Uwe Junge als Vertreter des gemäßigten Flügels die AfD über eine Stunde als „bürgerlich demokratische Partei“ anpreisen konnte. Die Partei würde innerhalb der eigenen Reihen konsequent gegen jegliche Gewaltaufforderungen vorgehen, konnte er behaupten, mit „Ermahnungen, Abmahnungen und Parteiausschlussverfahren“, wenngleich es das Parteiengesetz leider auch der AfD schwer mache, da noch konsequenter vorzugehen.

Nein, nicht die Einladung eines AfD-Vertreters muss kritisiert werden, vielmehr sollte es dann aber auch ein ausgemachter Brandstifter sein, dem dann von einem angriffslustigen Moderator mit der ganzen Härte der Fakten seine Verantwortung nachgewiesen werden kann.

Der Pudding an der Wand

Frank Plasbergs vielfache Versuche, Junge zu einem Eingeständnis für die Mitverantwortung der AfD für die Verrohung der politischen Kultur zu bewegen, mussten hingegen erfolglos bleiben. Man kann keinen Pudding an die Wand nageln. Auch nicht mit einem Einspieler über die Kommentare unter einem Anti-Lübcke-Post der AfD auf Facebook. Darin waren die schlimmsten Drohungen gegen den Regierungspräsidenten von Kassel zu lesen, der sich für die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften eingesetzt hatte. Erst nach vier Jahren löschte die Rechtsaußen-Partei solche Einträge wie „der ist dran, wenn wir dran sind“ über „der gehört sofort erschossen“ bis zu „steinigen“.

Dem Interesse an dem Talk hat die Diskussion über die Junge-Teilnahme indes eher genützt als geschadet. Trotz des auf Twitter von einigen Nutzern geforderten Boykotts schauten „hart aber fair“ am Montagabend 2,4 Millionen Zuschauer. Damit war der Talk die Sendung mit den viertmeisten Zuschauern an diesem Tag.