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Mit dem Zweiten sieht man besser. Intendant Thomas Bellut will nichts anderes, als den Slogan Programm werden zu lassen.

© picture alliance / dpa

ZDF-Intendant Bellut: Lanz kann’s so gut wie Gottschalk

Der neue ZDF-Intendant Thomas Bellut lässt keinen Zweifel am neuen „Wetten, dass..?“-Moderator zu. "Wenn wir mehr als acht Millionen Zuschauer erreichen, ist das ein großer Erfolg.“.

Ein Thomas Gottschalk, selbst wenn er nicht mehr für das Zweite Deutsche Fernsehen arbeitet, kann dortselbst immer noch Angst und Schrecken verbreiten. Der Showmaster war über 23 Jahre Moderator von „Wetten, dass..?“, Star und Quotenkönig des Mainzer Programms. Dann ging er zur ARD und scheitert(e) grandios mit „Gottschalk Live“. Darin liegen Appell und Mahnung zugleich, denn das ZDF hat sich entschlossen, „Wetten, dass..?“ fortzusetzen. Im Herbst, mit dem bisherigen Talkmaster und Koch-Moderator Markus Lanz. Eine Herausforderung für Lanz und für den neuen ZDF-Intendanten Thomas Bellut. Sollte der Gottschalk-Nachfolger keinen Erfolg haben, werden die Kritik und die Enttäuschung, die aktuell Gottschalk und das Erste abbekommen, Lanz und das Zweite erfassen.

Thomas Bellut, bis Mitte März dieses Jahres Programmdirektor des ZDF und seitdem Senderchef, kennt die Gefahr. Beim Pressegespräch in Berlin wollte der 57-jährige Osnabrücker keine Zweifel aufkommen lassen, dass sich das reformierte „Wetten, dass..?“ unter der Moderation des Südtirolers dem Publikum „konzeptionell ausgereift“ präsentieren werde. Am Layout werde intensiv gearbeitet, fest stehe, dass Lanz allein moderieren und „starke und auch internationale Gäste“ versammeln werde. „Wenn wir mehr als acht Millionen Zuschauer erreichen, ist das ein großer Erfolg“, legt Bellut die Messlatte auf. Das ist nicht ganz die bisherige Gottschalk-Flughöhe, doch nichts wird im TV-Business so gefürchtet wird wie Erwartungen, die nicht eingelöst werden. Der Gottschalk-Faktor. Also wird mit Lanz getestet, verworfen, die Mainzer Gründlichkeitsmethode angewandt, die es mit sich bringt, dass eine „heute-show“, heute eine strahlende Programmfarbe, lange in der Werkstatt war, ehe die Oliver-Welke-Truppe auf Sendung ging.

Gottschalk hatte sich nach der honorigen und durch die schwere Verletzung des Wettkandidaten Samuel Koch ausgelösten Aufgabe der „Wetten, dass..?“-Moderation eine werktägliche Talkshow nach dem „heute-journal“ gewünscht; das aber konnte sich das ZDF nicht vorstellen – da verabschiedete sich Gottschalk zur ARD. ZDF-Chef Bellut neigt in dieser Causa nicht zur Selbstzufriedenheit. Nach Gottschalk ist vor Lanz. Überhaupt, der neue ZDF-Intendant als gelernter politischer Journalist ist ein Realist. Einer, der jeder Vision, jeder Schwärmerei die Analyse als Mittel zur Besserung vorschaltet. Die 12,1 Marktanteil, die das ZDF im vergangenen Jahr erzielt hat, sind für ihn „ein Alarmzeichen“. Gewiss, in der Internet-Ära und der weiteren Diversifizierung des TV-Programmangebotes sind die großen Publikumszahlen vorbei; da segeln ARD und ZDF im gleichen Wind, und doch muss das gebührenfinanzierte Fernsehen wenigstens in seinen Kernaufgaben stark, auffällig sein. Es darf nicht Vorschub leisten für Diskussionen über die Notwendigkeit öffentlich-rechtlichen Rundfunkschaffens.

ZDF will Verjüngung und Modernisierung

Bellut hat für sich, sein Führungsteam und die Mitarbeiter einiges auf dem Zettel. Bei der Information, insbesondere beim „heute-journal“ , sieht er den Sender auf gutem Weg, auch wenn die über den Tag verstreuten „heute“-Sendungen an Zugkraft verloren haben, und er für die Hauptausgabe um 19 Uhr in der Mittellage zwischen „RTL aktuell“ und „Tagesschau“ noch Entwicklungspotenzial sieht. Bellut sucht nach Wegen, wie investigative Dokumentationen das Programm mehr prägen könnten, Beiträge wie die „Fukushima-Lüge“ oder den Beitrag über den Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen. Bellut meint nicht nur Einzelstücke, er meint auch das Magazin „Frontal 21“, das unter dem schlechten Vorlauf der Dokus um 20 Uhr 15, aber nicht darunter leidet.

Auf der SaldoRechnung steht auch die überkommene Showunterhaltung, in der Fiktion sind es in Sonderheit die Familienserien, die Bellut verstärkt und dabei weniger „old-fashioned“ anbieten will. Solche Veränderungen sollen das Profil schärfen, zugleich das Durchschnittsalter des ZDF-Publikums von jetzt 61 Jahren über die nächsten beiden Jahre stabil halten, und dann auf 60 Jahre senken. Das bedeutet: Verjüngung und Modernisierung. Der Probenraum dafür ist der Digitalkanal ZDFneo. Hier wird demnächst die BBC-Serie „Downton Abbey“ laufen, quasi als Preview fürs Hauptprogramm. Bei ZDFneo reüssieren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf mit ihrem Format „neoParadise“, ein angeschrägtes WG-Fernsehen. Bellut kann sich die beiden im Zweiten vorstellen. Eine „1:1-Übertragung werde es aber nicht geben“. Wann und wo ist offen, denkbar wäre der Freitagstermin der auslaufenden Kochshow.

Bildergalerie: Die letzte "Wetten, dass..?"- Sendung mit Thomas Gottschalk

ZDFneo gehört zu der Digital-Trias aus ZDFinfo und ZDFkultur. neo und info blühen, sie holen im Digitalmarkt zusammen 1,5 Marktanteil, sie sollen Jahr für Jahr zehn Prozent mehr Publikum unter 50 Jahren dazugewinnen. Der jüngste Digitalableger ZDFkultur tut sich noch schwer. Über die Digitalprogramme wird derweil heftig diskutiert, vor allem in der Medienpolitik, die von der SPD bis zur Union die jeweils drei Digitalkanäle von ARD und ZDF reduziert, gar abgeschafft sehen möchte. Bellut wird da nicht in Vorleistung gehen: „Wir haben einen gesetzlichen Auftrag für die drei Kanäle.“ Priorisierungen sind denkbar, konstruktive Gespräche mit der Medienpolitik ebenso.

Trotz der anstehenden Umstellung bei der Rundfunkgebühr von der Geräte-Gebundenheit zur Haushaltsabgabe sieht der Intendant für das ZDF in den kommenden zehn Jahren keinen Zuwachs bei den Gebühreneinnahmen. Deswegen und weil die KEF-Kommission den Sender zur Einsparung von 300 Stellen – insgesamt hat das ZDF 3600 festangestellte und rund 2400 feste-freie Mitarbeiter – verdonnert hat, müssen die Mittel zielgenauer eingesetzt werden. Bellut sieht nur noch wenige „Luxusoasen“ im Haus, den Stellenabbau will er über Frühverrentung und ähnliche Maßnahmen hinkriegen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden.

Geht das zusammen? Kürzungen beim Personal und dann die Fußball-Champions-League für rund 50 Millionen Euro pro Saison einkaufen? Für Bellut schon. Er sieht da große Quoten mit jungem Publikum erreicht, allein wenn das „heute-journal“ in den Halbzeitpausen läuft. Das Argument, das ZDF würde mit Gebührenmillionen ein Programm einkaufen, das auch die Privaten senden würden, kontert er mit dem Hinweis, dass es zahlreiche Rechtemärkte gäbe, bei denen das Zweite von RTL & Co. ausgestochen werde. Beispielsweise bei Film-Lizenzen. „Da aber gibt es keine Aufregung.“

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