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Große Leidenschaft für Politik: Jacob Schrot.
© ZDF

„Ich kann Kanzler“-Gewinner: „Mal sehen, wie lange das gut geht“

Jacob Schrot, erster Gewinner von „Ich kann Kanzler“ über Polit-Castingshows im Fernsehen, „DSDS“ und die Piraten.

Herr Schrot, Sie hatten beim Finale der ersten Show fast drei Viertel des Publikums hinter sich. Da muss man doch jeden CDU-Ortsverein mit links, wenn man das so sagen darf, auf seine Seite ziehen.

Der große Zuspruch hat mich sehr gefreut. Es haben sicherlich viele aus meiner Heimat Brandenburg angerufen, mein CDU-Kreisverband hatte auch eine Wahlparty veranstaltet. Aber ich glaube nicht, dass das bei der Abstimmung die entscheidende Rolle gespielt hat.

Die Frage zielte auf Ihr Talent für eine politische Karriere. Wie sieht es damit aus?

Ich war damals 18 Jahre alt und hatte gerade einen Auslandsaufenthalt in der Entwicklungshilfe in Uganda vor mir. Danach habe ich mein Studium in Dresden begonnen, das ich in diesem Sommer abschließe. Ich hätte die Möglichkeit gehabt, für den brandenburgischen Landtag zu kandidieren, habe es aber kategorisch abgelehnt. Von der Schulbank auf die Parlamentsbank, das finde ich illusorisch. Ich wollte mir nicht einbilden, dass man nach so einer Sendung in der Champions League der Politik mitspielen kann. Natürlich bin ich weiterhin politisch sehr aktiv und werde es auch mein Leben lang bleiben. Das gilt auch für die anderen Finalisten der ZDF-Sendung, die im sozialen, ehrenamtlichen Bereich tätig sind.

Sie haben noch Kontakt?

Nicht zu allen, aber zu einigen. Wenn Sie in dieser Generation unterwegs sind und Politik zu den Themen Europa und Jugendbeteiligung gestalten, dann treffen Sie immer dieselben Leute.

Das ZDF ließ durchblicken, dass der Sender die Auseinandersetzung zwischen den Kandidaten in der ersten Staffel als etwas zu brav und harmonisch empfand. Waren Sie nicht streitlustig genug?

Von Anfang an war klar, dass diese Sendung nicht in eine Reihe mit „DSDS“ und anderen seltsamen Formaten gestellt werden kann. Daher war die Jury besonders vorsichtig, niemandem zu sehr auf die Füße zu treten – das wird dieses Mal anders sein. Bei einigen Punkten waren wir uns als Kandidaten schlicht und ergreifend einig, so dass das Streitpotenzial nicht immer da war. Streit ist ja auch kein Selbstzweck. Es geht vor allem darum zu zeigen, dass junge Leute Spaß an politischem und gesellschaftlichem Engagement haben und mit neuen Ideen frischen Wind in den Politikladen bringen. Natürlich muss man an der Ausgestaltung noch Änderungen vornehmen, aber der Grundgedanke ist doch fantastisch!

Zum Beispiel?

Der Wahlkampf muss noch deutlicher zum Ausdruck kommen. Wenn die Kandidaten mit ihren Vorstellungen auf das seltsame Wesen „Wähler“ treffen, trennt sich die Spreu vom Weizen. Ich habe damals für meine Positionen geworben und viele Unterschriften gesammelt. Eine andere Idee, die ich bei demselben Format in Kanada und Lettland gesehen habe, wird das ZDF möglicherweise übernehmen: Stellen Sie sich vor, es gibt eine Flugzeugentführung mit dem Ziel, einen terroristischen Anschlag zu verüben. Werden Sie als Regierungschef die Maschine abschießen lassen? Ja oder nein? Sie müssen harte Entscheidungen treffen, die Sie in kürzester Zeit gut begründen müssen. Das finde ich sehr spannend.

Können TV-Sendungen Interesse für Politik wecken?

Kann man mit einer solchen Sendung wirklich politisches Interesse wecken?

Mein wirklicher Sieg in der Sendung war es, dass unter den tausenden Mails, die ich im Anschluss bekam, auch junge Leute dabei waren, die gesagt haben, dass sie nie in ihrem Leben Zeitung gelesen haben oder sich für Politik interessierten. Doch jetzt haben sie gesehen, dass es auch anders geht und sie deshalb beim nächsten Mal nicht von der Wahlurne fernbleiben. Genau darum ging es bei der Sendung.

Die Lage ist ja auch gar nicht so schlecht: Man kann heute mit 39 Jahren Vizekanzler sein.

(lachend): Ja, da können Sie mal sehen. Mal sehen, wie lange das noch gut geht.

Als junge Kraft entern gerade die Piraten die politische Bühne. Was halten Sie von der Art und Weise, wie die Piraten die Meinungsbildung organisieren?

Ich finde den Ansatz spannend, sie treffen die etablierten Parteien in einem wunden Punkt. Wir haben die parteiinterne Demokratie sträflich vernachlässigt und den gesellschaftlichen Dialog ungenügend gesucht. Die Piraten stoßen in diese Lücke. Aber die Piraten werden irgendwann erkennen, dass bestimmte Entscheidungen nicht immer mit einer Basisbefragung getroffen werden können.

Kann man sagen: Politik ist Ihr Leben?

Ja. Es ist meine große Leidenschaft, denn Politik hat eine faszinierende Eigenschaft: Sie ist überall. Ob ich den Wasserhahn aufdrehe, Luft atme oder einen Kaffee trinke – Politik ist einfach allgegenwärtig. Politik zu gestalten heißt nichts anderes, als sein eigenes Leben zu gestalten.

Hat sich durch die Sendung Ihr Leben verändert?

Die Sendung hat meiner Generation ein Podium geboten, auf dem wir endlich zeigen konnten, was politisch in uns steckt. Das ist eines der größten Probleme, die wir haben: Wir werden nicht gehört, da es keine bundesdeutsche Interessenvertretung für die Rechte der Jugend gibt. Wir haben in Deutschland für alles einen Lobbyverein, von den Kleingärtnern bis zu den Pharmakonzernen, aber keinen für die Interessen meiner Generation.

Jacob Schrot, 21, aus Brandenburg, 2009 Gewinner der ersten Ausgabe von „Ich kann Kanzler“ (ZDF), studiert in Dresden Politik- und Kommunikationswissenschaften. Mit 16 Eintritt in die CDU, Mitglied in Landesfachausschüssen CDU Brandenburg. Für das von Jörg Pilawa moderierte Finale des Polit-Castings „Ich kann Kanzler“ (ZDF, 1. Mai, 22 Uhr) qualifizierten sich u.a. Leslie Pumm, 18, aus Berlin und Susanne Wiest, 45, aus Greifswald. In der Jury sitzen Maybrit Illner, Michael Spreng und Oliver Welke. Der vom Studiopublikum gewählte Sieger gewinnt ein Kanzler-Monatsgehalt.

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