Mediatheken von ARD und ZDF : Öffentlich-rechtlicher Aufbruch

Die ARD will exklusive Inhalte für ihre Mediathek produzieren, eine Vernetzung mit dem ZDF-Angebot gibt es schon.


Die öffentlich-rechtlichen Mediatheken müssen sich in Sachen Angebotsvielfalt nicht hinter der Streaming-Konkurrenz verstecken. Allein in der ARD-Mediathek stehen mehr als 1000 Filme, über 2000 Dokumentationen und mehr als 40 fiktionale Serien zum Abruf bereit. Für Kinder bietet die ARD-Mediathek fast 1000 Beiträge wie Märchenfilme, Kinderfilme, Kinderserien; Reportage- und Wissensformate.

Die große Bedeutung des Informationsauftrags zeigt sich auch beim ZDF. Die Mediathek des Zweiten enthält 1900 Dokumentationen. Die Sendungsausschnitte und sonstige Clips sind dabei nicht einmal berücksichtigt. Hinzu kommen rund 100 Filme sowie 750 Serienfolgen aus rund 65 Serien. ZDFtivi, das Angebot für Kinder, umfasst darüber hinaus rund 1700 Videos.

Exklusive Inhalte für ARD-Mediathek

Die jüngsten Pläne der ARD sehen sogar vor, die gemeinsame Mediathek des Ersten und der neun ARD-Landesrundfunkanstalten zu einem eigenständigen Streamingangebot zu entwickeln. Dazu sollen Inhalte exklusiv für die Mediathek produziert werden, wie die ARD in dieser Woche bekannt gegeben hat. Für das Erste und die Mediathek wird es darum eine integrierte Programmplanung und ARD-Programmdirektion in der Verantwortung von Florian Hager geben, der das ARD/ZDF-Jugendangebot „funk“ aufgebaut hat und nun zum stellvertretenden Programmdirektor befördert wurde.

Vergleichbare Pläne hat das ZDF nicht: „Exklusivität ist für uns nicht das Kriterium. Entscheidend wird es sein, plattform- und zielgruppengerechte Inhalte für die ZDFmediathek zu produzieren. Die können dann auch gerne im TV laufen“, teilten die Mainzer auf Anfrage mit.

Seit Mai ist es den Öffentlich-Rechtlichen erlaubt, europäische Lizenzproduktionen in ihren Mediatheken zu zeigen. Dazu gehören im ARD-Angebot unter anderem Klassiker wie „Die unendliche Geschichte“ und den Kultwestern „Für eine Handvoll Dollar“. Zu Weihnachten kommt auch „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ in der ARD-Mediathek. Der Serienbereich wird zum Beispiel durch „Agatha Christies Marple“ erweitert, zusätzlich mit Originalversion in Englisch.

Sowohl die ARD als auch das ZDF stellen viele Beiträge vor der TV-Ausstrahlung in ihre Mediatheken – mit Erfolg: die ARD-Serien „Bonusfamilie“ und „Labaule und Erben“ kamen bereits vor der TV-Ausstrahlung auf jeweils 500 000 Videoaufrufe. Seit kurzem sind die beiden Mediatheken über ihre jeweiligen Suchfunktionen miteinander vernetzt.

Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?

Das komplizierteste Thema bei den Mediatheken von ARD, ZDF und Arte ist die Verweildauer. Sie differiert je nach Art des Beitrages. Nach derzeitigem Recht beträgt die Verweildauer drei Monate für Filme und episodische Serien sowie sechs Monate für horizontale Serien. Bei Programmschwerpunkten dürfen Filme und Serien bis zu zwölf Monate eingestellt werden. Die gleiche Dauer gilt für Nachrichten, Magazine, Dokumentationen und Reportagen, erläutert das ZDF. Für Beiträge aus dem Bereich Wissen und Bildung gelten bis zu fünf Jahre. Nur zeit- und kulturgeschichtlichen Inhalte dürfen wir unbefristet in der Mediathek anbieten, ergänzt die ARD.

Das könnte auch einfacher geregelt werden, meint das ZDF, das mit dem Fernsehrat über neue Regeln verhandelt. Der Vorschlag der Mainzer: Für Filme und Fernsehspiele sollte eine Verweildauer von einem Jahr gelten, für Nachrichten und Dokus zwei Jahre und für Bildungsinhalte fünf Jahre. Ohne ins Detail zu gehen, betont auch die ARD die Bedeutung des Themas: „Wir bauen erstmals eine integrierte Programmplanung für Das Erste Deutsche Fernsehen und die Mediathek auf. In diesem Zusammenhang spielen attraktive Verweildauern eine zentrale Rolle“, sagt Benjamin Fischer, Leiter von ARD Online und des ARD Digitalboards dem Tagesspiegel.

Im kommerziellen Sektor gelten ohnehin andere Regeln. Das ZDF vermarktet seine Inhalte parallel auch noch über Maxdome und Amazon Prime, teils in Prime enthalten wie „Der Bergdoktor“, teils zusätzlich kostenpflichtig wie „Letzte Spur Berlin“ im ZDF Krimi Channel. Die ARD verfährt ähnlich. Die ARD-Vorabendserie „Hubert und Staller“ gehört auch zu den Katalogen von Amazon Prime, Netflix und Maxdome. Aus Gebührenzahlersicht besonders ärgerlich: In Magenta TV der Telekom sind einige öffentlich-rechtliche Inhalte wie zum Beispiel der „Tatort“ in weit größerem Umfang verfügbar als in den eigenen Mediatheken.