Neues Label für Nachrichtenseiten : Startup will Fake News bekämpfen

Das Medien-Start-up NewsGuard vergibt Zertifikate für Nachrichtenseiten. Dafür überprüfen Journalisten, ob eine Seite Falschmeldungen veröffentlicht hat.

Anonymous-Aktivisten.
Anonymous-Aktivisten.Foto: imago/Ralph Peters

Der Titel ist angriffslustig: „NewsGuard“, Nachrichtenwächter. Die Absicht ist friedlich, das US-amerikanische Start-up will seinen Nutzern helfen, Information von Desinformation zu scheiden, sprich ein Gefühl, wenn nicht eine Gewissheit dafür geben, dass die aufgerufene Nachrichtenquelle glaubwürdig ist und nicht mehr oder weniger aus Fake News besteht.

NewsGuard, 2018 gegründet von den Journalisten Steven Brill (Zeitschriften- und Sachbuchautor) und Gordon Crovitz (Kolumnist für das „Wall Street Journal“), analysiert und bewertet Nachrichtenseiten, bislang sind rund 4500 in den USA und in Großbritannien geprüft worden. Jetzt kommen Deutschland, Italien und Frankreich dazu.

Die Prüfung erfolgt laut Pressekonferenz am Dienstag in Berlin nach folgendem Prinzip: Ausgebildete Journalisten, in Deutschland sind es an die zehn, sie arbeiten als freie Mitarbeiter für das ZDF oder „Handelsblatt“, messen die Qualität der Nachrichten- und Infoseiten nach neun Kriterien für Glaubwürdigkeit und Transparenz.

Dabei können jeweils maximal 100 Punkte erreicht werden, am meisten – nämlich 22 – gibt es für den Prüfpunkt, dass in den vergangenen drei Jahren die Webseite nicht wiederholt Beiträge veröffentlicht hat, die nachweislich falsch waren und nicht rasch und deutlich richtiggestellt wurden. 12,5 Punkte gibt es beispielsweise für die klare Unterscheidung zwischen Nachricht und Meinung.

Alle drei Monate werden Bewertungen überprüft

Zu den Transparenzkriterien gehört: Die Webseite veröffentlicht Eigentumsverhältnisse und/oder Finanzierung wie ideologische Standpunkte/Positionen, die mit den Interessen der Eigentümer verbunden sind. Dafür winken 7,5 Punkte. Erfüllt eine Seite eines oder mehrere Kriterien nicht, gibt die NewsGuard den Verantwortlichen per Telefon oder Email die Gelegenheit, sich dazu zu äußern.

Etwa alle drei Monate werden die Bewertungen regelmäßig aktualisiert. Es geht nicht um Zensur, nicht um Sperre, es geht ums Bessermachen.

Nachrichtensites mit weniger als 60 Punkten erhalten ein rotes Label, jene oberhalb dieses Wertes ein grünes Label. Nutzern, die NewsGuard heruntergeladen haben, werden die Labels neben allen Quellen angezeigt, auf die sie etwa über Social-Media-Feeds oder Suchmaschinen zugreifen (zum Herunterladen des Browser Plugin siehe die Webseite www.newsguardtech.com).

Mitgründer Brill und Alina Fichter, die die Leitung von NewsGuard in Deutschland übernommen hat, betonten, dass das Medien-Start-up auf menschliche statt künstlicher Intelligenz setzt „und Journalisten journalistische Arbeit bewerten“. Das positive, grüne Zertifikat, das negative, rote Zertifikat wurde in Deutschland bislang jenen deutschsprachigen Nachrichtenwebseiten erteilt, die für 70 Prozent der Interaktionen in sozialen Medien verantwortlich sind. Bis Ende Juni sollen es 90 Prozent sein. Es wird bewertet, ob die Webseite es will oder nicht.

Größtmögliche Transparenz

NewsGuard setzt auf größtmögliche Transparenz – bei den Kriterien, bei den Prüfprozessen, bei den Mitarbeitern. Wer bei einer Webseite das Label anklickt, bekommt einen Mediensteckbrief zu lesen, der detailliert darüber aufklärt, wie es zu dieser Bewertung gekommen ist.

Zum Budget sagte Brill, es habe eine erste Finanzierungsrunde über sechs Millionen Dollar gegeben, eine zweite werde folgen. Von den bewerteten Homepages wird kein Geld genommen, Einnahmen werden von Technologieunternehmen wie Plattformen und Suchmaschinen erzielt, wenn sie in die Lizenzierung der Bewertungen investieren. Microsoft zahlt für die Installation des Tools in seinem Betriebssystem Edge.

Und wer hat in Deutschland den TÜV für Medien-Glaubwürdigkeit bestanden? tagesspiegel.de, spiegel.de und bild.de beispielsweise bekamen die grüne Plakette, epochtimes.de, sputniknews.com und rt.com die rote. Das wird Medienskeptiker auf den Plan rufen.