Rundfunk Berlin-Brandenburg : Patricia Schlesinger vor Wiederwahl

Mitte 2021 endet die erste Amtszeit von RBB-Intendantin Patricia Schlesinger. Am 10. September entscheidet sich, ob sie eine zweite Amtszeit bekommt.

Patricia Schlesinger ist seit dem 1. Juli 2016 Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg.
Patricia Schlesinger ist seit dem 1. Juli 2016 Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg. Am 10. September stellt sie sich zur...Foto: RBB/Oliver Ziebe

In einer nicht-öffentlichen Sitzung wird am 10. September über die Wiederwahl von Patricia Schlesinger als Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) entschieden. Auf diesen Termin einigte sich der Rundfunkrat des RBB auf Empfehlung des Wahlausschusses am Donnerstag in Berlin. Schlesinger hatte bereits zuvor signalisiert, dass sie für eine zweite Amtszeit zur Verfügung steht. Einen Gegenkandidaten gibt es nicht.

Patricia Schlesinger war 2016 zur zweiten Intendantin des RBB gewählt worden. Die ehemalige Leiterin des Programmbereichs Kultur und Dokumentation des NDR-Fernsehens hatte sich gegen den ZDF-Mann Theo Koll durchgesetzt.

Erst die zweite Intendantin des RBB

Ihre Amtszeit, die insgesamt fünf Jahre beträgt, begann am 1. Juli 2016. Schlesinger hatte Dagmar Reim, die Gründungs-Intendantin des RBB, abgelöst. Der RBB war am 1. Mai 2003 aus dem Zusammenschluss des Sender Freies Berlin (SFB) und des Ostdeutschen Rundfunks (ORB) hervorgegangen.

Anders als vor vier Jahren findet die Wahl diesmal nicht in Potsdam-Babelsberg, sondern am Berliner Sitz des RBB in der Masurenallee statt. Der Grund: Im großen Sendesaal des RBB kann der Rundfunkrat auch unter Einhaltung der Corona-Abstandsregeln zusammenkommen.

Mit der Wahl von Patricia Schlesinger als Intendantin verband der Rundfunkrat 2016 die Hoffnung auf eine umfassende Reform des RBB-Programms im Fernsehen und seinen Radio-Wellen. Nachdem zunächst die TV-Prime-Time umgebaut wurde, drängten Schlesinger und der ebenfalls vom NDR kommende Programmchef Jan Schulte-Kellinghaus auf Veränderungen im Radio, unter anderem bei der Jugendwelle Fritz. Zu den Großbaustellen des RBB gehört zudem das Kulturradio, das nun in zwei Stufen beginnend Mitte September reformiert wird.

Auch finanziell steht die Zwei-Länder-Anstalt vor großen Herausforderungen. Der Jahresabschluss 2019 weist ein Defizit von 71,4 Millionen Euro aus, das im Wesentlichen durch Rückstellungen für die Altersversorgung aufgrund der andauernden Niedrigzinsphase zustande kommt. Durch höhere Beitragseinnahmen und eine sparsame Haushaltsführung fiel das Minus um 27,5 Millionen Euro geringer als erwartet aus. Für den Bau des geplanten digitalen Medienhauses in Berlin (Fertigstellung 2025) wurden die Rücklagen auf fast 24 Millionen Euro Ende 2019 gesteigert. Zudem verfügte der Sende Ende vergangenen Jahres über Finanzmittel in Höhe von 62,3 Millionen Euro.

Generationswechsel in Führungspositionen

Innerhalb ihrer ersten Amtszeit muss Schlesinger überdies den Generationswechsel an zwei wichtigen Positionen einleiten. Im April 2021 gehen mit Kulturchef Stephan Ababarnell und Chefredakteur Christoph Singelnstein zwei Führungskräfte des RBB in den Ruhestand.

Ababarnell will sich auf seine schriftstellerische Tätigkeit konzentrieren, Singelnstein bleibt dem Sender und der Intendantin in beratender Funktion erhalten. Im Oktober will die RBB-Intendantin dem Rundfunkrat über Fortschritte in der Nachfolgefrage berichten.

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Patricia Schlesinger betonte ausdrücklich, dass Singelnsteins Abschied keineswegs mit dem missglückten Sommerinterview mit dem ehemaligen brandenburgischen AfD-Fraktionsvorsitzenden Andreas Kalbitz verknüpft werden dürfe. Der RBB will künftig auf diese Interviewform verzichten, zudem soll es Fort- und Weiterbildungen zur Interviewführung geben.

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