"Sterns Stunde" : TV-Journalist und Umweltschützer Horst Stern gestorben

Mit der Serie "Sterns Stunde" schrieb Horst Stern Fernsehgeschichte. Nun ist der Umweltschützer und TV-Journalist im Alter von 96 Jahren gestorben.

Horst Stern
Horst SternFoto: picture-alliance / dpa

"Man rettet den deutschen Wald ja nicht, indem man ,O Tannenbaum' singt." Sätze wie dieser haben den Umweltschützer und Fernsehjournalisten Horst Stern ins kollektive TV-Gedächtnis gebrannt. Nun ist er nach Angaben seines Sohns am vergangenen Donnerstag nahe Passau im Alter von 96 Jahren gestorben.

Mit eindrucksvollen, teils drastischen Filmaufnahmen und Kommentaren hatte Stern schon in den 1970er Jahren vor einem gedankenlosen Umgang mit der Natur gewarnt und Missstände aufgedeckt. Seine ARD-Sendung „Sterns Stunde“ ist vielen älteren Fernsehzuschauern heute noch ein Begriff.

Der damalige Fernsehdirektor des Süddeutschen Rundfunks, Horst Jaedicke, hatte ihn, angeblich nach fünfjährigen Bemühen, vom Hörfunk zum Fernsehen geholt. Horst Stern hatte in den 60er Jahren über 50 Schulfunksendungen über Tiere, auch über falsch verstandene Tierliebe, gemacht.

Horst Stern wurde am 24. Oktober 1922 in Stettin in eine arme Familie ohne Vater geboren. Er brach die Oberrealschule in Berlin nach der Mittleren Reife ab und machte eine Banklehre. Im Zweiten Weltkrieg war er Fallschirmjäger im sogenannten Afrika-Feldzug und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. In einem Gefangenenlager in den USA schaffte er es, ein Fernstudium der Rechte und der Literatur an der Universität Chicago zu beginnen.

Dolmetscher der US-Armee

1948 kehrte er aus den USA zurück und wurde Dolmetscher der US-Armee in Ludwigsburg (Baden-Württemberg). Er war Gerichtsreporter der "Stuttgarter Nachrichten", dann wechselte er zum Hörfunk des Süddeutschen Rundfunks. Mit den 20 Episoden der Serie "Sterns Stunde" schrieb er zwischen 1970 und 1979 Fernsehgeschichte.

Horst Stern gilt neben seiner publizistischen Tätigkeit als Wegbereiter des organisierten Naturschutzes. Er war 1975 Mitbegründer des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland, 1982 Mitbegründer der Deutschen Umweltstiftung.

Er berichtete ausschließlich über die heimische Tierwelt, geißelte falsch verstandene Tierliebe. Große Proteste riefen seine "Bemerkungen über den Rothirsch" hervor, die am Heiligen Abend des Jahres 1971 ausgestrahlt wurden. Von daher auch sein Spruch über die Rettung des Waldes und "O Tannenbaum".

Südfunk-Fernsehdirektor Jaedicke verteidigte die Sendung mit den Worten: "Wenn jemand an Heilig Abend das Fernsehen überhaupt braucht, um sich in weihnachtliche Stimmung zu versetzen, dann soll er das ZDF anschalten. Da singen die Regensburger Domspatzen."

1979 beendete Horst Stern seine Fernsehtätigkeit, wieder mit einem markigen Satz: "Wenn es soweit ist, dass alte Damen dir die Hände küssen und in dir einen Franziskus sehen, dann bist du auf dem völlig falschen Dampfer."

Er ging nach Irland, gründete die Zeitschrift "natur" im Ringier-Verlag in Zürich und begann Romane zu schreiben, darunter "Mann aus Apulien" über Kaiser Friedrich II. (1986) und "Jagdnovelle" (1989).

Horst Stern lebte zuletzt sehr zurückgezogen wieder in Passau. Zu seinem 90. Geburtstag 2012 teilte eine Sprecherin der Stadt mit, Stern wolle "nicht in die Öffentlichkeit und seinen Ehrentag in Abgeschiedenheit feiern".

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