Studie über Film- und Fernsehbranche : Produzentinnen sind gegenüber Produzenten benachteiligt

Eine Untersuchung belegt: Eine Produzentin braucht 17 Euro Fördermittel, um einen Kinozuschauer anzulocken. Ein Produzent 42 Euro.

Kamerafrauen sind eine wahre Seltenheit im Film- und Fernseh-Business.
Kamerafrauen sind eine wahre Seltenheit im Film- und Fernseh-Business.Foto: picture alliance/dpa

Können diese Ergebnisse wirklich manchen (Mann) überraschen? Die Produzentinnen in der deutschen Film- und Fernsehbranche sind strukturell benachteiligt, sie bekommen weniger Fördermittel und haben oftmals kleinere Budgets als die Produzenten, dabei sind sie wirtschaftlich erfolgreicher und „dabei künstlerisch mindestens genauso anerkannt wie ihre männlichen Kollegen“. Das sind die zentralen Thesen der Studie „Produzentinnen in Deutschland: Relevanz und Strukturdaten“, die Elizabeth Prommer, Direktorin des Instituts für Medienforschung an der Universität Rostock, für die ARD-Filmintendantin, MDR-Chefin Karola Wille, erstellt hat.

Die Strukturen in der Produzentenbranche zeigen sich verfestigt. Seit Jahren, seit 2009 gebe es keine signifikante Veränderung des Frauenanteils. 2018 sind Frauen zu 43 Prozent der Kinofilme als Produzentinnen beteiligt. Männer seien dagegen zu 88 Prozent engagiert, da 31 Prozent der Filme gemischte ProduzentInnenteams haben. „Rein männliche Filme gibt es zu 57 Prozent, rein weibliche zu zwölf Prozent“, heißt es in der aktuellen Studie.

Für das Fernsehen wurde ein ähnliches Bild analysiert: 25 Prozent frauengeführte Produktionen, 23 Prozent gemischt und 52 Prozent nur Männer, was im Saldo eine Männer-Beteiligung von 75 Prozent und Produzentinnen von 48 Prozent ergibt. „Das heißt: In über der Hälfte der Filme ist keine Frau beteiligt, aber nur in zwölf Prozent der Filme ist kein Mann beteiligt“, so Elizabeth Prommer. Geschlechtergerechtigkeit hat die Film- und Fernsehbranche in Deutschland noch nicht erreicht.

Weiblich geführte Firmen bekommen weniger Fördermittel

Die Bestandsaufnahme belegt ferner, dass eine weiblich geführte Firma ein Drittel weniger Fördermittel pro Film bekomme als eine männlich geführte Firma. Und dass obwohl Produzentinnen, wie die Wissenschaftlerin feststellt, nachweislich effizienter, das heißt wirtschaftlich erfolgreicher, mit Fördermittel umgingen. Eine Produzentin braucht nur 17 Euro Filmförderung, um einen Zuschauer ins Kino zu locken, ein Produzent dagegen 42 Euro. Produzentinnen erhielten 2018 rund 25 Prozent der gesamten Fördermittel (Bund, große Länderförderungen), zehn Prozent bekamen rein weibliche Firmen, der Rest ging an gemischte Teams. Andersherum flossen 75 Prozent der Mittel an Männer.

Die Studie zeigt auch, dass Produzentinnen um die Sichtbarkeit von Frauen in der Branche besorgt sind. „Produzentinnen fördern Diversität“, konstatiert Elizabeth Prommer. Sie machten mehr Protagonistinnen in Kino und Fernsehen sichtbar, erzählen häufiger Frauenfiguren. Sie würden zudem mehr als doppelt so häufig mit Regisseurinnen und 2,5 Mal so oft mit Drehbuchautorinnen zusammenarbeiten. Auch andere Teammitglieder seien häufig weiblicher.

Schaut man auf die Geschlechterteilung der kreativen Funktionen in fiktionalen Fernsehproduktionen, wird die männliche Dominanz vor allem in drei Aufgabenbereichen sichtbar: Die Inszenierung übernehmen zu 80 Prozent Regisseure, Drehbücher stammen zu 62 Prozent von Autoren, die Kamera ist mit 93 Prozent fest in männlicher Hand.

Fördern Redakteurinnen mehr Männer?

Die Zahlen sind schon überraschend, weil an den Schalt- und Vergabestellen für eine Produktion mehr Frauen als Männer sitzen. 47 Prozent der Positionen in den Senderredaktionen sind weiblich besetzt, 26 Prozent gemischt geschlechtlich, 27 Prozent männlich. Fördert die Produzentin die Diversität spürbarer, energischer als die Redakteurin?

Die Medienwissenschaftlerin Elizabeth Prommer hat schon öfters die Geschlechter-Strukturen in der Branche analysiert. So kommen Frauen im deutschen Film und Fernsehen seltener vor als Männer, sie sind kürzer sichtbar, haben weniger Wortanteile, und müssen meist jung und hübsch sein. Joachim Huber