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Dmytro Kuleba, Außenminister der Ukraine, konnte aus Sicherheitsgründen nicht an der gesamten "Anne Will"-Sendung teilnehmen.
© REUTERS

Außenminister der Ukraine bei „Anne Will“: „Wir werden mit Schaufeln kämpfen“

Wie sehr wollen Europa und insbesondere Deutschland helfen? Eine erstaunliche Debatte bei „Anne Will“.

Es war der Außenminister der Ukraine, Dmytro Kuleba, der am Sonntagabend den Unterschied bei „Anne Will“ machte. In die fast schon handelsübliche Debatte der anwesenden deutschen Politiker, ob Deutschland genug Waffen an sein Land liefere, brachte er die ganze grausame Dramatik der Situation ein: Wenn die Europäer meinten, die Ukraine würde im Angesicht einer Niederlage im Krieg mit Russland kapitulieren, dann „werden wir mit Schaufeln kämpfen“.

Diesem Satz schickte er die Warnung voraus, dass dieser Moment desto eher kommen würde, je weniger der Westen die Ukraine gegen die russische Aggression unterstützen würde.

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Dann, es war 22.20 Uhr, musste sich Kuleba aus der Sendung verabschieden – aus Sicherheitsgründen. Nicht, dass die Talkrunde an ihr Ende gekommen wäre, das nicht, aber ihre Dimension war beträchtlich geschrumpft. EU-Präsidentin Ursula von der Leyen, auch sie wie der Außenminister ins Berliner Studio zugeschaltet, hatte sich zur Eröffnung von „Anne Will“ noch das Thema „Solidarität mit der Ukraine – wozu sind Deutschland und Ukraine bereit?“ zu eigen gemacht.

Sie gab sich sehr überzeugt, dass der anstehende EU-Gipfel der Ukraine den Status eines Beitrittskandidaten zubilligen werde. Und machte sehr klar, dass es nur von der Ukraine abhängen werde, wie lange der Prüfprozess andauern werde. Längst seien nicht alle Kriterien – Stichwort: unabhängige Justiz – erfüllt. Danach verabschiedete sich von der Leyen aus der Runde, bedauerlicherweise verabschiedete sich damit auch der EU-Aspekt.

Welche Möglichkeiten hat Deutschland?

In der Runde verblieben: Michael Müller, der für die SPD im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages sitzt, Johann David Wadephul, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Auswärtiges und Verteidigung, der Journalist Christoph Schwennicke, schließlich die Politikwissenschaftlerin und Sicherheitsexpertin Claudia Major.

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Moderatorin Anne Will konzentrierte den Frageradius auf den Aspekt, ob Deutschland bei der Unterstützung der Ukraine endlich genug unternehme, zumal nach dem Besuch von Kanzler Olaf Scholz in Kiew. Wadephul: Nein. Müller: Welche Möglichkeiten hat Deutschland denn? Schwennicke: Irgendwo dazwischen.

Es hätte den Diskutanten und insbesondere Müller noch in den Ohren klingen müssen, was Dmytro Kuleba auch gesagt hatte: Je später die Waffen kommen, desto mehr Tote werde es geben. Will versuchte die Debatte zusätzlich mit der Statistik zu befeuern, wonach Deutschland nur an Platz acht der Waffenlieferanten stehe.

Major sorgt für klare Sicht

Ehe sich die Männerabteilung ins parteipolitische Unterholz gänzlich verlieren konnte, sorgte Claudia Major für klare Sicht. Sie differenzierte aus, was passiert, wenn die Russen nach dem Gewinn des Donbass noch weitere Gebiete erobern: Dann ist die Ukraine erledigt, ein souveräner Staat wäre verschwunden, der Westen und Europa hätten mit dem Triumphator Putin ein noch viel größeres Problem. Deswegen müsse jetzt und auf der Zeitachse das Engagement groß und größer werden.

Wäre der Außenminister der Ukraine noch Teilnehmer dieser „Anne Will“-Ausgabe gewesen, hätte er das Gefühl gewinnen können, mit seinen Appellen verstanden worden zu sein. Denn das ist die Lage: Die russische Artillerie ist der ukrainischen 15-fach überlegen.

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