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Nach dem Anschlag in Halle : Was über Tat und Täter bekannt ist

In Halle (Saale) hat ein Deutscher zwei Menschen erschossen. Sicherheitskreise gehen jetzt davon aus, dass er alleine gehandelt hat.

Polizisten am Tatort in Halle.
Polizisten am Tatort in Halle.Foto: Reuters/ Hannibal Hanschke

Deutsche Sicherheitsbehörden gehen bei dem Angriff von Halle, bei dem zwei Menschen getötet wurden, von einem Einzeltäter aus. Die Polizei war am Nachmittag noch von mehreren bewaffneten Tätern ausgegangen. Wie der Tagesspiegel aus Sicherheitskreisen erfuhr, handelt es sich es bei dem Täter um einen 27-jährigen Deutschen aus Sachsen-Anhalt. Stephan B. war bislang weder der Polizei noch dem Verfassungsschutz bekannt.

Der mutmaßliche Täter, ausgestattet mit einer Helmkamera, hat offenbar ein 25-minütiges Video von der Tat gedreht und es auf mehrere Plattformen im Internet hochgeladen – offenbar nach dem Vorbild des Anschlags im neuseeländischen Christchurch. In Christchurch hatte ein australischer Rechtsextremist im März in zwei Moscheen mehr als 50 Menschen getötet. Er hatte den Anschlag live im Internet übertragen. Das Video von Stephan B. liegt den Ermittlungsbehörden inzwischen vor. Das berichtet der Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Aus dem Video, das zum Teil offenbar vor der Tat aufgenommen wurde, ergeben sich klare Hinweise auf ein antisemitisches und rechtsextremes Motiv. Mehrfach schimpft der Täter über "Juden" und "Kanaken". Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sprach von einem rechtsextremistischen Hintergrund der Tat.

Der Angriff auf die Synagoge in Halle müsse lange geplant gewesen, sei aber "dilettantisch" ausgeführt worden, hieß es in Sicherheitskreisen weiter. Vergeblich hatte er versucht, sich schwer bewaffnet Zugang zum Gotteshaus zu verschaffen, in dem sich anlässlich des Feiertages Jom Kippur rund 80 Menschen versammelt hatten. Der Täter schoss in die Tür der Synagoge, um diese zu öffnen. Der Wagen des Mannes, später in Halle sichergestellt, war mit Sprengstoff präpariert.

Zwei Tote und mehrere Verletzte

Bei dem Angriff mitten in Halle erschoss Stephan B. zwei Menschen. Bei den Opfern handele es sich um einen Mann, der in einem Imbiss erschossen wurde und um eine Frau, die vor einem jüdischen Friedhof getötet wurde.

Neben den beiden Todesopfern auch zwei Schwerverletzte gegeben. Wie das Universitätsklinikum der Stadt auf Anfrage mitteilte, wurden die beiden mit Schussverletzungen in die Klinik eingelieferten Opfer am Mittwochnachmittag operiert. Ob Lebensgefahr bestand, stand zunächst nicht fest.

Polizisten mit Schutzhelmen übersteigen in Halle eine Mauer.
Polizisten mit Schutzhelmen übersteigen in Halle eine Mauer.Foto: dpa/ Sebastian Willnow

Auch in Landsberg, rund 15 Kilometer von Halle entfernt, gab es Schüsse, meldete eine Polizeisprecherin am Nachmittag in Halle. Zu den näheren Umständen des Vorfalls in dem Ort wollte sie zunächst nichts sagen.

Der Generalbundesanwalt hat das Bundeskriminalamt (BKA) beauftragt, die Ermittlungen in Halle zu übernehmen. "Aktuell befinden sich Vorauskommandos des polizeilichen Staatsschutzes aus Berlin und Meckenheim auf dem Weg nach Halle", schrieb das BKA am Mittwochabend im Kurznachrichtendienst Twitter.

Zeugen sprachen von Schüssen vor jüdischem Friedhof

Ein Augenzeuge berichtete gegenüber dem Sender NTV von einem Täter, der mit einem Sturmgewehr in einen Dönerladen geschossen habe. Er habe Tarnkleidung und eine Sturmhaube getragen. Der Zeuge selbst habe sich nach eigenen Aussagen während der Tat in dem Imbiss befunden. Bei den Schüssen sei ein Mann gestorben. Bevor der Täter sein Gewehr abfeuerte, habe er versucht, eine Granate in den Laden zu werfen. Diese sei aber am Türrahmen abgeprallt und dann draußen explodiert.

Ein anderer Zeuge berichtete gegenüber dem MDR von den Schüssen vor dem jüdischen Friedhof. Der Täter habe mit einer Schrotflinte und einem Maschinengewehr geschossen. Eine Frau sei dabei gestorben. Der Täter hatte versucht, in die nahe gelegene Synagoge einzudringen. In dem Gotteshaus hätten sich zu dem Zeitpunkt 70 bis 80 Menschen befunden, sagte Max Privorotzki, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle. Die Sicherheitsvorkehrungen an der Tür hätten dem Angriff stand gehalten.

Der Bahnhof von Halle war wegen der Lage vor Ort und polizeilicher Ermittlungen für mehrere Stunden gesperrt. Es kam zu zahlreichen Verspätungen und Umleitungen, wie die Deutsche Bahn bereits am Mittwochnachmittag mitteilte.

Die Bundespolizei verstärkte derweil Kontrollen an den Bahnhöfen und Flughäfen in Mitteldeutschland. Auch die Verkehrswege nach Polen und Tschechien werden verstärkt kontrolliert. Zudem werde die Polizei vor Ort in Halle unterstützt.

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Die Polizei in zahlreichen Städten verstärkte ihre Präsenz vor jüdischen Einrichtungen. (mja, dpa, AFP)