zum Hauptinhalt
Bei den Ausgrabungen im Red Bank Battlefield Park wurde ein Massengrab mit 13 hessischen Soldaten entdeckt. (Archivbild vom 02.08.2022)
© Matt Rourke/AP/dpa

Nach 245 Jahren: Archäologen finden in New Jersey Massengrab mit deutschen Soldaten

Bei Ausgrabungen in den USA wurden die menschlichen Überreste von 13 hessischen Soldaten gefunden. Sie sollen im Unabhängigkeitskrieg 1777 gefallen sein.

Im US-Bundestaat New Jersey sind Archäologen der „Rowan University“ bei Ausgrabungen nahe der Stadt Philadelphia auf ein Massengrab von deutschen Soldaten gestoßen.

Wie die Universität berichtet wurden im „Red Bank Battlefield Park“ die skelettierten Überreste von bislang 13 Personen freigelegt. Die Forscher vermuten, dass es sich bei den Toten um hessische Soldaten handelt, die im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg auf der Seite der Briten gekämpft haben sollen.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Am Tag des historischen Fundes wollte das Ausgrabungsteam unter der Leitung der Historikerin Jennifer Janofsky eigentlich schon Feierabend machen, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Doch plötzlich fand einer der freiwilligen Helfer einen menschlichen Oberschenkelknochen.

Professorin Janofsky erinnert sich: „Diesen Moment werde ich nie vergessen. Er war unglaublich. Er war überwältigend. Er war traurig.“

Ausgrabungen auf einem historischen Schlachtfeld

Die Ausgrabungen finden derzeit auf dem „Battlefield Park“ statt, wo sich 1777 die Schlacht von Red Bank ereignete. Laut Janofsky wurde genau hier der größte umstrittene Sieg der amerikanischen Revolution entschieden.

Auf dem heutigen Grabungsareal befand sich damals ein langer Graben, der das Fort Mercer umfasste. Dabei handelte es sich um eine Militäranlage des amerikanischen Revolutionskriegs, die etwa 290 lang und 46 Meter breit war.

Die menschlichen Überreste ruhten 245 Jahre lang unter der Erde – in einer Tiefe von nur 1,3 Metern. Dass die mutmaßlich hessischen Soldaten in einem Massengrab gefunden wurden, sei laut Grabungsleiterin eine Seltenheit und für Schlachtfelder aus dem Revolutionskrieg eher untypisch. „Überreste auf einem Schlachtfeld zu finden, ist unglaublich ungewöhnlich“, so die Historikerin.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Was wurde bei den Ausgrabungen noch gefunden?

Neben den menschlichen Überresten der hessischen Soldaten wurden auf dem Schlachtfeld weitere Gegenstände des alltäglichen Bedarfs gefunden, darunter auch Zinn- und Messingknöpfe.

Darüber hinaus wurden typische Kriegsutensilien wie Musketenkugeln, Schrotkugeln, Munitionskanister und die Schnalle einer Uniform freigelegt, an der die Wissenschaftler im Nachhinein noch Kleidungsfasern und menschliches Blut feststellen konnten.

Zu den Highlights gehört der Fund einer Goldguinee von König George, dem Dritten. Der Wert dieser Münze entsprach damals in etwa dem Monatssold eines Soldaten.

Die Münze wurde bloßgelegt, als gerade einige Besucher vor Ort waren und die Ausgrabungsstätte besichtigten. Grabungsleiterin Janofsky erinnert sich: „Die Zuschauer waren gerade hier, als die Münze auf einem der Bildschirme auftauchte“. Die Professorin könne sich noch an die Schreie und die Aufregung erinnern. Die Münze schließlich selbst „zu sehen, sie in der Hand zu halten. Es war ein unglaublicher Moment.“

Bei den Ausgrabungen im Red Bank Battlefield Park wurde eine Goldguinee von König Georg, dem III.gefunden. (Archivbild vom 02.08.2022)
Bei den Ausgrabungen im Red Bank Battlefield Park wurde eine Goldguinee von König Georg, dem III.gefunden. (Archivbild vom 02.08.2022)
© Matt Rourke/AP/dpa

Was geschah am 22. Oktober 1777 auf dem Schlachtfeld?

Die Schlacht am Fort Mercer fand im Oktober des Jahres 1777 statt. Zur 2000 Mann starken Streitmacht der Briten gehörten vornehmlich Soldaten einer hessisch-kasselschen Truppe, die unter der Führung des Kommandeurs Karl Emil von Donop auf das Schlachtfeld zog.

Fort Mercer galt als wichtiger Verteidigungspunkt der Amerikaner. Als die britischen Truppen aufmarschierten, befanden sich rund 400 Soldaten in der Festung. Trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit konnten die Verteidiger die Stellung halten und die Schlacht am 22. Oktober 1777 für sich entscheiden. Während auf der britisch-hessischen Seite etwa 377 Verluste zu beklagen waren, zählten die Amerikaner nur 14 Tote.*

Wenn Ausgrabungsleiterin Janofsky heute 245 Jahre später auf das 44 Hektar große Schlachtfeld blickt, denke sie ständig an die Menschen, die in dieser Schlacht ihr Leben gelassen haben, heißt es im Bericht der „Rowan University“. Unter den menschlichen Überresten der Soldaten soll sich ersten Vermutungen der Wissenschaftler zufolge auch ein junger Mann zwischen 17 und 19 Jahren befunden haben.

Sobald die DNA-Untersuchung an den menschlichen Überresten abgeschlossen sind, sollen die Toten an einem anderen Ort bestattet werden.

*Anmerkung der Redaktion: Zuvor war fälschlicherweise von „377 Toten“ auf der britisch-hessischen Seite berichtigt worden. Tatsächlich handelte es sich hierbei um einen Übersetzungsfehler: Gemeint waren 377 „Verluste“ oder auch "Gefallene", die sowohl tote Soldaten, aber auch Verwundete oder Soldaten in Gefangenschaft inkludieren. An dieser Stelle vielen Dank an Charybdis66 für den Hinweis.

Zur Startseite