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Capital Bra erpresst : Clans bedrohen Rapper – Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt

Capital Bra ist Deutschlands erfolgreichster Rapper. Nun soll er bedroht und erpresst worden sein – Ermittler haben einen arabischen Clan im Visier.

Der Rapper Capital Bra.
Der Rapper Capital Bra.Foto: imago/Photopress Müller

Seit Wochen tritt der Rapper Capital Bra kaum noch in der Öffentlichkeit auf, weil er von einschlägig bekannten Clan-Kriminellen bedroht, verfolgt und erpresst worden sein soll. Das berichtete die „Bild-Zeitung“ am Donnerstag. Die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigte, dass sie wegen räuberischer Erpressung zum Nachteil des Musikers ermittelt: "Weitere Einzelheiten können derzeit nicht veröffentlicht werden."

Aus Justizkreisen werden die "Bild"-Angaben jedoch bestätigt: Männer, die der Familie El-Zein zugerechnet werden, sollen von Capital Bra 500.000 Euro verlangt haben - und eine Gewinnbeteiligung. Der 24 Jahre alte Capital Bra lebt luxuriös im Berliner Zentrum und landete innerhalb eines Jahres 13 Nummer-eins-Hits in den Charts. Er leitet sein eigenes Label "Bra Music". Er wurde 1994 in Sibirien geboren, kam mit sieben Jahren nach Berlin, sein bürgerlicher Name lautet: Vladislav Balovatsky.

Sollte sich der "Bild"-Bericht als korrekt herausstellen - und bislang widersprechen ihm weder Polizisten noch Staatsanwälte -, dann versucht auch der El-Zein-Clan am lukrativen Musikgeschäft zu verdienen. Die El-Zein-Familie soll demnach zusammen mit Angehörigen der Miris vergangenes Jahr Capital Bra geholfen haben, sich von seinem alten Label zu trennen. Das war noch bevor Capital Bra beim Label "ersguterjunge" des Rappers Bushido im Sommer 2018 untergekommen war.

Um Capital Bra aufzulauern und ausfindig zu machen, sollen sich die Clan-Mitglieder die Dienste von tschetschenischen Gruppen in Anspruch genommen haben. Für diese Gruppen ist es ein Geschäft, im Auftrag Menschen zu erpressen, zu bedrohen und auch Gewalt anzuwenden. Die Tschetschenen hatten aber bei Capital Bra keinen Erfolg.

Um an den Musiker herantreten zu können, letztlich also um über ihn zu verhandeln, sollen die Männer der beiden Familien auch den Remmo-Clan kontaktiert haben. Ein namhaftes Mitglied der Remmos gilt als Freund und Geschäftspartner von Bushido. Er gilt als sogenannter "Rücken" des Rappers, wie es im Szenejargon heißt. 

Capital Bra über Bushido: "Die Polizei ist jetzt dein Team"

Erst im Januar hatte Capital Bra das Label „ersguterjunge“ des Rappers Bushido verlassen und einen Vertriebsvertrag bei Universal Music unterschrieben. Er begründete sein Ausscheiden damit, dass Bushido mit der Polizei zusammenarbeite. Denn auch Bushido stand, salopp ausgedrückt, unter der Fuchtel einer Szenegröße: der wegen Körperverletzung verurteilte Arafat Abou-Chaker. Bushido trennte sich von Abou-Chaker im Unfrieden, der Rapper und seine Familie wurden bedroht.

Capital Bra hatte Bushido vorgeworfen, Leute anzuschwärzen und erklärt: "Ich bin nicht für sowas, es ist traurig, was dieser Mann dem Team angetan hat. Wir sind kein Team, die Polizei ist jetzt dein Team." Nun hat sich, so die "Bild", also auch Capital Bra aus Angst vor Männern aus dem Milieu an die Polizei gewandt.

Für Bushido gibt es seit Monaten umfangreichen Personenschutz, inwiefern das Landeskriminalamt Berlin nun auch Capital Bra schützt, ist nicht bekannt. Zu individuellen Gefahrenanalysen äußert sich die Polizei nicht. Capital Bra selbst war dazu am Donnerstag nicht erreichbar. 

Clans wollen mit Rappern Geschäfte machen

LKA-Beamte sollen jedoch bei den Clan-Mitgliedern Gefährderansprachen durchgeführt haben, berichtet "Bild". Capital Bra selbst erklärte via Instagram: "Es gibt ein paar Leute, die sagen, die bekommen noch Geld von mir. (...) Ich sage Euch: Ihr bekommt nicht einen einzigen Cent von mir. Ich habe mich bei jedem gerade gemacht, ich schulde keinem was."

Das Bundeskriminalamt und auch die Berliner Polizei gehen von engen Verbindungen zwischen HipHop-Szene, Rappern und organisierter Kriminalität - insbesondere Clans - aus. Die Clans haben erfolgreiche Rapper als Geschäftsfeld für sich ausgemacht. Bushido und Abou-Chaker hatten dafür das Vorbild geliefert. 

Die kriminellen Mitglieder der Clans

Die genannten Großfamilien stammen aus dem Libanon. Zu den El-Zein, die es in diversen Schreibweisen gibt, gehört Mahmoud Al-Zein, der sich selbst einst als „Präsident“ bezeichnet hatte. Der einschlägig Vorbestrafte soll ein Kilo Kokain und zehn Kilo Haschisch nach Deutschland geschmuggelt und verkauft haben. 

Nach der Haft zog er ins Ruhrgebiet, wurde aber 2018 wieder in Berlin gesehen. Andere Angehörige wurden wegen des Überfalls auf das KaDeWe und eines Mordauftrages an einem Nebenbuhler verurteilt.

Die Männer der Familie Remmo sind bekannt, weil 2017 Angehörige in Britz einen Mann erschlagen und die Goldmünze im Bodemuseum gestohlen haben sollen. Im ersten Fall wurde ein Remmo freigesprochen, im zweiten läuft noch der Prozess. Ein Familienmitglied sprengte 2014 eine Sparkasse, andere sind verdächtigt, am Überfall auf einen Geldtransporter 2018 mitgewirkt zu haben. 

2018 beschlagnahmten die Behörden 77 Immobilien der Familie Remmo, es besteht der Verdacht, dass Clan-Mitglieder die Immobilien mit Gewinnen aus Straftaten finanziert haben. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Geldwäsche.

Der Druck auf die bekannten Großfamilien wurde bundesweit erhöht. Immer wieder aber beklagen sich Ermittler über fehlendes Personal, veraltete Technik und unzureichende Gesetze.

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