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Ein schöner Ort - Sirince.

© REUTERS

21. Dezember = Weltuntergang: Die letzte Zuflucht liegt in der Türkei

Wenn am 21. Dezember die Welt untergeht, soll es einen rettenden Ort geben – Sirince in der Türkei. Aber wenn zu viele Menschen kommen, bricht alles zusammen und Sirince ist der einzige Ort, an dem die Welt untergeht.

Eigentlich ist die Wintersaison ruhig in dem westtürkischen Städtchen Sirince. Mit seiner malerischen Lage auf einem Hügel in der Nähe der Ägäisküste und seinen alten griechischen Häuschen zieht Sirince im Sommer viele Touristen aus dem nahen Ephesus an, aber im Dezember kommt kaum jemand. Normalerweise. In diesem Jahr dagegen wird Sirince in wenigen Tagen knallvoll sein.

„Unglaublich“ sei die Zahl der Buchungen, sagte Hotelier Ilkan Gülgün. Täglich müsse er etwa zehn Anfragen von Besuchern abweisen, weil bei ihm schon alles ausgebucht sei, berichtete der Autor Sevan Nisanyan, der ein anderes Hotel in Sirince betreibt.

Weitere Hotelbetreiber äußerten sich ähnlich. Seit ein bis zwei Monaten melden sich demnach immer mehr Besucher aus der Türkei und dem Ausland an. Den noch nie da gewesenen Buchungsboom verdankt Sirince dem angeblich bevorstehenden Weltuntergang am 21. Dezember – und dass das verschlafene Sirince die Apokalypse unbeschadet überstehen wird.

Im Internet werden schon seit geraumer Zeit Anleitungen zum Bunkerbau und zur Zusammenstellung einer Notfallausrüstung für den Tag X angeboten.

Und Sirince? Schon seit Jahrzehnten gilt der ehemals griechische Ort, der in den 1920ern nach einem Bevölkerungsaustausch zwischen der Türkei und Griechenland von Türken besiedelt wurde, bei Esoterikern als Stelle „einer ganz besonderen Energie“, weiß Nisanyan. Einige vermuten in Sirince den Geburtsort der griechischen Jagd- und Fruchtbarkeitsgöttin Artemis und jene Stelle, an der Maria, die Mutter Jesu, in den Himmel auffuhr. Das könnte Sirince retten, glauben einige Hotelgäste, die sich angesagt haben. „Sie erwarten, dass hier ein Schiff ankommt“ und die Auserwählten nach einer neuen Sintflut wie eine neue Arche Noah mitnimmt in eine goldene Zukunft, sagte Hotelier Gülgün. „Ein neues Zeitalter wird beginnen, denken sie. Und Sirince ist für sie ein heiliger Ort.“

Plan B: Zelte für die obdachlosen Besucher

Neben Sirince gilt in New-Age-Kreisen auch das kleine Dorf Bugarach in den französischen Pyrenäen als angesagte Adresse für den Weltuntergang. Auf einem Berg in der Nähe von Bugarach werde ein Ufo landen und die Menschen dort vor dem Jüngsten Tag retten, lautet die Theorie. Das Bürgermeisteramt von Bugarach hat für die Zeit vom 19. bis zum 23. Dezember Polizeischutz angefordert, um das Dorf vor einem Ansturm von Endzeitgläubigen zu schützen.

In Sirince ist Derartiges bisher nicht vorgesehen, doch Sevan Nisanyan hält Notfallplanungen auch in seinem Städtchen für angebracht. Einer Kapazität von rund 400 Betten in Sirince stehe eine Nachfrage in schätzungsweise zehnfacher Höhe gegenüber, sagte er. „Ich habe sogar Leute aus Indonesien hier.“ Aus Deutschland haben sich ebenfalls Weltuntergangsflüchtlinge bei ihm angesagt.

Was Nisanyan fürchtet, ist nicht die Apokalypse, sondern die Überforderung der beschränkten Ressourcen des kleinen Ortes. Er ist dafür, die Aufstellung von Zelten vorzubereiten, um obdachlose Besucher in den kalten Dezembernächten unterbringen zu können.

In der Tat, wenn zu viele Menschen kommen, dann bricht die gesamte Infrastruktur zusammen, es gibt dann vielleicht nicht genug Trinkwasser und zu essen und Sirince ist der einzige Ort, an dem die Welt untergeht.

„In Sirince wird die Welt untergehen, wenn wir zehntausend Leute hierhaben“, sagte Nisanyan. „Schon jetzt ist klar, dass es Chaos geben wird.“

Weltuntergang hin oder her – viele im Städtchen freuen sich darüber, dass Sirince im Zentrum einer erdumspannenden Aufregung steht. „Ich wünschte, wir hätten immer solche Gerüchte“, sagte Ibrahim Katac, ein Bewohner Sirinces, kürzlich der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. „Das bringt uns neue Besucher.“

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