zum Hauptinhalt
Ein Militärflugzeug fliegt über einer Lenin-Statue am Himmel. In Estland werden sowjetische Denkmäler künftig nicht zu sehen sein.
© dpaFoto: Dmitri Lovetsky/AP/dpa

„Quelle zunehmender sozialer Spannungen“: Estlands Regierung will bis zu 400 sowjetische Denkmäler demontieren

Ein umstrittenes Panzer-Monument in einer estnisch-russischen Grenzstadt sorgt für Spannungen. Die Regierung sagt, die Denkmäler passen nicht mehr in die Zeit.

In Estland sollen auf Beschluss der Regierung sämtliche sowjetische Denkmäler in dem baltischen EU- und Nato-Land demontiert werden. „Als Symbole von Repressionen und sowjetischer Besatzung sind sie zu einer Quelle zunehmender sozialer Spannungen geworden – in diesen Zeiten müssen wir die Gefahr für die öffentliche Ordnung so gering wie möglich halten.“, schrieb Ministerpräsidentin Kaja Kallas am Dienst auf Twitter.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Bereits Anfang August hatte die estnische Regierung angekündigt, sämtliche sowjetische Denkmäler entweder demontieren oder verlegen zu wollen. Zeitpunkt und Reihenfolge hingen demnach von der Bereitschaft und den logistischen Planungen der Städte und Gemeinde ab. Nach Angaben der Ministerpräsidentin gibt es in Estland etwa 200 bis 400 sowjetische Denkmäler.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Panzer-Denkmal steht besonders in der Aufmerksamkeit

In den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte rückte zuletzt vor allem ein umstrittenes Panzer-Monument nahe der estnisch-russischen Grenzstadt Narva im Osten des baltischen Landes. Dort hatten sich Anfang August mehrere Dutzend Menschen versammelt, nachdem es Gerüchte gegeben hatte, dass das auf einem hohen Sockel stehenden Kriegsrelikt entfernt werden würde. 

Die Ministerpräsidentin Estlands Kaja Kallas will sowjetische Denkmäler entfernen.
Die Ministerpräsidentin Estlands Kaja Kallas will sowjetische Denkmäler entfernen.
© picture alliance / Hans Lucas

Ein Panzer ist eine Mordwaffe, er ist kein Erinnerungsobjekt. Und mit denselben Panzern werden gegenwärtig auf den Straßen der Ukraine Menschen getötet“, sagte Kallas. Auch gebe es unter dem Denkmal keine Kriegsgräber.

Narva zählt 90 Prozent ethnische Russen

Die Verwaltung der rund 60 000 Einwohner zählenden Stadt, deren Bevölkerung zu mehr als 90 Prozent aus ethnischen Russen besteht, hatte sich zuvor gegen eine Verlegung des Sowjetpanzers ausgesprochen. Sie will nach der Ankündigung der Ministerpräsidentin nun das Gespräch mit der Regierung in Talinn suchen.  

Estland war im Zweiten Weltkrieg abwechselnd von der Sowjetunion und Deutschland besetzt. Nach Kriegsende blieb der Baltenstaat bis 1991 unfreiwillig Teil der Sowjetunion. Bis heute besteht die Bevölkerung zu rund einem Viertel aus ethnischen Russen, die häufig auch familiäre Bindungen nach Russland haben.

Unter ihnen gibt es Umfragen zufolge teils Unterstützung für den Kurs des russischen Präsidenten Wladimir Putin und dessen Angriffskrieg gegen die Ukraine. (dpa)

Zur Startseite