Kampagne soll sensibilisieren : Das Smartphone als Killer auf der Straße

Studien zufolge wird jeder dritte Unfall verursacht, weil Fahrer abgelenkt waren – vor allem durch Handys. Plakate an Autobahnen sollen wachrütteln.

Wer das Smartphone am Steuer benutzt, ist vorübergehend im Blindflug unterwegs.
Wer das Smartphone am Steuer benutzt, ist vorübergehend im Blindflug unterwegs.Foto: Sebastian Gollnow/dpa

2017 gab es in Deutschland mehr als 300.000 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, fast 3200 Menschen kamen ums Leben. Glaubt man Studien, wurde jeder dritte Unfall verursacht, weil die Fahrerin oder der Fahrer abgelenkt waren – vor allem durch das Smartphone.

„Das Handy ist ein Killerthema“, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Donnerstag bei einer Veranstaltung im ADAC-Fahrsicherheitszentrum Linthe bei Berlin. Etwa die Hälfte aller Autofahrer nutze das Smartphone während der Fahrt. Mit einer Anzeigenkampagne will das Ministerium zusammen mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) nun auf das Thema aufmerksam machen. „Allein mit Bußgeldern bekommen wir das nicht in den Griff“, sagte Scheuer.

Die Werbeagentur Scholz&Friends hat für die Kampagne drastische Motive entworfen: „tipp, tipp, tot“ steht neben einem zersplitterten und blutverschmierten Handy. Eine anderes Motiv ist im Stil einer Todesanzeige gestaltet: „Jens (26), abgelenkt durch eine SMS“. Zu sehen sein werden die Plakate an Bundesautobahnen und Raststätten. Dort hat der DVR das exklusive Recht, auf Themen der Verkehrssicherheit („Runter vom Gas“) aufmerksam zu machen. Etwa 700 Stellplätze gibt es. Werbung ist an der Autobahn verboten.

Die Ablenkung durch Smartphones sei neben Alkohol am Steuer, zu hoher Geschwindigkeit und der vernachlässigten Gurtpflicht zur häufigsten Ursache für schwere, häufig tödliche Unfälle geworden, sagte DVR-Geschäftsführerin Ute Hammer. „Am Steuer hat das Handy nichts zu suchen.“ Wer eine Nachricht tippe oder lese, sei vorübergehend „im Blindflug“ unterwegs. Faustformel: eine Sekunde Ablenkung = 15 Meter. Dies reiche aus, um einen Unfall zu verursachen.

Der Minister konnte am Donnerstag selbst testen, wie schnell man sich vom Smartphone ablenken lässt. Bei einer Runde auf dem Versuchsgelände sollte er am Steuer eine SMS schreiben – und rauschte prompt in ein Hindernis aus Wasserfontänen. „Ich bin stark beeindruckt“, sagte er danach.

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